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SIDS – revisited

Auf dem Blog der Stillberatung Bremen habe ich ein interessantes Zitat gefunden – und hoffe, dass sie den Volltext-Artikel findet, den hätte ich nämlich auch gerne!

SIDS (ploetzlicher Kindstod) revisited:
Zufaellig bin ich auf der Webseite des Europaeischen Instituts fuer Laktation und Stillen auf dies gestossen:

„Prof. Dr. G. Jorch aus der Otto-von Guericke-Universität Magdeburg macht sich Gedanken zu negativen Auswirkungen präventiver Maßnahmen:
„Noch kritischer wird dieser Gesichtspunkt bei den Empfehlungen zur Schnullerverwendung und zum Elternbettverzicht.In diesem Kontext wird argumentiert, dass die Verhinderung des Risikos SIDS-Tod so vorrangig sei, dass mögliche Nebenwirkungen der Gesundheitsempfehlungen vernachlässigt werden können. Wenn man aber bedenkt, dass beispielsweise das Elternbettrisiko bei gleichzeitiger Rückenlage, Rauchverzicht und Stillen marginal ist, kann man meines Erachtens Stillförderer verstehen, die diesen Faktor sehr differenziert diskutieren.“
(Zusammenfassung als pdf)
Ich versuche grade, den Artikel im Volltext zu bekommen – also spaeter mehr!

Vorsicht! Attachment Parenting funktioniert nicht

Es gibt ein Problem. Attachment Parenting funktioniert nicht. Auch Unerzogen funktioniert nicht. Und doch glauben alle daran – und machen sich selbst und einander das Leben zur Perfektionshölle.

Letztens erzählte ich einer anderen AP-Mutter, dass unser Sohn Karies hat und jetzt eine zahnärztliche Behandlung braucht. Jene Mutter fragte zuerst die Dinge ab, die uns auch Familienmitglieder, Zahn- und Kinderärzte fragen: Wieviel Zucker bekommt er? Wie oft putzt ihr Zähne? Womit? Als ich alle diese Fragen offenbar zu ihrer Zufriedenheit beantwortet hatte, sagte sie: „Hm, klingt so, als hättet ihr alles richtig gemacht.“ (Subtext: Es hätte funktionieren müssen)

Ja, irgendwie schon, dennoch stehen wir vor der Frage nach dem Warum, die derzeit mit „vielleicht hat er einfach extrem empfindlichen Zahnschmelz“ beantwortet wird. Aber sie war ja eine AP-Mutter…und sie hatte eine viel bessere Idee: „Und trotzdem Karies…ich finde, ihr solltet euch Gedanken darüber machen, was euer Kind euch damit sagen will, wenn ihm quasi der Mund wegfault.“ (Subtext: Wenn es nicht funktioniert hat, ist bei euch irgendetwas falsch!)

Wow. Das saß. Ich war sprachlos. Verletzt. Schließlich wütend. Dann habe ich – wie immer – versucht, nachzudenken. Und heraus kam: Tausend Dank für diese Replik! Denn ja, genau hier liegt eines der größten Probleme des Attachment Parenting.

AP-Mütter glauben – und bekommen fast überall in der Szene gesagt – dass man bei einem Kind nur die richtigen Knöpfe drücken muss und es wird ein zufriedenes, gesundes, freundliches, unerschrockenes, aufmerksames, kooperatives Baby und Kleinkind sein. Vorsicht! Attachment Parenting funktioniert nicht weiterlesen

Badinter: "Der Konflikt" – Karriere und AP als Widerspruch

Ach, ich liebe Bücher, die mich aufwühlen, die mich ärgern, bei denen mir der Mund offensteht, die mich zum Nachdenken anregen – und das neue Werk der französischen Philosphin Elisabeth Badinter „Der Konflikt. Die Frau und die Mutter“ ist so eines. Ich darf die Zusammenfassung vom Perlentaucher verwenden:

Frauen sollten wieder zurück zu Heim und Herd. Diesmal nicht, um den Mann zu umsorgen, sondern das Kind. Unter dem Banner der Natürlichkeit werden die Ansprüche an die gute Mutter so in die Höhe geschraubt, dass Frauen ihre Freiheiten wieder zu verlieren drohen, fürchtet Elisabeth Badinter.

