Archiv der Kategorie: Allgemein

Montags-Mantra: Loslassen

Heute mal ein Zitat, das mich gerade sehr berührt:

„Nur wer die Vergangenheit loslässt,
hat die Hände frei für die Geschenke der Gegenwart.“

Loslassen – das ist gut. Das ist wichtig. Gedanken loslassen. Perfektion loslassen (nein, wir fangen NICHT jedes Pipi auf, wozu auch?!). Angst loslassen. Loslassen. Atmen. Mal schauen, was passiert.

Loslassen ist super. Wenn mich das Kind nervt oder ärgert und ich das Gefühl habe, ich MUSS jetzt aber mal eingreifen, dann hilft häufig: Loslassen. Nichts tun.

Wenn Windelfrei nicht klappt und ich das Gefühl habe, dass einfach alles danebengeht, dann hilft ebenfalls loslassen. Pausieren. Nichts tun. Später weitermachen. Ich empfehle es wärmstens allen, die gerade vom Windelfrei oder Sauberkeitstraining gestresst sind.

Es ist überhaupt ganz faszinierend, was „nichts tun“ für eine Wirkung haben kann. Ich mach das also jetzt mal.

🙂 Happy Monday!!
nica

(Danke an Dirk von der Wildnisschule Elementar-Erfahrungen, der mir das Zitat in einer seiner letzten Mails geschickt hat)

Rückkehr zur Gelassenheit – Plädoyer für artgerechte Erziehung

ZDF-nachtstudio vom 15. Januar 2012:

Volker Panzer diskutiert die unterschiedlichen Erziehungsmethoden mit seinen Gästen: dem Biologen und Leiter der Forschungsabteilung der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit am Universitätsklinikum Erlangen Ralph Dawirs, der Journalistin Susanne Leinemann, dem Kinderarzt Herbert Renz-Polster und dem Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff im ZDF-nachtstudio.

Die besten Sendungen kommen, wenn sie kommen, spät in der Nacht…
… aber hier kann man diese interessant zusammengestellte Diskussionsrunde beliebig oft noch eine ganze Weile sehen.

Wer kann Eurer Meinung nach am besten seine Ansicht vertreten?

Muttermilch ist unnachahmlich!

Nicht nur, dass die kleinsten Menschenkinder gestillt werden wollen, die Babynahrungsindustrie kommt lange noch nicht an das Naturprodukt Muttermilch heran…

Ein nano-Bericht auf 3sat vom 22.02.2012:

Stillen schützt

Oligosaccharide in der Muttermilch helfen dem Baby
Oligosaccharide in der Muttermilch schützen Säuglinge vor Viren und Bakterien. „Sie erhöhen die Vielfalt der Darmflora“, sagt der Zürcher Physiologe Prof. Thierry Hennet.

Die von der Mutter verschiedenst gebildeten Oligosaccharide fördern die positive mit Bifidus-Bakterien besiedelte Darmflora des Neugeborenen.

Windelfrei für Spätstarter

Über Facebook hat eine Mama gefragt, ob man TopfFit oder Windelfrei auch mit älteren Kindern anfangen kann. Klar kann man! Man muss es nur ein wenig anders aufziehen.

Wenn ein Kind mal die magische 6-Monats-Grenze oder sogar die 12-Monats-Grenze hinter sich gelassen hat, dann ist‘ s aus mit Signalen. Die Kinder haben gelernt, kommentarlos in die Windeln zu machen und tun das auch. Ich fasse hier mal die Tipps von Laurie Boucke aus TopfFit zusammen (wer es ganz genau wissen will, dem empfehle ich wärmstens das Buch).

Die 10 wichtisten Tipps „Windelfrei für Spätstarter“

1. Wähle ein Signal
Jedes Mal, wenn das Kind etwas macht, mache ein Geräusch (viele machen „sss“ oder ähnliches). Das hilft dem Kind, das Geräusch mit dem, was da passiert, zu verbinden. Das hilft später wiederum, wenn es lernen soll, WO es diese Dinge tun soll.

2. Lerne dein Kind kennen
Beobachte dein Kind: Wann macht es, besonders hinsichtlich der Bezüge zu Schlafen und Essen? Die meisten Kinder müssen direkt nach dem Schlafen und während oder nach dem Essen. Wie oft zwischendurch macht es, häufiger am vormittag als am nachmittag etc. Hier hilft nur: Windel ab und ein oder zwei Tage das Kind beobachten und wischen 🙂 oder einen Garten aufsuchen (so es denn mal wärmer wird).

