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Zelten mit windelfrei-Baby

Attachment Parenting macht frei! Es heißt ja immer, ach, die Kinder sind so abhängig und das schränkt so ein. Für mich gilt definitiv das Gegenteil. Wir sind gerade zelten und mir fällt mal wieder auf, wie flexibel uns das Steinzeit-Getue macht. Wir brauchen zwar Menschen, aber nur wenige Dinge. Wir können reisen. Wir können dabei sein. Und das mit verhältnismäßig wenig Gepäck und Aufwand!

Wir brauchen kaum Windeln (ca. 1 pro Tag fürs Frühstück, wenn ich zum Aufstehen zu faul bin und 1 pro Nacht, wenn ich Angst um den Schlafsack habe), wir brauchen keine Schnuller, keine Fläschchen, keine Übergangsobjekte, keine Creme, keine Feuchttücher, keine Wickelunterlage, keine Spieluhr…. Wir sind einfach hier so wie alle anderen auch.

Wir brauchen eher mal hier und da jemanden, der das Baby hält, der mir zur Hand geht, der ein Brot schmiert. Und klar ist es eine Herausforderung, beide Kinder im Zelt in den Schlaf zu langweilen, wenn draußen gut hörbar noch einiges los ist. Andererseits sind sie vom Toben und der frischen Luft so müde, dass der Große schon vor der Dämmerung freiwillig den Spielplatz verlässt und sich umziehen lässt.

Insgesamt ist es: Simplify your motherhood. Es macht die Sache wirklich einfacher. Wenn ich ständig wickeln, putzen, feuchttüchern, Schnuller suchen, Buggy wuchten oder Fläschchen kochen müsste, wäre es mir hier definitiv zu stressig. So ist es einfach nur – schön. Ich freu mich schon aufs Artgerecht-Camp!! (das übervoll ist, bitte nicht mehr spontan anmelden, gerne nächstes Jahr!)

Test Ulrich Natur Fleckensalz

Stoffwindeln werden grau. Da ist nix zu machen. Besonders, wenn man gerne mit Waschnüssen oder sonstwie ökologischem Kram wäscht. Das ist zwar total PC, aber der Kram wird einfach nicht schöner.

Aber dann kam es – das Testpaket von Ulrich Natur. Und mit ihm das Ulrich Natur Fleckensalz.

Fleckensalz

Fleckensalz? Nie gehört (kein Scherz)… Also erstmal die Gebrauchsanleitung gelesen, drei Esslöffel davon in die helle Wäsche.

Fleckensalz in Maschine

Und – staunen. Kein Scherz. Klingt total hausfrauig, aber ich hab echt gestaunt – das Zeug wird weißer. Mittlerweile habe ich die Sachen ein paar Mal damit gewaschen und die Sachen leuchten richtig. Nicht nur die Stoffwindeln, sondern auch solche Dinge wie weiße Röcke – oder weiße Hemden. Schwer zu fotografieren…

Laut Ulrich Natur, funktioniert das so: „Besteht aus Natriumpercarbonat, das in Verbindung mit Wasser in bleichenden, keimtötenden Sauerstoff
und Soda zerfällt.“. Kommt in der 1kg Dose oder 1 kg Nachfüllpack.

Prädikat: Funktioniert. Und total öko. Prima! Preis ca. 7 EUR/Dose.

"Wir sind begeistert!"

Es gibt kaum entsetzte Blicke, wenn wir das Baby abhalten. Eigentlich fast nie – außer wenn es schief geht so wie kürzlich in der LPG. Die meisten Menschen sind sehr positiv, manche interessiert. Und gestern waren sogar zwei Frauen (etwa Mitte 40? so schwer zu schätzen) ganz angetan:

„Wir haben schon gesehen, sie ist ohne Windel?“

„Ja.“

„Wir sind begeistert, das ist wirklich toll, bei der Hitze muss das mit den Windeln auch schrecklich für die Babys sein!“

Ja, das denke ich auch oft, dachte ich…und sie fuhr gleich fort:

„Wir haben früher ja auch früh versucht, abzuhalten. Wir hatten halt Stoffwindeln, die wir waschen mussten. Wie machen sie das denn?“

„Naja, ich halte sie halt ab, wenn sie muss, nicht nach Zeitplan oder so.“

„Und woher wissen sie, wann sie muss?“

„Wenn sie geschlafen hat oder wenn sie aus der Trage raus will, muss sie eigentlich immer. Und dann noch so 1-2 Mal zwischendurch.“

„Toll! Na dann weiterhin alles Gute!“

Hach, da gings mir gleich gut. *freu*

Schlechte Laune = Windel? Vorsicht!

