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Montags-Mantra: "Erst denken, dann reagieren"

Gestern sah ich eine Mutter im Supermarkt mit einem schreienden, etwa dreijährigen Mädchen. Die Kleine brüllte und tobte, hüpfte und schrie. Die Mutter – kaufte ein. Ganz ruhig. Hin und wieder streichelte sie der Kleinen über den Kopf, sagte ruhig etwas zu ihr. An der Kasse standen sie hinter mir und ich bekam mit, dass die Kleine in den Wagen wollte. Nicht in den Kindersitz, sondern IN den Einkaufwagen. Der war aber schon voll und die Mama wiederholte das immer wieder, ruhig und freundlich: „Ich setze Dich gerne in den Sitz, magst Du? Nein? Hm, der Wagen ist leider voll.“

Ich war ziemlich beeindruckt. Und dann ging mir auf, dass ich genauso ruhig bin. Wenn ich meine Grenzen wahre. Heißt bei mir: Wenn ich frühzeitig entscheide und sage, was ich will, wie weit ich mitgehe und wo nicht mehr. Und mir das vorher überlege, bevor ich es meinem Kind sage. Erst denken, dann reagieren.
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Artgerecht-Projekt – Was war, was wird, wo wir uns treffen

Liebe Freunde, Leser und Unterstützer des Windelfrei-Blog und des Artgerecht-Projektes,

euch allen ein fröhliches, liebe-volles, inspirierendes, artgerechtest neues Jahr! Ich hoffe, ihr seid gut hineingekommen und habt Kraft und Energie für eure Pläne und Träume! 🙂

2011 hat sich das Blog zum Zentrum des Artgerecht-Projektes gemausert und erstmals können wir etwas bewegen, könnt ihr mitmachen und 2012 geht es richtig los! Also erst die Pläne für 2012 und dann für die Interessierten die wilden Ereignisse des vergangenen Jahres. Artgerecht-Projekt – Was war, was wird, wo wir uns treffen weiterlesen

Jesus war ’ne Hausgeburt…

…wenn man im Stall von „Haus“ sprechen kann. Und wahrscheinlich mehr oder weniger eine Alleingeburt, zumindest ist nichts von einer Hebamme bekannt und was Joseph genau gemacht hat, kann mir hier keiner sagen. Schöner Comic dazu auf dem Alleingeburtsblog: Vor dem Stall steht ein Krankenhaus-Geburtsteam und stellt fest: „Sie sagen, sie brauchen uns nicht.“

Nice.

Fröhliche Weihnachten allerseits!!

Vorbild: Bauern oder Jäger?

Meine liebste Freundin Andra stellt mir immer die besten Fragen. „Warum nimmst du eigentlich die Jäger und Sammler zum Vorbild und nicht die Bauern, also die agrarische Phase?“

Gute Frage. Verdammt gute Frage.

Das Artgerecht-Projekt orientiert sich in der Frage „Was ist artgerecht für menschliche Babys?“ in der Tat vollkommen an der Zeit vor dem ersten Ackerbau. Das ist – so sagt es die Wissenschaft – die Zeit vor dem Neolithikum, also etwa 10.000 Jahre her. Anders herum: Seit 15-10.000 Jahren betreiben wir Ackerbau und Viehzucht. Vorher waren wir 85-90.000 Jahre lang Jäger und Sammler. (Und davor? Davor waren wir 100.000 Jahre schon Homo Sapiens, aber noch nicht der moderne, so heißt es, ugh, ugh.)

Jäger und Sammler gab es bis in die Neuzeit.

400px-Hadzabe1 Feuer

Es waren einzelne Stämme und Völker, die noch so lebten. Kurz bevor wir die meisten davon mit dem Ackerbau ansteckten, haben die Anthropologen sie ausgiebig beobachtet. Besonders die !Kung San und ihre Untergruppen gehörten dazu. Von ihnen wird berichtet, dass sie sehr entspannte Babys und Kinder haben. Von Meredith habe ich von ihnen erfahren und die Anthropologische Literatur ist voll von Berichten.

Warum orientiere ich mich an ihnen?

1. Es fühlt sich richtig an.
2. Es war die Zeit, bevor die Erde „unterworfen“ wurde, es ist also ein gutes Vorbild, um den Planeten zu retten.
3. Wenn es eine längere, vor-patriarchale Zeit gegeben hat, dann wahrscheinlich vor dem Neolithikum
4. Mit dem Ackerbau wurden viele Verhaltensweisen, an die unsere Babys noch heute angepasst sind, plötzlich unpassend und die Abwärtssspirale begann, die heute mündet in „schläft es schon durch? stillt ihr immer noch?“ etc.