3. Finde einen Ort
Finde heraus, wo ihr anfangen wollt: Abhalten, auf dem Töpfchen, auf der Toilette – oder bei älteren Jungen z.B. im Stehen im Garten oder in der Dusche? Spätstarter haben bereits ihre eigenen Vorstellungen, wo und wie sie gerne sein wollen, findet es also gemeinsam heraus. Du kannst z.B. damit anfangen, ein Töpfchen immer in der Nähe des Kindes zu haben oder ihr könnt immer zur Toilette gehen, wenn es etwas gemacht hat- je nachdem, was dem Kind lieber ist.

4. Finde eine Position
Spätstarter können oft schon Krabbeln, Sitzen oder Laufen und damit fallen für sie die Abhaltepositionen auf dem Arm meist weg. Finde heraus, ob dein Kind lieber auf einem möglichst bequemen Töpfchen/Toiletteneinsatz/Toilettensitz sitzen, hocken, stehen oder gehalten werden will.

5. Finde Zeichen
Jedes Kind zeigt ein bestimmtes Verhalten, wenn es mal muss. Gleichzeitig kann jedes Kind lernen, ein Handzeichen oder Wort mit dem Toilettengang zu assoziieren. Es lernen also beide Seiten: Die Eltern lernen, dass ein Griff in den Schritt, herumzappeln oder vom Stuhl springen z.B. heißt, dass das Kind mal muss. Und das Kind lernt, dass diese oder jenes Wort oder Handzeichen damit zusammengehört. Manche Kinder fangen dann an, das Zeichen der Eltern zu übernehmen und machen es anfangs, wenn „es“ schon läuft. Freue dich darüber und mache die Zeichen weiter, es wird sich später auszahlen.

6. Relax!!!
Ein ganz wichtiger Tipp von Laurie: „Versuche es ein paar Wochen und überlege dann, ob Du weitermachen möchtest“. Manche Kleinkinder werden von einem auf den anderen Tag trocken. Bei anderen dauert es scheinbar ewig, scheint alle Mühe vergebens und die Eltern sind frustriert. Forschungen zeigen, dass keine Mühe vergebens ist, die Kinder lernen auch, wenn sich noch keine Effekte einstellen und greifen es später wieder auf, wenn sie soweit sind!

7. Finde einen Raum für TopfFit
Es hat keinen Sinn, ein windelgewöhntes Kind tage – oder wochenlang ständig in die Wohnung machen zu lassen. „Benutze deinen gesunden Menschenverstand!“ mahnt Laurie. Findet Räume oder Stunden, in denen ihr windellose Phasen einbauen könnt, ohne alle verrückt zu werden. Probiert Trainerhosen.

8. Habt Spass!
Gestaltet die Zeit auf dem Töpfchen angenehm – mit Büchern, Spielen, Lachen. Ältere Kinder können beim Einkauf dabei sein und sich ihren Topf selbst aussuchen. Vielleicht findet dein älteres Kind es lustig, beim Pipi-Machen auf etwas zu zielen – einen Baum, ein Stück Toilettenpapier etc. Rechne damit, dass auch dein Kind Spass haben will und „Unfug“ macht – ein „Nein, ich muss nicht“ kann durchaus eine Pfütze zur Folge haben und das ist normal und okay.

9. Bleib sachlich!
Wenn das Kind in seine Kleidung oder auf den Boden macht, kommentiere sachlich, was passiert ist, wische, wasche, lächle und erkläre, dass das eigentlich ins Töpfchen gehört. Punkt. Kein Schimpfen, kein Loben, kein Drohen, keine Wut. Entspanne dich und sage Dir, das dein Kind auch nur laufen gelernt hat, indem es nach jedem Hinfallen wieder aufgestanden ist.

10. Sei Vorbild!
Lass die Badezimmertür offen, damit das Kind sieht, was Du da machst. Kommentiere laut und klar, wenn Du musst, dann gehe deutlich sichtbar ins Bad etc. Kinder imitieren, was sie sehen. Was sie nie sehen, können sie schwer imitieren.

11. Bonus-Tipp
Wenn Du total genervt bist und das Gefühl hast, dass das NIE klappt – sei willkommen im Artgerecht-Camp. Dort wirst du sehen, wie es gehen kann und findest Verständnis, noch mehr Infos und Tipps, Hilfe und Motivation – absolutes windelfrei-Ehrenwort.

Artgerecht Camps 2012 – 50% voll!

Kleiner Zwischenstand zu den Artgerecht Camps 2012:

Das Camp im Juli ist jetzt halb voll, und zwar nicht nur – wie oft gemutmaßt – mit AP-Mamas, sondern es sind auch schon drei Väter mit dabei. Da sich hier viele Alumnis angemeldet haben, haben wir sogar noch einen Frühbucherrabatt-Platz (jetzt schnell sichern, auf die Plätze, fertig, Mailanmich!)

Das Camp im August ist sogar über halb voll und hier sind derzeit vier Papas angemeldet.

