Archiv der Kategorie: Allgemein

Windelfrei-Studie sucht Windelfrei-Mamas

Liebe Runde,

“Babys können ihre Ausscheidungen nicht kontrollieren” – so heißt es noch immer in vielen Lehrbüchern und Arztpraxen. Windelfrei-Eltern erleben ihre Kinder ganz anders, aber ohne wissenschaftliche Daten bleiben das immer Einzelfälle. Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Studien zum Thema.

Deshalb planen Simone Rugolotto und Laurie Boucke eine neue internationale Studie über Familien, die Windelfrei/Ausscheidungskommunikation im ersten Lebensjahr ihres Kindes praktizieren. Mitmachen können alle, deren Baby jünger als 16 Wochen ist!

Dr. Simone Rugolotto ist Wissenschaftler in Italien und hat schon mehrere wissenschaftliche Arbeiten über Windelfrei veröffentlicht. Laurie Boucke lebt in den USA, sie ist die Autorin von “TopfFit”. Ich bin die deutsche Kontaktperson für alle Interessierten.

Die Studie läuft so ab: Kinderärzte oder Krankenschwestern bekommen einen Fragebogen, und werden die Eltern alle 1-2 Monate zu ihren Erfahrungen mit Windelfrei befragen, bis zum Alter von 12 Monaten. Die Interviews können per Telefon oder Skype durchgeführt werden oder auch direkt beim Kinderarzt selbst. Die Studie endet im Juni 2012. Die Daten werden anschließend analysiert und das Ergebnis in medizinischen Fachzeitschriften veröffentlicht.

Wenn euer Baby schon zu alt ist, um noch mitzumachen, ihr aber einen Arzt kennt, der an dieser Studie gerne teilnehmen würde, freuen wir uns über einen Kontakt. Auch wenn ihr noch andere Windelfrei-Familien kennt, die gerne mitmachen würden, lasst es uns wissen – je größer die Fallzahlen, desto besser die Studie.

Wenn ihr interessiert seid, antwortet gerne hier oder über Mail . Wir schicken euch dann ein Anschreiben für euren Kinderarzt sowie den Fragebogen bzw. leiten Kontakte an Laurie und Simone weiter.

Herzlicher Gruß in die Runde,
Nicola

6 Monate stillen – in jedem Fall gut

Die von mir sehr geschätzte Cochrane Gesellschaft hat 2002 bei der Durchsicht der damals vorhandenen Studien festgestellt, dass es überhaupt keinen Grund gibt, nach vier Monaten Kindern schon Beikost anzubieten. Es gibt offenbar nicht mal einen Anhaltspunkt dafür, dass dies in Entwicklungsländern, in denen die Mutter potentiell schlecht ernährt ist – einen positiven Effekt haben könnte.

Zitat:

the reviewers found that babies who were exclusively breast fed for six months had less infectious illness than those who were given other foods from three or four months onwards. The reviewers also found no convincing evidence that the growth of babies in either developing or developed countries was impaired if they were exclusively breast fed for six months or longer.

Die offizielle Empfehlung wurde kürzlich von sechs auf vier Monate aussschließlichem Stillen geändert, weil längeres Stillen für die Allergieprävention nicht notwendig sei. Zumindest zeigt der Cochrane-Report: Länger ausschließlich zu stillen hat zumindest keinen negativen Effekt auf den Ernährungsstatus des Babies. Und schneller wieder zur Vor-SSW-Figur finden wir damit auch. Warum genau also sollen wir also schon ab Monat vier Geld für Hipp&Co. ausgeben?

Windelfrei mit Neugeborenem

Gerade lese ich Geburtsberichte von vier Generationen (besonders der erste ist wirklich lesenswert!) und finde beim letzten einen kleinen Windelfrei-Absatz von einer hochmotivierten Großmutter:

„Windelfrei“: Das ist mir unheimlich. Ich hab viel gelesen und fand die Idee ganz toll, aber das es bei einem Neugeborenen so gut klappt, das hätte ich nie geglaubt. Er trägt immer noch oft Wegwerfwindeln, aber es geht selten was rein. Er mag es total, über dem Waschbecken abgehalten zu werden. Und es macht echt Spaß … Für alle Beteiligten …. Okay, wir haben die Zahnbürsten mal beiseite gestellt, die stören bei unseren Zielübungen ins Überlaufloch…
Bitte! Versucht es!!! Egal wie doof ihr die Idee findet, versucht es einfach mal!!!! Ich finde es völlig überraschend, dass es offensichtlich ein BEDÜRFNIS eines Neugeborenen ist, NICHT in die Windel zu machen! Mupfel wird auch nur alle paar Stunden mal abgehalten. Und trotzdem funxt es! BITTE VERSUCHTS mal!!! Es macht voll Spaß!!!

🙂

Gorillamama macht’s vor

Wenn ihr mal ein wirklich tolles Video über Mutter-Kind-Kontakt sehen wollt, hier die Gorilla-Mama aus dem Londoner Zoo im Oktober mit ihrem Neugeborenen – Körperkontakt, Windelfrei, Stillen nach Bedarf, Spielen…
(Dank an Utta von der AFS!):

Im Off-Text erklärt Phil Ridges, Chef der Gorilla-Pfleger im Port Lympne Wild Animal Park, das sie derzeit das Problem haben, das Baby mit dem dominanten Männchen der Gruppe bekannt zu machen. Der Vater des kleinen ist dieses Jahr verstorben, so dass es keinen Beschützer gibt und dominante Männchen sind dafür bekannt, dass sie nicht-verwandte Nachkommen attackieren und auch töten (spannende Hintergrundgeschichten zur Frage, warum Männchen Babys töten und wie die – auch menschlichen – Weibchen darauf im Laufe der Evolution möglicherweise reagiert haben übrigens bei Sarah Bluffer Hrdy in Mutter Natur).

