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Zwergensprache? So ein Schmarrn!

Also was mich angeht – ich hielt Zwergensprache für so ein neumodisches Zeugs für Prenzlauer-Berg-Muttis, die nix anderes zu tun haben, als ihren Babies schon frühzeitig ordentlich Leistungsdruck zu machen. Hielt? Ja, hielt. Bis mein Sohn mir selbst gezeigt hat, dass neumodisches Zeugs genau das ist, was er total toll findet.

Ich hatte ihm – etwas halbherzig – schon einige Zeit mal ein paar Zeichen vorgemacht und er hatte ebenfalls halbherzig manchmal etwas gemacht, das man als das Zeichen für Stillen (Hand auf und zu) hätte interpretieren können oder auch nicht. Irgendwann hatte ich aufgegeben: Meinen Sohn interessiert das nicht und mich ja eigentlich auch nicht. Neumodisch halt.

Bis ich beim Kind einer Freundin fasziniert sah, wie gut und freudig sich der 16 Monate alte Zwerg mit seinen Händen verständigte. Er zeigte das Flugzeug, das er gehört hatte, kommentierte, wenn ihm ein Geräusch zu laut war und warnte vor Motorrädern, weil die ja „heiß“ sein können. Ich war platt. Mein Kind tat nichts dergleichen, schaute seinem Spielkameraden aber mindestens so fasziniert zu wie ich.

Ich beschloss, einen letzten Versuch zu wagen. Eine Freundin gab mir den entscheidenden Tipp: Zwergensprache? So ein Schmarrn! weiterlesen

Welt-Still-Woche

Claudias Posting kommt genau zur richtigen Zeit: Es ist Weltstillwoche!

In Deutschland allerdings erst im September.

Das Motto der Weltstillwoche 28.09. – 04.10.2009 lautet
„Stillen ist lebenswichtig! Bist Du dabei?“

Info-und Aktions-Pakete für alle, die Frauen oder Institutionen über die Wichtigkeit des Stillens informieren möchten gibt bei der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen oder beim Hebammenverband.

Weibliche Perspektive zur Sicht des Mannes auf die stillende Brust

Stillen, Tragen, Kinder ohne Windeln, Familienbett – attachment parenting oder – auf Deutsch – die Familie, die sich voll und ganz auf die Bedürfnisse ihres Nachwuchses einstellt, ist Thema dieses Blogs. So weit, so klar. Seit ein paar Tagen allerdings frage ich mich: Stellen wir, die Autorinnen hier und an anderen Stellen im Familienteil des Internets, nicht allzu häufig die Frau und das Kind allein in den Mittelpunkt und vergessen den Mann.

Nachdenklich gemacht hat mich ein Posting von Philippe Zweifel über „Die Schreckensherrschaft stillender Brüste“. Allerdings nicht so sehr des Postings wegen, sondern vor allem wegen der zum Teil wütenden Diskussion, die in den Kommentaren entbrannt ist. Deshalb an dieser Stelle eine weibliche Sicht auf die Sicht des Mannes. Ich kann mich nämlich gar nicht so aufregen, wie einige der Kommentatorinnen.

Betrachten wir folgende Situation: Frau in Elternzeit, Mann geht arbeiten, Familienkonzept attachment parenting. Setzen wir zudem voraus, dass der Vater sein Kind über alles liebt, dass er seine Frau in allen Belangen unterstützt (Langzeitstillen, windelfrei, tragen, Familienbett…), dass er seiner Frau den Rücken freihält, um die Erfüllung dieser Belange zu ermöglichen, setzen wir voraus, dass er das Familieneinkommen verdient, damit seine Attachment-parenting-Familie leben kann. Was wir sehen, ist ein Vater, wie wir, die Frauen mit den Windelfrei-Kindern, ihn uns wünschen, ein Vater unserer Zeit, der gerne Vater ist, wahrscheinlich sogar gerne noch mehr Vater wäre, der aber, weil er eben arbeiten geht und das Kind von seiner Frau gestillt wird, nicht so zum Zuge kommt, wie er es gerne hätte.