Falls eure Männer also zögern, weil sie Sorgen haben, dass sie die einzigen sind – mitnichten :).

Die unsichtbare Mülldeponie in den Tiefen der Meere

… nicht nur (Plastik)Windeln mit ihrem langwierigen Abbau über 200 bis 500 Jahren sind ein großes Umweltproblem sondern auch und insbesondere der allgemeine Plastikmüll.

Das Müllfeld im Nordpazifik, der East Garbage Patch, ist viermal so groß wie Deutschland. 60mal mehr Plastikteilchen als Plankton sind dort zu finden.

Hier ein kleines Info-Video (eigentlich für Kinder 😉 ).

ERSCHRECKEND!!! :-/

What lies under - Ferdi Rizkiyanto 2011What lies under – Ferdi Rizkiyanto 2011

Wir – Erwachsenen – können HEUTE erheblich unseren Teil dazu beitragen, das immer größer werdende Ausmaß der Verunreinigung unseres Planeten zu verhindern. Unserer Erde, die später einmal unseren Kindern gehören soll!

EDIT: Nach dem Erstellen meines Posts bin ich noch auf Nicolas alten Blogeintrag gestoßen… OT: Papier statt Plastik.B)

Montags-Mantra: "Weiteratmen"

Familienherausforderung Kaufhaus.

Morgen ist Fasching und Kindergeburtstag, ich muss also noch Schminke und ein Kostüm kaufen. Wir schaffen es an den Süßigkeiten-Regalen vorbei bis in die Kostüm-Abteilung, finden sogar, was wir brauchen, „bitte-komm-jetzt“-en uns an den riesigen Flachbildschirmen vorbei und durch den Plastikhorror der Spielzeugabteilung wieder zurück bis zu den Kassen.

Ich warte etwas genervt, bis wir dran sind, dann lege ich halb erleichtert die Waren aufs Band. Der Große klettert auf der Kassen-Absperrung herum, „Bitte lass das, ich weiß nicht, ob das hält und ob man das darf“. Die Kleine meckert, „Nein, es tut mir leid, aber Du darfst NICHT die gesamten Tüten aus dem niedrigen Regal dort reißen.“

Genau in dem Moment, als die Kassiererin den Betrag nennt, fällt der Große von der Absperrung, die Kleine kriegt einen Tobsuchtsanfall und reißt mir das Portemonnaie aus der Hand, der Große versucht im Fallen, sich hinten an meinem Mantel festzuhalten und reißt die Kapuze ab, die Kleine verteilt meine gesammelten Scheckkarten auf dem Boden, der Große weint als ich ihn unglücklich zu packen kriege und die Kassiererin lächelt ihr voll automatisches Lächeln: „Sammeln Sie Punkte?“

Nein, ich sammle keine Punkte.
Ich sammle Mantras. Das Mantra für solche Situationen lautet: „Weiteratmen.“

Einfach Weiteratmen. Möglichst nichts sagen- nicht schimpfen, nicht fluchen (hach, das fällt mir schwer), nicht entschuldigen. Nicht hektisch werden (auch sehr schwer). Sondern: Weiteratmen. Ruhig weitermachen. Den Großen kurz trösten, die Karten aufsammeln, die Kleine noch ein letztes Mal mit dem EC-Karten-Terminal so geschickt ablenken, dass sie endlich die Tüten vergisst, möglichst schnell zahlen und dann nichts wie raus hier.

Manchmal schaffe ich das. Nicht immer. Aber wie immer versuche ich, es mir möglichst oft zu sagen.
Einen schönen Wochenanfang euch allen!

(Danke an Andra für das Mantra)

Jesper Juul ist Anfang März in Berlin

Als bekennende Jesper-Juul-Leserin will ich hier Werbung für die noch nicht ausverkaufte Veranstaltung mit Juul am 4. März 2012 in Berlin machen:

Jakob Augstein im Gespräch mit Jesper Juul im Freitag Salon: Abenteuer Familie – Beziehung statt Erziehung

Es gibt hier noch einige Restkarten.

Erstmals habe ich Juul im Herbst 2010 live gesehen und zehre davon noch heute… 😀

Es gibt keine „Probleme“, nur Tatsachen. Wie wir mit Tatsachen umgehen, entscheidet unser Erlebnis von Lebensqualität. Probleme erfordern Lösungen, aber es gibt keine Lösungen, wir können nur feststellen, wie wir mit den Tatsachen umgehen. Wir wissen bei uns nur, wie kann man sich zu den Tatsachen verhalten, unsere Kinder müssen von uns lernen, wie man sich verhalten kann. Die verschiedenen Verhaltensalternativen. Wir können mit Kindern auch genau so über die Dinge reden: Was machen wir mit diesen Tatsachen? Wenn ich nicht mehr weiß, was zu tun ist, dann ist die Antwort der Dialog mit Freunden, Verwandten – oder am besten mit den Kindern selbst.