Ein Interview im Spiegel hier, Artikel der taz sieht uns am „Zügel von Mutter Natur“, die FR schreibt, Badinter wolle Frankreichs Frauen vor der Öko- und Stilllobby schützen.

Soweit, so gut. Badinter wendet sich im Prinzip gegen das Attachment Parenting – das in diesem Blog ja das Thema ist – und verurteilt es als Versuch, den Frauen die Segnungen des Feminismus zu entreißen und sie mit Hilfe der Babies wieder aus den Büros zu holen und zu Hause anzuketten.

Seit fast drei Jahren recherchiere ich nach Gegenargumenten gegen die Ideen des AP und bin bisher kaum fündig geworden. Endlich weiß ich, warum: Weil es offenbar wissenschaftlich gesehen (außer beim Co-Sleeping und der SIDS-Debatte) kaum Gegenargumente gibt. Die schärfsten Kritiker des AP kommen von der ideologischen Seite und hier vor allem vom Feminismus. Ich war zunächst sehr überrascht darüber, denn auch ich habe während meine Politikwissenschaftsstudiums natürlich feministische Schriften gelesen und bearbeitet und hatte eher das Gefühl, dass AP dessen Ziele gerade unterstützt. Ich fühlte mich mit einem getragenen, gestillten, windelfreien Baby viel freier, unabhängiger, weiblicher, gleichwertiger als ich es mit einem „Mainstream-Baby“ gewesen wäre, das mein Nomaden-Ich u.a. ja gezwungen hätte, mit 60 Kilo Reisegepäck umherzuziehen und immer in der Nähe eines Fläschchensterilisators zu bleiben.

Was ich dabei völlig übersehen habe: Feminismus kann auch bedeuten, dass es wichtig für die Frau ist, das Kind möglichst schnell abzugeben. Möglichst schnell abstillen, weggeben und dann wieder kindfrei ins Büro/ins Kino/ins Fitnessstudio können. Und dann ist AP natürlich ein Schuldgefühl-Katalsysator par excellence.

Und genau so liest sich auch die Literatur derer, die dagegen anschreiben. Ob es „Perfect Madness“ ist oder jetzt „Der Konflikt“ – mir fällt vor allem immer wieder auf, dass es in diesen Büchern an wissenschaftlichen Argumenten volkommen fehlt. Badinter wendet sich vehement gegen das Stillen, muss aber doch selbst schreiben: „Die physischen und psychischen Vorteiles für das Baby sind seit Langem bekannt“ (S. 84, deutsche Ausgabe). Sie singt ein Loblied auf die PDA unter der Geburt, weil sie „den extremen Schmerzen während der Geburt ein Ende setzte“ und verhöhnt alle, die sich dagegen wenden – aber sie lässt galant unter den Tisch fallen, welche rein medizinischen Nachteile dieser Eingriff in die Geburt hat. Während sie sonst gerne mit Statistiken und Studien um sich wirft, bleibt sie hier still.

Es geht offenbar nicht um die Frage, was gut ist für die Babys. Diese Frage stellt Badinter kein einziges Mal. Im Gegenteil. Im Kapitel „Die Herrschaft des Babys“ schreibt sie: „Das unschuldige Baby wurde – wenngleich nicht willentlich – zum stärksten Alliierten der männlichen Herrschaft“. Und deshalb müssen wir ihm leider die Dinge entziehen, die es braucht, denn wir dürfen uns als Frauen dieser Herrschaft auf keinen Fall beugen.

Was mich wundert, ist, dass dies eine Argumentation ist, der man genauso unterstellen könnte, dass sie die Frau ebenfalls nur wieder in die Prinzipien der männlichen Welt einpresst, ohne nach ihren Bedürfnissen zu fragen. Stillen ist schlimm, weil es der Karriere schadet – wenn aber Karriere gar nicht das vorrangige Ziel der Frau ist? Co-Sleeping ist schlecht, weil die Frau dann weniger Lust auf Sex hat – was aber, wenn das a) gar nicht unbedingt der Fall ist (sie zitiert keinerlei wissenschaftliche Belege und rein praktisch weiß jeder, dass es neben Betten ja auch Sofas und andere Orte in der Wohnung gibt…) und b) ist das doch wieder die Argumentation, dass die Frau als Ehefrau bitteschön recht bald wieder zur Verfügung zu stehen habe.