Unser Vater kommt abends nach einem Arbeitstag, der häufig genug länger als die tariflich vereinbarten acht Stunden dauert, nach Hause, die Hütte brennt, sprich ein, zwei oder mehr Kinder nörgeln, maulen oder weinen – weil abends alle durchhängen – der Vater übrigens auch. Die Mutter drückt ihm dankbar den Nachwuchs in die Hand mit den Worten: „Puh, ich brauch grad mal ’ne Pause!“ Auch das versteht unser liebender und mitfühlender Vater, und er verschafft seiner Frau eine Verschnaufpause. Er hat den schreienden Säugling auf dem Arm, aber Vaterfreuden können nur bedingt aufkommen, denn eigentlich will das Baby nur die Brust, die er nicht hat. Er versucht kleine Spielchen, trägt das Baby in der Manduca, aber das täuscht alles nicht darüber hinweg, dass hier eigentlich nur die Mutter helfen kann. Das Baby ist müde und kann nur an der Brust einschlafen (ist ja ein „attached child“), und die hat er nicht.

Gerade in einer Familie, in der feeding on demand praktiziert wird, hat es der Vater häufig schwer, Nähe zu seinem Kind aufzubauen. Das geht nur, wenn der Nachwuchs ausgeschlafen und gut drauf ist. Unser Vater aber hat Verständnis, nutzt die Intervalle, die sein Kind ihm gibt, nur wenn das Kind alle zehn bis 30 Minuten seinem natürlichen Saugbedürfnis nachgehen will, dann bleibt die enge Mutter-Kind-Bindung nicht aus. Ob der Mann will oder nicht, so bleibt er doch oft außen vor.

Ich glaube manchmal, wir wollen die Eier legende Wollmilchsau: Unser Partner soll uns den Rücken freihalten, uns unterstützen, das Einkommen hereinfahren, damit wir Frauen uns ganz den kindlichen Bedürfnisse des ersten Jahres widmen können. Außerdem soll er ein moderner Vater sein, der nicht nur seine Pflichten ernst nimmt, sondern auch noch liebevoll ist – und obendrein Feuerwehr spielt, wenn der Laden droht, in die Luft zu fliegen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass auch der Mann zunehmend in eine Doppelrolle aus Job und Familie gerät.

Die Frauen dagegen, ganz sicher die, die sich für attachment parenting entschieden haben, steigen dagegen aus dem Job aus und in die Familie ein. All ihre Kraft widmen sie dem Kokon Mutter-Kind. Klar ist das auch wahnsinnig oft wahnsinnig anstrengend, aber es ist eben auch ganz besonders erfüllend, unter anderem auch körperlich. Klar soll der Mann Verständnis haben für die hormonellen und emotionalen Veränderungen bei der Frau, aber haben wir Frauen auch ausreichend Verständnis für den (körperlichen) Frust des Mannes? Haben wir ausreichend Verständnis für die Traurigkeit eines liebenden und liebevollen Papas, der mit ansehen muss, wie sein Kind sich nur von der Mama trösten lässt, sich nur von der Mama ins Bett bringen lässt, weil es nur an der Brust einschläft – weil es dort einschlafen darf? Und schließlich, wünschen wir uns nicht Partner, die es schaffen, über ihre Gefühle zu sprechen, uns ihre Ängste, Sorgen und Wünsche zu vermitteln?

Für mich folgt daraus: Ich kann verstehen, wenn ein Vater wie Philippe Zweifel, der sich aufgrund der engen Mutter-Kind-Bindung 14 Monate lang als Ansprechpartner zweiter Klasse empfunden hat, nun das Abgestilltsein seines Kindes als Befreiungsschlag empfindet, hat er doch nun endlich die Chance, der Vater zu werden, der er immer schon sein wollte.

"want some bean dip?"

oder

Wie man mit kritischen Stimmen umgehen kann.

Wer kennt sie nicht, die verständnislosen Blicke von Müttern, Omas, Freunden oder wem auch immer?
„Wie lange willst Du stillen? – Zwei Jahre? – Aber wo bleibst Du bei all dem?“
„Was, soll Deine Tochter immer noch bei Euch schlafen, wenn sie zur Schule geht? Du weisst, Du kriegst sie nie mehr raus aus dem Bett.“ (So,weiss ich das?)

