Archiv der Kategorie: Allgemein

Impfen oder nicht – vollkommen unmedizinische Gedanken

Gleich vorneweg: ich mache hier keine Impfdebatte auf. Das Thema ist so komplex, es gibt soviel Für und Wider, soviele Studien, Positionen, Interessen und viel zu viele Meinungen, dass ich nicht noch eine dazu packen will.

Etwas anderes bewegt mich gerade. Matthias Matting, ein sehr geschätzter Freund und Journalist, hat mir auf mein Facebook-Posting hin eine Seite des Robert-Koch-Institutes empfohlen, auf der zu den Argumenten gegen Impfungen Stellung bezogen wird. Es ist eine recht ausführliche Info mit ein paar Quellenangaben und sie beinhaltet wirklich die am häufigsten zu hörenden Thesen der Impfgegner.

Aber eines fehlt mir. Impfen oder nicht – vollkommen unmedizinische Gedanken weiterlesen

Jesper Juul in Berlin – "Erziehung funktioniert nicht"

Der dänische Familientherapeut, Buchautor und Famillylab-Gründer Jesper Juul war am 1.10.2010 in Berlin und hat über seine Philosophie von Eltern-Kind-Beziehungen gesprochen (im Familienhandbuch gibt es einen Überblicksartikel zu seinen Grundprinzipien). Die Heilandskirche in Moabit war an diesem Donnerstagabend bis auf den letzten Platz belegt und es gab hinterher noch eine interessante Diskussion. Ich habe den Vortrag mitgeschrieben – nicht wortgetreu, aber so inhaltstreu, wie ich konnte.
Infos zu Jesper Juul im Familylab, ein Interview im Abendblatt (danke für den Link, Christina!) und für den originalen Klang eine Podiumsdiskussion auf Familylab.de.

Der Vortrag in Berlin hieß Eltern sein ohne Handbuch! und Juul sagt über das Thema, das sei ein Ausschnitt aus einem Buch, das er gerade im Kopf hat, aber keine Zeit habe zu schreiben.

Es geht ihm darum, dass niemand außer den Eltern selbst herausfinden kann, was richtig für sie und ihre Kinder ist. Er selbst möchte nicht als Erziehungsexperte gesehen werden, er selbst wisse nur, was zu tun sie, wenn es mal schiefgehe. Eltern sollten sich in jedem Fall darüber klar werden, welche Erziehungsziele sie verfolgen und warum. Erst danach könne man darüber nachdenken, wie man diese Ziele am besten erreicht und welche Effekte das auf die Kinder hat. Juul verhehlt nicht, dass er aufgrund seiner Erfahrung als Familientherapeut davon ausgeht, dass Kinder gesünder werden, wenn sie als Subjekte behandelt werden statt als Objekte. Aber er stellt es jeden Eltern frei, dies selbst zu entscheiden.

Gleichzeitig entlastet er die Eltern: Erziehung muss nicht perfekt sein, eigentlich muss sie gar nicht sein. Es reicht, den Kindern a) vorzuleben, was man selbst möchte (z.B. höflicher Umgang) und b) authentisch zu sein und seine Kinder als Menschen wahrzunehmen (sie z.B. erst einmal zu fragen, wenn sie nicht in Schule oder Kita wollen, warum das der Fall ist und auch zuzugeben, wenn man am Ende des eigenen Lateins ist). „Eltern erziehen viel zu viel“, sagt er und außerdem machen sich perfektionistische Eltern zudem häufig Sorgen, was ihren Kindern alles schaden könne (Zucker, Weißbrot, eine die Contenance verlierende Mama…), dabei seien Kinder durchaus in der Lage, mit authentischen Situationen umzugehen.

Die Essenz: Ein jeder finde heraus, was für ihn richtig ist, sei sich über seine Ziele und deren Effekte klar und dann: Eltern, entspannt euch. Nur weil alles problematisiert wird, ist noch lange nicht alles ein Problem.

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Jesper Juul in Berlin

Judith schreibt auf Blog von Babytwist:

Er ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Erziehung und er kommt nach Berlin:
Der dänische Familientherapeut Jesper Juul hält einen Vortrag in der Heilandskirche in Moabit.
Thema: Eltern sein ohne Handbuch
Wann? – Am Freitag, dem 01. Oktober 2010 von 19-22 Uhr
Kostenpunkt: 12 Euro (erm. 10 Euro)
Karten-Vorverkauf in den BUCHBOX! Kiezbuchhandlungen,

Infos hier

Badinter: "Der Konflikt" – Karriere und AP als Widerspruch

Ach, ich liebe Bücher, die mich aufwühlen, die mich ärgern, bei denen mir der Mund offensteht, die mich zum Nachdenken anregen – und das neue Werk der französischen Philosphin Elisabeth Badinter „Der Konflikt. Die Frau und die Mutter“ ist so eines. Ich darf die Zusammenfassung vom Perlentaucher verwenden:

Frauen sollten wieder zurück zu Heim und Herd. Diesmal nicht, um den Mann zu umsorgen, sondern das Kind. Unter dem Banner der Natürlichkeit werden die Ansprüche an die gute Mutter so in die Höhe geschraubt, dass Frauen ihre Freiheiten wieder zu verlieren drohen, fürchtet Elisabeth Badinter.