Mit dem Ackerbau wurden wir seßhaft.

Heimat-Museum-Hetlingen-Pflug

Plötzlich mussten die Mütter aufs Feld und die Babys waren im Weg, aber es war auch möglich, sie in „sicheren“ Häusern zu lassen – ohne Mutter. Damit wurde das ständige Herumtragen und Stillen unterbrochen (möglicherweise ein Faktor für die einsetzende Bevölkerungsexplosion jener Zeit). Später in dieser Entwicklung wurde der Körperkontakt immer weiter eingeschränkt, weil es sich mit dem neuen Lebensstil besser und einfacher bewerkstelligen ließ. Möglicherweise gab es auch Interesse daran, die Mutter-Kind-Bindung zu schwächen, aber das sind nur Vermutungen. Die Menschen den Altsteinzeit waren zudem besser ernährt, gesünder und robuster als die der Jungsteinzeit.

Insgesamt hat der Ackerbauch nach meinen Recherchen die Situation der Babys eher verschlechtert. Daher ist die bäuerliche Familie für mich kein Vorbild. Es ist für mich ein romantisches Bild, der Bauernhof, die Tiere, eine große Gemeinschaft, dem ich auch gerne nachhänge. Aber die Verhaltensweisen und die Anforderungen dieser Lebensweise sind schon zu weit von dem entfernt, was ich „artgerecht“ nenne.

Dazu muss ich gleich sagen, dass jedem Wissenschaftler die Haare zu Berge stehen, wenn ich hier von „artgerecht“ schreibe. Beim Menschen gibt es so viele Ausprägungen der Verhaltensweisen, dass man eher von arttypisch spricht, wie ich kürzlich lernte. Macht nix. Ich bleibe bei artgerecht.

Meine Tipps für die Geburt

Mich fragte eine Frau letztens, ob ich Tipps für die Geburt hätte. Hab ich. Ausführlich steht das in meinem Artikel „Wir können auch anders!“ (hier zum Herunterladen). Wenn ich nur drei Tipps von mir geben dürfte, wären es diese hier:

1. Kenne deinen Muttermund! Und daher: Taste deinen Muttermund selbst. Es ist einfach, es ist hygienisch, es ist angenehmer, als ständig drei Hebammen und einen nervösen Assistenzarzt im eigenen Intimbereich herummanövrieren zu lassen (wie es von Krankenhausgeburten immer wieder berichtet wird). Jede Frau kann das.

2. Kenne die Übergangsphase! Es ist der Moment, in dem viele Frauen denken, fühlen und sagen: Ich kann nicht mehr!! Es ist die Schwelle, über die wir bei einer normalen Geburt gehen, kurz bevor das Kind kommt. Wenn eine Frau weiß, dass der Moment der totalen Erschöpfung der Moment kurz vor dem Kind sein kann, wird es ihr leichter fallen, ihn zu bewältigen.

3. Kenne Dich! Es ist gut zu wissen, wie man selbst funktioniert, um sich so den optimalen Geburtsort und die optimale Begleitung suchen zu können. Jede Frau ist anders, jede Frau braucht andere Rahmenbedingungen, um loslassen zu können. I. Stadelmann beschreibt das in ihrem Klassiker „Die Hebammensprechstunde“ sehr spannend (Auszug hier).

Noch mehr? Es gibt unglaublich tolle Anregungen bei Leboyer, Odent und Dibbern und natürlich bei den Rabeneltern.

Ich wünsche allen Gebärenden alles, alles erdenklich Gute!

Montags-Mantra: "Wasch Dich!"

„Schminken? Haare waschen? Wann denn bitte?“, höre ich von Müttern immer wieder, „ich hab kaum Zeit zum Duschen!“

Leben mit einem Neugeborenen – oder mit mehreren Kindern – das heißt: Früh raus, spät ins Bett, unruhige Nächte. Und häufig heißt es auch, dass einfach für alles mögliche keine Zeit ist.

Also breche ich heute mal eine Lanze für die persönliche Körperpflege und rufe euch zu, ihr gestressten Mamas:

„Wascht euch!!“

Und damit meine ich nicht, hektisch, mal eben schnell Katzenwäsche oder alle paar Tage unter die Dusche springen, sondern: Regelmäßig, ausgiebig, genüßlich. Spürt das warme Wasser der Dusche auf eurer Haut. Wascht Haare und Körper mit Seifen, die herrlich duften, die ihr speziell für euch ausgesucht habt, die euch Freude machen. Gönnt euch mal eine Haarkur oder sogar eine Gesichtsmaske. Schneidet eure Fingernägel, feilt sie, pflegt sie! Wenn ihr das gerne macht: Cremt euch ein, eure Hände, eure Haut. Macht ein Fußbad!