In diesem englischen Blog habe ich folgende Strategie gefunden:

It’s something I’ve learned in my years of parenting using alternative ideas. The specifics may change, but the principal doesn’t. When setting boundaries, people (often moms) typically confuse setting the boundary with trying to convince the other person about how right they are in needing to set the boundary. In setting boundaries, we don’t need to convince the other person we are right and they don’t have to agree about the boundary. We just need to be prepared to enforce the boundary, at any cost, using progressively more firm responses (if need be).

I’ve found new moms often confuse boundaries and trying to convince someone of the *rightness* of their choices.

The best thing is to assert your boundary and *not* try to defend your choice.

Some family and close friend help…..

First, I learned early on that most of my choices were on a „need to know“ basis. Most people don’t „need to know“. If asked „how is the baby sleeping?“ Answer: Great! Thanks for asking! Want some bean dip?

„Are you sure you should be picking her up every time she cries?“ Answer:“Yes! Thank you! Want some bean dip?“

„When do you plan to wean“ Answer: „When she’s ready. Thanks! Want some bean dip?“

Now, with some people you will need to set *firm* boundaries. They will need to be backed up with action (like hanging up, leaving the room or even the event). If it’s a pattern of intrusion, for example. Practice kind but firm responses:

„I know you love us and the baby. We are so glad. Our sleeping choices have been researched and made. I will not discuss it again“

Also, don’t confuse setting boundaries with trying to convince someone of the rightness of your choices. New AP moms often struggle with this. The boundary is that no one else has a right to tell you how to parent and create a hostile environment. You set boundaries by doing the above. Where new moms often invite problems is by citing authors, studies and sites to „defend“ themselves. Each time you do so, you create more time for discussion and rebuttal and send the message that your decisions are up for debate. Don’t defend your choices beyond generalities, and then only once or twice. „The doctor is in support of our choices. Want some bean dip?“

Finally, look them in the eye and say simply „I want us to have a good relationship. I want you to *enjoy* the baby. I’ll parent the baby – you enjoy them. Let’s not discuss this anymore. If you bring it up, I will leave the room.“

Fazit: nicht sich verteidigen, sondern Grenzen setzen

In diesem Sinne: „Noch einen Latte?“

AP-Blog :PHD in Parenting

„PHD in Parenting“ heißt soviel wie „Doktorgrad im Elternsein“ und ist ein englisch-sprachiges Attachment-Parenting-Blog mit einem Artikel mit Schlaftipps und Linkliste. Auch auf Twitter. Die Autorin ist eine kanadische Unternehmerin, Mutter von zwei Kindern.

Der aktuelle Post stellt eine interessante Frage: Sollte man den Leuten statt Angst zu machen (Flaschenfüttern ist schlecht) nicht einfach positive Alternativen geben (Stillprobleme lassen sich so und so lösen)? Sie bezieht sich auf eine Studie, dass Anti-Alkohol-am-Steuer-Kampagnen besser funktionieren, wenn Alternativen (nehmen Sie ein Taxi, bleiben Sie über Nacht) angeboten werden. Und sie schreibt:

The important thing to take away from this is that scaring people only works if you offer them an alternative. Telling someone not to drive drunk only works if you remind them to take a taxi, have a designated driver, or use programs like Opération Nez Rouge (Operation Red Nose). You would think it is common sense, but I guess not.

What if we consider the findings from the drinking and driving study and apply it to breastfeeding promotion campaigns? We could conclude that telling people about the dangers of formula feeding would be more effective if:

* women were told where they could turn for breastfeeding support
* access to lactation consultants was easy and affordable
* workplaces were friendly to pumping moms and maternity leaves were extended to support full term breastfeeding
* reducing exposure to harmful chemicals was made a priority as this could have an impact on milk supply
* friends, health professionals, and family are willing and able to provide support to a breastfeeding mom rather than sabotaging her
* more resources were put towards human milk banks to increase access to breast milk for those that cannot breastfeed or do not make enough milk

Ein Gedanken, den auch persönliche Gespräche über AP berücksichtigen können :). Let’s make a difference!