Ein Interview im Spiegel hier, Artikel der taz sieht uns am „Zügel von Mutter Natur“, die FR schreibt, Badinter wolle Frankreichs Frauen vor der Öko- und Stilllobby schützen.

Soweit, so gut. Badinter wendet sich im Prinzip gegen das Attachment Parenting – das in diesem Blog ja das Thema ist – und verurteilt es als Versuch, den Frauen die Segnungen des Feminismus zu entreißen und sie mit Hilfe der Babies wieder aus den Büros zu holen und zu Hause anzuketten.

Seit fast drei Jahren recherchiere ich nach Gegenargumenten gegen die Ideen des AP und bin bisher kaum fündig geworden. Endlich weiß ich, warum: Weil es offenbar wissenschaftlich gesehen (außer beim Co-Sleeping und der SIDS-Debatte) kaum Gegenargumente gibt. Die schärfsten Kritiker des AP kommen von der ideologischen Seite und hier vor allem vom Feminismus. Ich war zunächst sehr überrascht darüber, denn auch ich habe während meine Politikwissenschaftsstudiums natürlich feministische Schriften gelesen und bearbeitet und hatte eher das Gefühl, dass AP dessen Ziele gerade unterstützt. Ich fühlte mich mit einem getragenen, gestillten, windelfreien Baby viel freier, unabhängiger, weiblicher, gleichwertiger als ich es mit einem „Mainstream-Baby“ gewesen wäre, das mein Nomaden-Ich u.a. ja gezwungen hätte, mit 60 Kilo Reisegepäck umherzuziehen und immer in der Nähe eines Fläschchensterilisators zu bleiben.

Was ich dabei völlig übersehen habe: Feminismus kann auch bedeuten, dass es wichtig für die Frau ist, das Kind möglichst schnell abzugeben. Möglichst schnell abstillen, weggeben und dann wieder kindfrei ins Büro/ins Kino/ins Fitnessstudio können. Und dann ist AP natürlich ein Schuldgefühl-Katalsysator par excellence.

Und genau so liest sich auch die Literatur derer, die dagegen anschreiben. Ob es „Perfect Madness“ ist oder jetzt „Der Konflikt“ – mir fällt vor allem immer wieder auf, dass es in diesen Büchern an wissenschaftlichen Argumenten volkommen fehlt. Badinter wendet sich vehement gegen das Stillen, muss aber doch selbst schreiben: „Die physischen und psychischen Vorteiles für das Baby sind seit Langem bekannt“ (S. 84, deutsche Ausgabe). Sie singt ein Loblied auf die PDA unter der Geburt, weil sie „den extremen Schmerzen während der Geburt ein Ende setzte“ und verhöhnt alle, die sich dagegen wenden – aber sie lässt galant unter den Tisch fallen, welche rein medizinischen Nachteile dieser Eingriff in die Geburt hat. Während sie sonst gerne mit Statistiken und Studien um sich wirft, bleibt sie hier still.

Es geht offenbar nicht um die Frage, was gut ist für die Babys. Diese Frage stellt Badinter kein einziges Mal. Im Gegenteil. Im Kapitel „Die Herrschaft des Babys“ schreibt sie: „Das unschuldige Baby wurde – wenngleich nicht willentlich – zum stärksten Alliierten der männlichen Herrschaft“. Und deshalb müssen wir ihm leider die Dinge entziehen, die es braucht, denn wir dürfen uns als Frauen dieser Herrschaft auf keinen Fall beugen.

Was mich wundert, ist, dass dies eine Argumentation ist, der man genauso unterstellen könnte, dass sie die Frau ebenfalls nur wieder in die Prinzipien der männlichen Welt einpresst, ohne nach ihren Bedürfnissen zu fragen. Stillen ist schlimm, weil es der Karriere schadet – wenn aber Karriere gar nicht das vorrangige Ziel der Frau ist? Co-Sleeping ist schlecht, weil die Frau dann weniger Lust auf Sex hat – was aber, wenn das a) gar nicht unbedingt der Fall ist (sie zitiert keinerlei wissenschaftliche Belege und rein praktisch weiß jeder, dass es neben Betten ja auch Sofas und andere Orte in der Wohnung gibt…) und b) ist das doch wieder die Argumentation, dass die Frau als Ehefrau bitteschön recht bald wieder zur Verfügung zu stehen habe.

„Die Zerbrechlichkeit von Beziehungen und die heutige Bedeutung der Sexualität als Beziehugnsktt werden schweigend übergangen.“ (S. 120). Hier lese ich heraus: Wir sollen die Babys – obwohl es für die Babys eindeutig von Nachteil ist! – frühzeitig abstillen und von ihnen getrennt schlafen (also nachts drei Mal aufstehen, um ein weinendes Baby zu beruhigen!), damit wir bald wieder Lust auf Sex haben und damit sicherstellen, dass uns der Mann nicht abhaut? Ist das Emanzipation?