All das dauert keine halbe Stunde (also: jedes einzelne ;)), aber der Effekt ist groß.

Ich verdanke dieses Mantra dem Segeln (ebenso wie das „Reffen! Jetzt!„). Vor sieben Jahren bin ich mit einer Bavaria 50 über den Atlantik gesegelt, von den Azoren bis nach Spanien. Ein ungeplant harter Törn.

Wir hatten mit günstigem Wind und ruhigem, warmem Wetter gerechnet. Stattdessen kreuzten wir zwei Wochen lang gegen Wind und Welle an. Das hieß: Ein 24-Stunden lang wild tanzendes Boot, das ständig schräg auf der Seite lag, feucht-kalte Kojen, Nachtschichten am Ruder. Segeln bis zur Erschöpfung. Es gab zwei Dinge, die mich in dieser Situation bei guter Laune hielten: Essen und Waschen. Regelmäßiges, warmes, gutes Essen ist das Allerwichtigste in belastenden, extremen Situationen – und ich finde, Mutterschaft mit Baby gehört ebenfalls in diese Kategorie. Ebenso wichtig ist aber die persönliche Körperpflege, um die Selbstwahrnehmung aufrecht zu erhalten. Sich selbst sehen, spüren, pflegen, das hilft enorm, um wach und lebendig bleiben zu können. Auf dem Boot hieß das, in einer unendlich engen, eiskalten Duschzelle zu duschen, obwohl das Schiff alle paar Minuten in ein Wellental fiel und man sich ein dutzend blaue Flecke holte. Als Mutter heißt das, alles andere liegen zu lassen und zu duschen, wann immer das möglich ist.

Egal, was es euch kostet – es wird sich lohnen. Auf dem Boot waren das die Tage, an denen ich mich wirklich, richtig gut fühlte – weil ich es getan hatte, weil ich mich überwunden hatte, weil ich einfach wieder Mensch war. Jetzt mit Baby ist es eigentlich ähnlich: Ich bin endlich wieder Mensch, wenn ich mal ausgiebig in der Wanne war. Vom Ecobabe habe ich kürzlich auch gelernt, was ein Fußbad Gutes tun kann. Aber was immer es ist: Überwindet euch. Tut es. Schenkt euch die Zeit. Wascht euch!

(Was ist das Mama-Mantra? hier

weitere Mantras: Essen und Schlafen ist Hippik**e, Habe ein Fertigessen, Tue es jetzt!, Dannistdashaltso.de, Routine ehren, Schau nicht auf den Baum!, Reffe! Jetzt!, Prioritäten-Liste, Erst das Wichtige…, Kind, Du bist nicht schuld, , Nichts ist weicher und stärker als Wasser, Diskutiere nicht mit einem müden Kind, Diskutiere nicht mit einem hungrigen Kind.)

Montags-Mantra: Essen? Schlafen? Hippiek***e

Vorsicht – das heutige Mantra ist ein eigenartiges, verrücktes, wahnsinniges, zynisches Mantra. Es ist überhaupt nicht buddhistisch, kein bisschen achtsam, nicht besonders positiv, nicht psychologisch sinnvoll. Und? Es hilft enorm! Es lautet:

„Schlafen und Essen ist Hippiek*cke.“

Will sagen: Es hilft nix, wir machen weiter. Und wir machen weiter. Wir alle. All die Mütter, die um mich sind, all die Väter, alle die, die in einer nicht artgerechten Umgebung das Wunder vollbringen, ihr Familienleben einigermaßen achtsam, liebevoll und sinnvoll zu gestalten.

Heute hatten wir Freunde zum Plätzchenbacken hier. Ich weiß gar nicht mehr, wieviele Kinder es waren – sieben? Acht? Neun? Es war aber auch völlig egal, denn es waren genug Erwachsene da, damit jedes Kind immer jemanden hatte, den es ansprechen konnte. Es waren immer zwei freudige Hände da, die gerne ein Baby auf den Arm nehmen wollten. Es war immer ein Spielkamerad da, immer jemand zum Vorlesen. DAS ist artgerecht. SO sollte es sein. Aber wie ist es?

Freundin 1 hat einen krank daniederliegenden Mann und keine Schwiegereltern oder Eltern als Hilfe, dafür einen alten Hund, ein kleines Baby, eine 35-Stunden-Woche und eine Menge ehrenamtliches Engagement (u.a. im Artgerecht-Projekt). Und was sagt sie? Sie lacht und sagt: Egal! „Schlafen und Essen ist Hippiek*acke!“ und weiter gehts.