„Die Zerbrechlichkeit von Beziehungen und die heutige Bedeutung der Sexualität als Beziehugnsktt werden schweigend übergangen.“ (S. 120). Hier lese ich heraus: Wir sollen die Babys – obwohl es für die Babys eindeutig von Nachteil ist! – frühzeitig abstillen und von ihnen getrennt schlafen (also nachts drei Mal aufstehen, um ein weinendes Baby zu beruhigen!), damit wir bald wieder Lust auf Sex haben und damit sicherstellen, dass uns der Mann nicht abhaut? Ist das Emanzipation?

Mir ist überhaupt nicht klar, was das mit Feminismus und Emanzipation zu tun hat. Könnte mich bitte jemand aufklären?

Auf Seite 122 hingegen schreibt sie selbst, was diese Art von Emanzipation möglicherweise mit den Kindern der vorigen Generation gemacht hat: „Vielleicht muss man darin (in der Kritik der Töchter an den emanzipierten Müttern, Anm. d. Verf.) folgenden Vorwurf hören: Du hast alles für deine Unabhängigkeit geopfert, auch mich. Du hast mir nicht genug Liebe geschenkt, nicht genug Fürsorge und nicht genug Zeit.“ Badinter will damit erklären, wie es überhaupt zu den „Rückschritten“ der aktuellen Entwicklung zurück zu Stillen, Tragen, Familienbett und im ersten oder sogar zweiten Jahr zu Hause bleibenden Müttern kommen konnte: Die Töchter wollen es anders machen. Weil sie – so Badinter selbst! – unter der Emanzipation ihrer Karrieremütter gelitten haben.

Was mich wundert bei der ganzen Debatte: Es geht nie darum, wie man den Konflikt lösen könnte. Es geht nirgends darum, dass bestimmt mehr Mütter ihre Kinder gerne auch früher betreuen lassen würde, wenn es vernünftige Betreuung gäbe. Was ich unter „vernünftig“ verstehe, steht in der nächsten „Unerzogen„. Es bedeutet auf jeden Fall, dass wir nicht einfach nur mehr Krippen- und Kitaplätze brauchen, sondern auch besser ausgebildetes und bezahltes Personal, bessere Betreuungsschlüssel, bessere Konzepte.

Stattdessen schreiben die einen: Die Mutter muss alles aufgeben für ihre Kind. Und die anderen kontern: Die Babys müssen damit klarkommen, dass ihre Mütter lieber Karriere machen. Wo, liebe Welt, ist der Mittelweg? Wo ist unser Konzept für artgerechte Haltung – für Mütter UND Babys?

Forscher: Das Schreien eines Babys "tut weh" – Mutter und Kind

Kennt ihr die Wahrnehmung, dass es richtig weh tut, wenn ein Baby schreit? Und dass es so klingt, als würde auch dem Baby etwas weh tun? Bei meinem Recherchen zu Liebeskummer habe ich heute etwas Interessantes gefunden: Es gibt Hinweise darauf, dass im Gehirn ähnliche Prozesse ablaufen, wenn wir jemanden vermissen oder uns verlassen fühlen wie wenn wir tatsächlich körperlichen Schmerz fühlen.

Wenn ein Baby schreit, wird bei Müttern der „Cortex cingularis anterior“ aktiviert, das ist eine Region im Hirn, die soziale Vorgänge bewertet und sich immer dann meldet, wenn etwas „falsch läuft“. Oder wenn der Körper Schmerz fühlt. Naomi Eisenberger zieht in diesem Artikel von 2003 für Science den Schluss:

This study suggests that social pain is analogous in its neurocognitive function to physical pain, alerting us when we have sustained injury to our social connections, allowing restorative measures to be taken.“.

Der Schmerz, wenn wir jemanden verlieren oder vermissen, löst ähnliche Prozesse im Gehirn aus wie physisch empfundener Schmerz. Das Ziel: Wir sollen unsere sozialen Verbindungen wieder „heilen“ – im Falle von Mutter und Kind die lebensnotwendige Nähe wieder herstellen.