Mir ist überhaupt nicht klar, was das mit Feminismus und Emanzipation zu tun hat. Könnte mich bitte jemand aufklären?

Auf Seite 122 hingegen schreibt sie selbst, was diese Art von Emanzipation möglicherweise mit den Kindern der vorigen Generation gemacht hat: „Vielleicht muss man darin (in der Kritik der Töchter an den emanzipierten Müttern, Anm. d. Verf.) folgenden Vorwurf hören: Du hast alles für deine Unabhängigkeit geopfert, auch mich. Du hast mir nicht genug Liebe geschenkt, nicht genug Fürsorge und nicht genug Zeit.“ Badinter will damit erklären, wie es überhaupt zu den „Rückschritten“ der aktuellen Entwicklung zurück zu Stillen, Tragen, Familienbett und im ersten oder sogar zweiten Jahr zu Hause bleibenden Müttern kommen konnte: Die Töchter wollen es anders machen. Weil sie – so Badinter selbst! – unter der Emanzipation ihrer Karrieremütter gelitten haben.

Was mich wundert bei der ganzen Debatte: Es geht nie darum, wie man den Konflikt lösen könnte. Es geht nirgends darum, dass bestimmt mehr Mütter ihre Kinder gerne auch früher betreuen lassen würde, wenn es vernünftige Betreuung gäbe. Was ich unter „vernünftig“ verstehe, steht in der nächsten „Unerzogen„. Es bedeutet auf jeden Fall, dass wir nicht einfach nur mehr Krippen- und Kitaplätze brauchen, sondern auch besser ausgebildetes und bezahltes Personal, bessere Betreuungsschlüssel, bessere Konzepte.

Stattdessen schreiben die einen: Die Mutter muss alles aufgeben für ihre Kind. Und die anderen kontern: Die Babys müssen damit klarkommen, dass ihre Mütter lieber Karriere machen. Wo, liebe Welt, ist der Mittelweg? Wo ist unser Konzept für artgerechte Haltung – für Mütter UND Babys?

Nasse Nächte!

Unser Bett ist wieder nass! Ich weiß nicht, wie und warum es passiert ist, aber im Urlaub passierte es plötzlich, dass ich nachts aufwachte, weil es neben mir nass war. Ich dachte, naja, es ist heiß draußen, er hat viel getrunken…

Aber jetzt ist es bereits in zwei Wochen – wir sind wieder zu Hause – das dritte Mal so gewesen. Er meldet sich nicht, wenn er muss, reagiert aber auch nicht, wenn ich ihn frage oder ihn abhalte. Allerdings ist es so, dass es nur passiert, wenn die Blase voll ist, wir also kurz vor dem Schlafengehen nicht nochmal im Bad verschwunden waren.

Also werde ich ab jetzt drauf achten, dass er wirkliche leer ins Bett geht und dann mal schauen, ob es wieder anders wird!

"Ich bin noch nicht fertig!"

Das Kind ist jetzt 2 Jahre und 6 Monate alt. Und es spielt sich folgende Szene mittlerweile regelmäßig bei uns ab: Plötzlich ist er weg. Ich suche ihn. Finde ihn nicht. Gehe als letztes zum Badezimmer – und werde schon an der Tür mit dem Ruf abgehalten: „Stop!! Ich bin noch nicht fertig!!“ Ich weiß nicht, woher er das hat, aber es ist definitiv so, dass er immer häufiger besonders große Geschäfte „ganz alleine“ erledigen möchte. „Ich rufe dich dann!“ ist die Ansage und das macht er dann auch, wenn er fertig ist.

Ich frage eigentlich kaum noch, ob er mal muss. Wir haben unseren Rhythmus – morgens etc. und dem folgen wir. wenn ich es mal vergesse, höre ich dann schonmal: „Mama, jetzt muss ich aber gaaanz dringend!!!“ – und dann flitzen wir ;).

Wenn er – was selten ist – mal nachts muss, kann ich mich übrigens drauf verlassen, dass er sich meldet. Er wacht dann auf und sagt: „Mama, ich muss mal“, wir gehen – beide schlaftrunken – ins Bad, erledigen alles und schlafen weiter. Großartig. Windeln? Öhhh – ich glaube, wir haben keine mehr hier :D.

Krippenbetreuung – ja, aber wie?

Gerade schreibe ich für die Unerzogen über Krippenbetreuung. Der Anstoss meiner Recherche war ein Positionspapier der Deutschen Liga für das Kind, das auch online steht. Darin wird – herausstechendster Punkt für mich – eine Betreuung von 1:2 (!!) im ersten Lebensjahr und 1:3 für Kinder im Alter von 1-2 Jahren gefordert. Juchuh. In einer Länderübersicht des Bildungsservers zum Personalschlüssel steht bei vielen Bundesländern ein Schlüssel von real 1:10-1:12,5. Das zweite Papier, das mich zu dem Artikel bewegt hat, sind die Empfehlungen der GAIMH zu Betreuung in Krippen.

Ergebnisse der Recherche in Kürze dann hier. Und ab Sonntag gehts für eine Woche in den Urlaub mit der Familie. Danach gehts hier weiter :)!