Freundin 2 hat eine Homöopathie-Praxis, ein krankes Kind, einen Säugling, eine eifersüchtige, durchdrehende Katze und einen Mann, der seinen Job hinschmeißen will. Aber hey – „Schlafen und Essen ist …“ und weiter geht’s!

Eltern haben keinen Schlaf, sondern Husten, kranke Kinder, zahnende Säuglinge, überarbeitete Väter, die Klimakatastrophe und zu wenig Nutella im Haus? Egal! Weiter gehts, lachen und: „Schlafen und….“.

Manchmal hilft mir das. Und an Tagen, an denen es mir nicht hilft, träume ich von einer Lobby, die dafür kämpft, damit wir Menschen aus der Käfighaltung endlich in die Freilandhaltung kommen.

Und dann geht’s weiter. Irgendjemand muss ja war gegen die Klimakatastrophe und für den Regenwald tun. Es lebe das Artgerecht-Projekt. Schlafen können wir….ein andermal ;).


(Was ist das Mama-Mantra? hier

weitere Mantras: Habe ein Fertigessen, Tue es jetzt!, Dannistdashaltso.de, Routine ehren, Schau nicht auf den Baum!, Reffe! Jetzt!, Prioritäten-Liste, Erst das Wichtige…, Kind, Du bist nicht schuld, , Nichts ist weicher und stärker als Wasser, Diskutiere nicht mit einem müden Kind, Diskutiere nicht mit einem hungrigen Kind.)

OT: Nutzt eure Körper!

Wir haben Kinder. Wir werden dick. Oder ausgezehrt. Wir sind gestresst. Oder völlig erledigt. Wir werden faltig. Keine Zeit fürs Fitness-Studio, für Massagen, Eincremen, Sex. Die Frisur eine Katastrophe (oder eben: wild), Make up? Nur zu besonderen Anlässen. Schönheitsschlaf? Soll das ein Witz sein??

Eine gute Freundin klagte kürzlich darüber, dass sie nach zwei Geburten dann doch nicht mehr aussieht, wie mit zwanzig. Tjahhaaa – das ist wohl Mama-Schicksal (falls man nicht eine Heidi-Klum-Maschine oder eine Victoria-Beckham-Maschine ist) . Mit zwanzig war ich durchtrainiert, ausgeruht und voller Flausen im Kopf.

Und jetzt? Falten statt Flausen, viel zu oft viel zu müde, chronisch untertrainiert. „Mütter altern einfach schneller“, sagte jene Freundin, und das stimmt.

Warum erzähle ich das in diesem Blog? Weil Attachment Parenting oder „artgerechtes Kinderleben“ m.E. eine besonders körpernutzungsintensive Angelegenheit ist. Und ich erzähle es, weil es mich überhaupt nicht kratzt, dass ich nicht mehr aussehe wie mit zwanzig. OT: Nutzt eure Körper! weiterlesen

Montags-Mantra: Tu es jetzt!

Handy verloren? Und gerade gestern gedacht, „ich müsste mal die Nummer sichern“? Rechner abgestürzt? Und gerade letztens gedacht „Ich sollte mal Backup machen?“ Kind krank? Und kürzlich noch gedacht, Mensch, die Hausapotheke müsste ich mal wieder neu füllen…?

Auch wenn es mit zwei Kindern fast nicht durchführbar ist, ich versuche es tapfer: „Tu es jetzt!“

Denn wenn es mir jetzt einfällt, dann ist absehbar, dass es demnächst wichtig wird. Ist ein bisschen wir „Reffen!“ aber doch langfristig orientierter. Denn viele dieser Dinge kosten Zeit. Aber viele Dinge kosten auch weniger Zeit, als wir glauben und was dauert, ist nur der Prozess, bis man sich überwunden hat, endlich mal die quietschende Tür zu ölen, die jeden Abend das gerade einschlafende Baby aus dem Schlaf reisst. Was auch richtig lange dauern kann, sind die Reparaturarbeiten, wenn z.B. der Rechner abstürzt und man keine Datensicherung hat.

Ich bin kein König in dieser Disziplin. Dafür habe ich das unendlich Glück, einen Mann zu haben, der immer alles gleich erledigt. Das ist faszinierend. Ich habe so etwas vorher noch nie gesehen. Aber es ist ein Geschenk (er hat gestern die quietschende Kühlschranktür zum Schweigen gebracht).


(Was ist das Mama-Mantra? hier

weitere Mantras: Dannistdashaltso.de, Routine ehren, Schau nicht auf den Baum!, Reffe! Jetzt!, Prioritäten-Liste, Erst das Wichtige…, Kind, Du bist nicht schuld, , Nichts ist weicher und stärker als Wasser, Diskutiere nicht mit einem müden Kind, Diskutiere nicht mit einem hungrigen Kind.)