Wenn das Baby – oder die Mama – einen schlechten Tag hat, schlechte Laune, Kind zahnt, Kind hat Bauchweh, Schnupfen, Mama in Eile – was auch immer – dann greift vielleicht die eine oder der andere gerne mal auf die Wegwerf-Windel zurück. Ich mach das auch. Immer wieder. Und ich bereue es jedes Mal.

Denn dann passiert folgendes:

Baby hat schlechten Tag. Also lieber Windel anziehen. Baby meckert. Ich denke: „Ja, ich weiß, schlechter Tag heute.“ Baby meckert weiter. Ich denke: „Wow, du hörst ja gar nicht auf zu meckern, wirklich, wirklich schlechter Tag…“ Baby will aus der Manduca/dem Tuch raus. Ich denke: „Uff, nicht mal in der Trage fühlst Du dich heute wohl? Wirklich schlechter Tag…“ Sie will nicht spielen? Ihr ahnt es, ich denke…. naja und erst wenn sie das dritte oder vierte, fünfte Mal richtig schimpft, kapiere ich: Mist, sie muss mal!! Sie schimpft, weil sie mal muss! Halte sie also ab. Packe sie wieder in die Windel. Eine Weile Frieden. Dann geht das Spiel von vorne los.

Seufz. Das ist mir schon so oft passiert. Ich sollte einfach NIE denken, dass sie einen schlechten Tag hat. Dann wird der Tag nämlich „schlecht“, weil ich ständig verschlafe, wann sie mal muss und sie das wirklich nicht witzig findet und dann viel meckert. Und ich bin dann ständig frustriert, weil ich nicht weiß, warum sie nicht ruhig stillt/ nicht spielen will/ aus der Trage raus will. Dabei will sie mir einfach nur sagen: Mama, bitte halte mich ab. Und wenn ich das dann endlich mache, stillt sie ruhig, spielt, bleibt entspannt im Tuch (und schläft ein). Aber wenn sie eine Windel anhat, denke ich zu oft nicht dran- schon gar nicht, wenn ich an den „schlechten Tag“ glaube.

Selbsterfüllende Prophezeihung par excellence – geht das euch mit euren Babys auch manchmal so?

Windelfrei – so gehts nicht III

Einen hab ich noch – wo ich immer wieder strauchele, weil es „nicht klappt“:

Zum Beispiel nachts.
Wenn sie ohne Windel ist – was sie oft ist – und ich das erste Abhalten verschlafe, dann aber aufwache, wenn das Bett nass wird. Handtuch drauf, weiterschlafen. Jetzt ist sie ja leer. Zweites Mal stillen, weiterschlafen, sie ist ja leer. Klappt. Drittes Mal stillen, jetzt muss sie sicher, Topf drunter, nee, sie macht nicht, schläft weiter, okay, weiterschlafen. Nicht einschlafen. Beim nächsten Mal stillen so müde sein, dass ich erst total spät an den Topf denke – Bett nass. Nerv. Oder noch besser: Topf druntergehalten, Baby hat artig reingemacht und dann Topf umgekippt. Yeah. Was mir auch gerne passiert, ist ein falscher Anstellwinkel, so dass nachts die Hälfte in den Topf geht -und die andere Hälfte hinten raus. Ich werde nie verstehen, was da passiert, habe jetzt aber vier Euro in eine größere Schüssel investiert, der Asia überfordert mich nachts einfach (klappt das bei euch?).

Windelfrei – so gehts nicht II

Nicht, dass hier irgendjemand auf die haltlose Idee kommt, bei uns wäre immer alles total perfekt. Wir können auch anders ;)!

Letztens beim Einkaufen.