Windelfrei-Nachwuchs!

Liebe Blog-Leser, Besucher, Freunde,

für alle, die es nicht eh schon wissen, ist es jetzt gaaaanz offiziell: Wir erwarten fröhlich und begeistert im Winter unser zweites Kind! Und damit geht es dann auch hier im Windelfrei-Blog endlich wieder live um den Windelfrei-Alltag mit Neugeborenem. Ich bin mal gespannt, ob wir es diesmal „von Geburt“ an machen oder ob ich mich wieder erstmal mit dem Kind einfinden und sammeln muss. Diesmal ist ja keine Hemmschwelle da, ich weiß ja jetzt, wie’s geht. Jedenfalls gibts dann endlich wieder Windelfrei-Live zu bloggen und zu lesen. Und natürlich weiterhin alles rund um Tragen, Stillen, Schlafen, Spielen, Entwickeln, Netzwerken, Surfen etc. :).

Eure Nicola

SIDS – revisited

Auf dem Blog der Stillberatung Bremen habe ich ein interessantes Zitat gefunden – und hoffe, dass sie den Volltext-Artikel findet, den hätte ich nämlich auch gerne!

SIDS (ploetzlicher Kindstod) revisited:
Zufaellig bin ich auf der Webseite des Europaeischen Instituts fuer Laktation und Stillen auf dies gestossen:

„Prof. Dr. G. Jorch aus der Otto-von Guericke-Universität Magdeburg macht sich Gedanken zu negativen Auswirkungen präventiver Maßnahmen:
„Noch kritischer wird dieser Gesichtspunkt bei den Empfehlungen zur Schnullerverwendung und zum Elternbettverzicht.In diesem Kontext wird argumentiert, dass die Verhinderung des Risikos SIDS-Tod so vorrangig sei, dass mögliche Nebenwirkungen der Gesundheitsempfehlungen vernachlässigt werden können. Wenn man aber bedenkt, dass beispielsweise das Elternbettrisiko bei gleichzeitiger Rückenlage, Rauchverzicht und Stillen marginal ist, kann man meines Erachtens Stillförderer verstehen, die diesen Faktor sehr differenziert diskutieren.“
(Zusammenfassung als pdf)
Ich versuche grade, den Artikel im Volltext zu bekommen – also spaeter mehr!

Vorsicht! Attachment Parenting funktioniert nicht

Es gibt ein Problem. Attachment Parenting funktioniert nicht. Auch Unerzogen funktioniert nicht. Und doch glauben alle daran – und machen sich selbst und einander das Leben zur Perfektionshölle.

Letztens erzählte ich einer anderen AP-Mutter, dass unser Sohn Karies hat und jetzt eine zahnärztliche Behandlung braucht. Jene Mutter fragte zuerst die Dinge ab, die uns auch Familienmitglieder, Zahn- und Kinderärzte fragen: Wieviel Zucker bekommt er? Wie oft putzt ihr Zähne? Womit? Als ich alle diese Fragen offenbar zu ihrer Zufriedenheit beantwortet hatte, sagte sie: „Hm, klingt so, als hättet ihr alles richtig gemacht.“ (Subtext: Es hätte funktionieren müssen)

Ja, irgendwie schon, dennoch stehen wir vor der Frage nach dem Warum, die derzeit mit „vielleicht hat er einfach extrem empfindlichen Zahnschmelz“ beantwortet wird. Aber sie war ja eine AP-Mutter…und sie hatte eine viel bessere Idee: „Und trotzdem Karies…ich finde, ihr solltet euch Gedanken darüber machen, was euer Kind euch damit sagen will, wenn ihm quasi der Mund wegfault.“ (Subtext: Wenn es nicht funktioniert hat, ist bei euch irgendetwas falsch!)

Wow. Das saß. Ich war sprachlos. Verletzt. Schließlich wütend. Dann habe ich – wie immer – versucht, nachzudenken. Und heraus kam: Tausend Dank für diese Replik! Denn ja, genau hier liegt eines der größten Probleme des Attachment Parenting.

AP-Mütter glauben – und bekommen fast überall in der Szene gesagt – dass man bei einem Kind nur die richtigen Knöpfe drücken muss und es wird ein zufriedenes, gesundes, freundliches, unerschrockenes, aufmerksames, kooperatives Baby und Kleinkind sein. Vorsicht! Attachment Parenting funktioniert nicht weiterlesen

Französische Frauen entscheiden sich gegen die Krippe

Elisabeth Badinters Alptraum. Ein ZDF -Beitrag darüber, dass „immer mehr“ Französinnen ihre Kinder nicht mit drei Monaten in die Krippe geben wollen.

Beitrag abrufbar in der ZDF-Mediathek.

Mit schönen Interviews mit den Frauen, die sich „gegen den Strom“ entscheiden und erzählen, dass sie ihren Status als gute Frau verlieren und sie Vorwürfe bekommen, das sie die erkämpften Frauenrechte verraten. Und auch Frau Badinter kommt zu Wort – sehenswert.