Für die, die nicht in der Nähe von Berlin leben, und Jesper Juul trotzdem mal hautnah sehen und hören möchten, werden auf seinem persönlichen Veranstaltungskalender oder auf familylab.de ab und zu fündig.

Babys immer am Körper tragen!

Zuerst: Liebe Nicola! Vielen lieben Dank für die liebe Vorstellung meiner Person und das Vertrauen in mich als Co-Autorin! 🙂

Als begeisterte ehemalige und immer noch Tragemama – ja, meine 3 1/2 Jahre alte Tochter mag müde nach dem Kindergarten gerne huckepack heimgetragen werden – stieß ich vergangene Woche auf einen doch recht interessanten Artikel: Baby bei Minusgraden am Körper tragen. Mein Trageherz schlug sofort vor Freude schneller…

Ursprung dieser Aussage ist Prof. Dr. med. Joachim Gardemann, der seine Empfehlung für die DRK-Wintertipps für Eltern abgab.

Neugierig schrieb ich Herrn Gardemann eine Mail, um den Hintergrund seiner Trageempfehlung zu erfahren:

Lieber Herr Gardemann,

derzeit geht Ihre Empfehlung „Babys immer am Körper tragen!“ über die DRK-Wintertipps für Eltern herum.

Ich möchte Sie gerne fragen, wie Sie zu dieser Aussage kamen. War es rein aus praktischer Sicht, wie man Kinder bei der winterlichen Witterung warmhalten kann? Oder steckt noch mehr dahinter? Denn eine gängige Empfehlung von Kinderärzten ist sie meines Erachtens nicht.

Ich interessiere mich sehr für das Thema Eltern-Kind-Bindung, speziell dem Bonding im ersten Lebensjahr. Dabei, denke ich, kann das Tragen eine sehr wichtige Rolle einnehmen, um eine bindungs- und bedürfnisorientierte Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind zu stärken. Somit freue ich mich über jede subtile Empfehlung zum Tragen.

Ich würde mich sehr über Ihre Gedanken und persönliche Meinungen dazu von Ihnen freuen!

Mit freundlichen Grüßen
C. Baris

Sehr erfreut bekam ich schnell eine Antwort von ihm:

Sehr geehrte Frau Baris,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage, seit 17 Jahren bin ich als Pädiater oftmals in Auslandseinsätzen des Roten Kreuzes gewesen. Überall tragen Mütter ihre Babys am Körper, das hat viele Vorteile, natürlich auch die Ausbildung einer engen Bindung, aber auch ganz banal die Körperwärme. Ich erinnere mich noch an den Kosovo-Krieg 1999, wo junge Mütter bei eisigen Temperaturen an der Grenze zu Mazedonien auf dem nackten Erdboden schlafen mussten, damals haben wir auch empfohlen, die Babys am Körper zu tragen.

Für uns vom IKRK-Feldkrankenhaus gibt es auch einen Leitsatz:

„The only Incubator used in a field hospital is the mother.“
[Übersetzung: Der einzige Inkubator, der in einem Feldlazarett verwendet wird, ist die Mutter.]

Sehr interessant ist, dass nahezu alle Mütter auf der Welt das wissen, nur die Mütter aus reichen Industrieländern nicht, so hatten wir 2005 im November einen mehrtägigen Stromausfall in Gemeinden des Münsterlandes, bei dem Mütter ihre Babys in Tragetaschen und Kindersitzen transportierten, anstatt sie am eigenen warmen Körper zu halten. Ich erinnere mich gut an eine Szene in Horstmar, wo ich als Rotkreuzarzt tätig war und eine verzweifelte Mutter vor laufenden Fernsehkameras mit der Babytragetasche in der Hand lamentierte, anstatt ihr Kind an ihren Körper zu nehmen.

Die reichen Menschen verlieren die selbstverständlichsten Alltagskompetenzen, daher dachte ich, es sei wichtig, einmal an das Selbstverständliche zu erinnern.

Ihr J. Gardemann

Mir persönlich zeigte seine Antwort mal einen ganz anderen Blickwinkel des Tragens auf. An das Naheliegende wie das Tragen in den ärmsten und unterentwickelten Regionen bzw. Kriegsgebieten in Europa hatte ich noch gar nicht gedacht. Meine Assoziationen mit dem Tragen gingen bisher eher in die Richtung Naturvölker sowie dem Leben in Afrika und Asien.

Sehr schön fand ich auch seine Erinnerung an die Rückbesinnung auf die doch ehemals selbstverständlichen Alltagskompetenzen im Umgang mit unseren Säuglingen/Kindern.