Reaktionen und nasse Hosen

Eine Freundin war gerade zu Besuch und von ihr bekam ich eine schon oft gehörte Reaktion:

Dass das funktioniert!

Viele Leute, die zum ersten Mal davon hören oder es bei uns dann ja auch sehen, sind fasziniert, dass es wirklich „funktioniert“! Dabei „funktioniert“ es ja nicht in dem Sinne, es … fließt eher – mal so mal so!

Denn als ich mit der Freundin sprach, wurde mir auch etwas anderes klar: Ja, ich habe häufig mal ein Kind mit nasser Hose. Erst heute wieder auf dem Spielplatz. Ich hocke da in der Sonne und denke: Muss er mal? Ach, mach ich gleich… und zwei Minuten später ist er nass. Also hingegangen, Hose ausgezogen, Kind umgezogen (vorher nochmal abgehalten), nasse Hose weggepackt.

Eine Frau fragt: „Hat er keine Windel an?“

Ich: „Nein, er ist ein windelfrei-Kind, meistens hat er keine an.“

Sie: „Ah, und dann wechselst Du einfach jedes Mal die Hose?“

Ich muss lachen: „Nein, normalerweise halte ich ihn einfach regelmäßig ab. Nur wenn ich gerade so gemütlich hier rumsitze wie eben und es vergesse oder aufschiebe – dann wechsele ich auch mal die Hose!“

Sie grinst, ich grinse, die Kinder spielen weiter.

Ja, er hat immer mal wieder nasse Hosen. Aber das macht nix. Ich nehme das gerne in Kauf. Denn er hat nie übel riechende volle Hosen. Seit er vier Monate alt ist, sind höchstens eine Handvoll große Geschäfte in Hosen oder Windeln gegangen, zu 99,9% gehen die ins WC – wo sie meiner Meinung nach auch hingehören. Man erinnere sich daran, wie hilflos ich war, als er letztens mal eine volle Windel hatte, ich bin das gar nicht gewöhnt. Und das war es, was ich wollte: Keine stinkenden Windeln wechseln müssen. Nasse Hosen hingegen – die machen mir gar nix.

Ich selbst stelle gerade in den letzten Tagen fest, dass ich schon total betriebsblind bin – es ist für mich so normal, mein Kind nicht zu wickeln und stattdessen abzuhalten, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wie man das nicht nutzen und sich stattdessen mit vollen Windeln beschäftigen kann.

Süsser Leben

Eine mehr als süße Seite über Attachment Parenting:

http://www.suesserleben.de

Ein Auszug:

Der Ruf der Wildnis

Die Welt des Babys ist so alt wie die Menschheit. In ihr wohnt man in der Steppe, ist umgeben von Feinden, die einen essen wollen, und einem Rudel, das auf einen aufpasst. In ihr ist Bewegung Leben, denn wer nicht weglaufen kann, wird gefressen und wer nicht hinlaufen kann, kann nicht essen. Dass Mama und Papa in einer anderen Welt leben, weiß das Baby nicht. Es weiß nicht, dass Mama und Papa in einem schmucken Steinbauwerk mit beblümtem Steppenersatz davor und einer Nebenhöhle für ein blechernes Fortbewegungsmittel wohnen.

Euer Baby ist KEIN selbstgefälliger Tyrann, der durch gespieltes Weinen seinen Dickkopf durchsetzen will. Es hat ein Bedürfnis (Hunger, Durst, Nähe …), das sofort befriedigt werden muss. Der Ruf der Wildnis duldet keinen Aufschub: Eure Bedürfnisse können warten – ihr seid erwachsen, ihr könnt zurückstecken. Ihr kennt „später“, euer Baby nur „sofort“. Ein Aufschieben der Bedürfnisbefriedigung zerstört nicht nur die Bindung zwischen Euch und dem Baby nachhaltig, sondern der Stress hemmt auch die Gehirnentwicklung.

Ein geradliniger, kompromißloser Ansatz in eine Website gegossen. Und wunderbar erklärt.

Danke, Julia, für den Link!