Wir wohnen ja fast in unsrer LPG, also Kind windellos mitgenommen. Schlief eh in der Trage. Aber dann…

Baby wacht auf. Ab ins Bad und abhalten. Kommt nix. Hm. Komisch. Egal, wieder raus, sonst räumt der Große draußen das Schokoladenregal leer. Einkaufen gehen. Alles paletti. An der Kasse die Kleine auf der Hüfte und einhändig einräumen. Der Große langweilt sich und surft auf dem Kindereinkaufswagen durch die engen Einkaufsgänge. Großer, das kann schiefgehen, bring den Wagen bitte weg. Ich fingere hektisch mit einer Hand nach dem Portemonnaie und packe gleichzeitig den Einkauf in eine leere Obstkiste. Die Schlange der hinter mir Wartenden wird immer länger. Der Große versucht, den Wagen wegzubringen – surfend. Wo in aller Welt ist mein Portemonnaie? Als ich es endlich finde und die EC-Karte rüberreiche, wird es plötzlich warm und nass an meiner Hüfte.

„Nicht jetzt!“ entfährt es mir, die Kassierin schaut irritiert, ich murmele „komme gleich wieder“ und hoffe, dass die EC-Verbindung langsam ist wie sonst auch, renne ins Bad, halte das Baby ab. Nichts passiert. Naja, wir sind ja auch schon beide nass. Ziehe ihr die nasse Hose aus, wasche uns kurz, hetze zurück. Die Schlange ist laaaang geworden. Die Kassierin hat dankenswerterweise schon den nächsten Kunden abgefertigt und hält mir verständnisvoll lächelnd den EC-Beleg hin. Ich kritzele irgendwas drauf, stopfe den Rest meines Einkaufs in die Kiste und flüchte an die Bistrotische, um meinen Kram vernünftig einzuräumen.

„Ich hab Hunger!!“ jammert der Große. Okay, du kriegst die Erdbeeren. Erdbeeren waschen gehen, „setz Dich zum Essen bitte hin“, Baby ist unruhig. Was hat sie nur? „Mama, sie muss mal“, sagt der Große schließlich. Schon wieder? Sie hat doch gerade… in dem Moment macht sie los. Argh. Flitze ins Bad und halte sie ab. Vergesse, die Tür zu schließen. Wasche die Kleine gerade, als ein großes Babygeschäft geräuschvoll und unerwartet im Waschbecken landet. In genau diesem Moment kommt eine Dame herein – „Oh!“ sagt sie, schaut ins Waschbecken, schüttelt sich und geht rückwärts wieder raus. Mist. Das ist mir peinlich. Der Rest geht dahin, wo er hingehört, es dauert ewig, aber ich bin dankbar, dass diese Ladung immerhin nicht auf meiner Hose gelandet ist.

Als ich zurückkomme, begrüßt mich freudestrahlend der Große: „Mama, ich hab was gemalt!“ Ach ja? Hier? In der LPG? Wo genau? „Daaa!“ – er zeigt auf die Bistrobank, auf die er mit Hilfe einer reifen Erdbeere schöne, runde Linien gemalt hat. Zehntelsekunde Nervenzusammenbruch. Dann Lachen. Mama sein. „Schatz, das ist eine schöne Malerei, aber definitiv an der falschen Stelle. Erdbeere-auf-Bank ist keine gute Idee. Das klebt. Komm, wir machen das weg.“ Gottseidank sind die Dinger mit Plastik bespannt.

Ich knie gerade, eine nasse Serviette in der Hand, neben meinem chaotisch in die Kiste gestopften Einkauf und einem diskutierenden Dreijährigen und mit dem halbnackten Baby auf der nassen Hüfte vor der beschmierten Bank, als mir auffällt, wer da neben uns am Zeitungsständer steht. Die Frau, die gerade rückwärts aus dem Bad gegangen ist. Sie wirft mir einen Blick zu, den ich lieber nicht deute.

Yeah. Windelfrei rocks! 😉

(„Die Moral von der Geschicht‘? Windelfrei-Mutter, hetze nicht!“ Ich hätte einfach beim ersten Mal abhalten länger warten oder es nach 3-5 Minuten noch einmal mit Ruhe anbieten sollen. Dann wäre sie nämlich „leer“ gewesen. Nicht genug Ruhe und Zeit ist bei uns derzeit der häufigste Grund dafür, dass sie nicht macht und mich dann später überrascht.)