Ein paar Jahre und einige Studien später (2009) schreibt Eisenberger in dem Artikel „Pains and Pleasures of social Life“ für „Science“: „Trennungsschmerz stellt für Betreuer und Baby sicher, dass die soziale Verbindung wieder hergestellt wird und sichert so das Überleben der Nachkommen.“

Mein Schluß daraus: Es ist also nicht – wie oft behauptet – böswillige Manipulation, dass unsere Babys nach uns weinen, wenn sie uns nicht sehen oder spüren können. Es aktiviert in ihren kleinen Gehirnen tatsächlich ein evolutionär sinnvolles, uraltes System, das dafür sorgen soll, dass wir wieder zu ihnen gehen und auch sie die Nähe suchen, wenn sie alleine gelassen werden. Und es ist völlig normal, dass eine Mutter auf das Weinen ihres Babys reagiert, „als wäre sie von der Tarantel gestochen“ – denn in ihrem Gehirn laufen sehr ähnliche Dinge ab, als hätte die Tarantel genau das getan.

Heute: "Seelische Gesundheit von Babys" – Internationale Konferenz in Leipzig

Es geht um Babys, um ihre Ängste, ihre Depressionen, ihre Essensverweigerung, ihre Betreuung, ihre Therapie: Ab heute bin ich auf der WAIMH-Konferenz (World Association of Infant Mental Health) in Leipzig.

Meine Veranstaltungen: Säuglingspsychosomatik, kulturspezifische Beratung für seelische Gesundheit in der frühen Kindheit, Frühe Interventionen – Projekte in Europa, Frühe Erfahrungen und Gehirnentwicklung: das Bukarester Frühinterventionsprojekt, Säuglingsmagersucht und ein körperkontaktbasierter Therapieansatz und wie man bei den sehr jungen Babys in der Betreuung die Stress-Level unter Kontrolle bekommen kann. Ich bin besonders darauf gespannt, Prof. Dr. med. Kai von Klitzing Direktor der Universitätsklinik und -Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters in Leipzig kennenzulernen, er hält einen der Hauptvorträge zum Thema „Frühe Kindheit in Zeiten des Übergangs“.

Das Programm für fünf Tage hat 14 (!) Seiten voller spannender Veranstaltungen, es ist superschwer, sich zu entscheiden. Zumal ich ja leider am Donnerstag und Freitag auf meiner Fortbildung der Inititative für Wissenschaftsjournalismus bin. Also habe ich versucht, Di und Mi so voll und so interessant zu planen wir möglich – ich bin gespannt!

WAIMH-Konferenz in Leipzig

Veranstaltung: Windelfrei in Villingen-Schwenningen

Veranstaltungshinweis: Beim S’Hebammenhaus gibt es im jetzt Windelfrei-Infoabende:

„SauberWERDEN oder SauberBLEIBEN- ohne Windeln ab der Geburt!“
Infoveranstaltung „Sauberbleiben statt Sauberwerden“

Montag, 14.06.2010 (ausgebucht)
Montag, 04.10.2010 um 20.00 Uhr
Unkostenbeitrag: 3 Euro/Person ; 5 Euro/Paar
Referentinnen: Frau Stulz (Mutter von 4 Kindern, Trageberaterin, Doula)
Frau Steinmann (Mutter von 2 Kindern, Hebamme)
Telefonische Anmeldung unter 07721-87 87 105 (auch auf den Anrufbeantworter)

Und einen ein Austauschtreff für alle praktizierenden und Bald-Starter am 09.07. um 10.00 Uhr im S’Hebammenhaus. Viel Spass dabei!

UPDATE II: BVKJ: "Tragetücher sind wirklich nicht gefährlich"

Gerade gefunden: Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte gibt ebenfalls Entwarnung:

„Keine Panik“, beruhigt Jörg Schriever, Beauftragter Kinderunfälle vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), „gefährlich sind nach US-Erfahrungen vor allem Tragetücher im Taschenstil, die mit einem Halter um die Schulter der Eltern gebunden werden und das Kind automatisch in eine stark gekrümmte, C-förmige Position bringen.“

Herkömmliche, auf dem deutschen Markt befindliche Tücher, bei denen sich die Kinder in einer aufrechten Position mit dem Gesicht zur Mutter im Tragetuch befinden, seien dagegen unproblematisch.

gefunden auf Ökotest.de (komischerweise nicht auf der Seite des Berufsverbandes…hab heute Abend Tomaten auf Google?)