Alle Beiträge von nicolaschmidt

Stillen im Cafe verboten – Cuba si!

Es ging gerade durch die Medien: Patricia Hermanns, 31-Jährige Mutter, wurde aus dem Bäckerei-Café eines Supermarktes in Krefeld geworfen, weil sie ihren Sohn stillte. Die Verkäuferin begründete: Stillen sei verboten, da sich andere Gäste dadurch belästigt fühlten.

Es gibt einen schönen Artikel zum Thema von Lisa Fehrenbach auf Eltern.de. Nett fand ich auch die Umfrage im Solinger Tageblatt, in der doch tatsächlich eine Dame aus einer Konditorei erklärte, dass die herumstehenden Kinderwagen viel störender seien (Wasser auf meine mit-Tragetuch-wäre-das-nicht-passiert-Mühle).

Dennoch ist es faszinierend, wie darüber in den Foren – von Frauen! – debattiert wird, wie verstörend es sein könne, wenn man eine stillende Frau sieht. Dabei ist auf jeder Fernsehzeitschrift mehr Brust zu sehen als wenn eine Frau ihr Baby stillt – das hat ja korrekterweise hoffentlich den größten Teil der Brustwarze im Mund (kann das Video leider nicht einbetten. )

Ich musste bei der Diskussion immer an unsere Reise nach Kuba denken. Mitten in Havanna saß eine junge Frau auf den Stufen des Capitols. In ihrem Schoß lag ihr Kind. Die Spaghettiträger ihres Hemdchens hielten nur noch eine Seite, an der anderen hing eine Brust heraus, an der das etwa 2-Jährige Mädchen entspannt saugte. Kein Mensch schenkte der Szene größere Beachtung. Niemand regte sich auf.

(Danke an Clara für den Hinweis)

Montags-Mantra: "Dann ist das halt so"

Wir sind die Generation der perfektionistischen Mütter. Bio-Essen. Tragetuch. Pikler-Kurs. Schwimm-Kurs. Schwangerschaftsyoga, Babyzeichen. Und wir leben im Zeitalter der Optimierer. Das Zeitalter der Ratgeber, der „So geht’s“-Artikel, der Ratschläge, wie es noch besser gehen kann.

Grundsätzlich alles okay. Aber manchmal – manchmal hat das Leben eigene Ideen. Kinder haben sowieso ganz eigene Ideen.

Wir haben tolle Bio-Brote mit Öko-Aufstrich dabei und der Große will aber lieber die Gummibärchen vom Nachbarskind. Wir sind beim Pikler-Im-Wasser-Schwimmkurs der Rochenkinder und meine Tochter spielt eine Stunde lang glücklich mit der Vorführpuppe- am Rand. Babyzeichen? Warum sich auf Babyzeichen konzentrieren, wenn Mama mich mit „ähäh!!“ auch versteht?

Bestimmt kennt jeder noch dutzend solcher Situationen. Früher hab ich mich aufgeregt. Heute versuche ich es mit: „Okay. Dann ist das halt so.“ Es ist meine Version von „Verändere, was du ändern kannst, nimm hin, was Du nicht ändern kannst, sei weise genug, eins vom anderen zu unterscheiden.“

Ich bin nicht immer weise genug. Aber wenn’s mal klappt, dann bin ich viel entspannter. Und meistens ist es auch gar nicht so schlimm.

Es ist einfach so.

Und irgendwann kann man sogar drüber lachen. Meine Ma und ich träumen von einer Website, auf der wir alle diese Situationen sammeln und die www.dannistdashaltso.de heißen soll. Und wenn’s mal wieder ganz anders läuft, als wir uns das gedacht haben, dann sagen wir auch nur noch genau das.

Sie fragt: „Www.dannistdashaltso.de?“

„Hihi, ja, Mama, Du hast recht. Dannistdashaltso.de!“

Und – weiter im Text.

🙂 Gruß zur Woche!

(PS: Sehe gerade, dass ein Herr Milzarek aus „Haseluenne“ die Domain schon registriert hat. Sehr witzig. Leider leer.)

(Was ist das Mama-Mantra? hier

weitere Mantras: Habe ein Fertigessen, Dannistdashaltso.de, Routine ehren, Schau nicht auf den Baum!, Reffe! Jetzt!, Prioritäten-Liste, Erst das Wichtige…, Kind, Du bist nicht schuld, , Nichts ist weicher und stärker als Wasser, Diskutiere nicht mit einem müden Kind, Diskutiere nicht mit einem hungrigen Kind.)

Heute: Windelfrei-Sauerei

Mammia. Wir sind völlig aus dem Tritt. Und wer ist schuld? Ich natürlich. Meine eine und die Windeln.

Ein paar stressige Tage gehabt, nicht viel abgehalten, „sie streikt ja eh“ (100% Ausrede, sie streikt nicht mehr). Teilweise hab ich sie sogar in die Windel machen lassen, wenn sie in der Manduca aufgewacht ist, was ich sonst nie tue. Es war soooo kalt. Und ich kränkel und bin wohl auch ein bisschen faul und wollte sie nicht ärgern und…naja und: zack! hab ich den Salat.

Madame macht, wo sie geht und steht. Alles. Sogar auf dem Arm (!). Das ist nicht witzig. Heute habe ich also konsequent den Nachmittag windelfrei durchgezogen und gewischt, geflucht, gewischt, geflucht, gewischt, geflucht….

Leise geflucht, natürlich. Kind kann ja nix dafür. Benutzerfehler. Seufz. Benutzerfehler wird mein neues Stichwort.

„Dann zieh ihr doch ne Windel an!“ sagt der Mann. Nein. Tue ich nicht (also: nicht mehr durchgehend und nicht mehr ohne abhalten und zu Hause einfach gar nicht mehr).

Warum nicht?? fragt sich die Welt um mich herum.

Weil ich kürzlich eine Vierjährige (!!!!) in der Kita ihre Mutter um eine Windel bitten hörte, damit sie ihr großes Geschäft darin verrichten könne. Deshalb. Das kommt überhaupt nicht in Frage. Ich werde auch diesem Kind nicht erst durch Faulheit beibringen, es möge kommentarlos in die Windel machen und es ihm dann mühsam wieder abtrainieren. Um uns herum ist außer unserem Großen kein Kind im gleichen Alter nachts trocken. Kein einziges. Manche sind es nichtmal tagsüber. Das ist doch verrückt. Die Kids werden alle bald vier.

Nein. Mach ich nicht. Da wisch ich lieber. Da fluch ich lieber. Da ertrage ich lieber die genervten Blicke vom Vater und die unverständigen Kommentare vom Rest der Welt um mich herum. Wir sprechen uns in 16 Monaten nochmal. Und bis dahin wird gewischt und geflucht (und gelacht) bis sich die Balken biegen ;).

OT: Klamotten tauschen: Direkt oder Kinderbox.de

Kinderklamotten haben eine Menge schlechter Eigenschaften – häufig kriegt man zuviel geschenkt, sie sind meistens zu schnell zu klein, sie sind neu sehr teuer. Außerdem sind sie potentiell voller Schadstoffe und Teil der „Story of Stuff„. Caro von Ecobabe hat gerade eine Klamotten- Tauschidee auf ihrem Blog entworfen.

In einem Kommentar nennt jemand außerdem Kinderbox.de – eine Idee, die ich nett finde: Man packt 10 Kleidungsstücke in eine Box und stellt sie ein. Jemandem gefallen die Sachen, man verschickt sie und erhält die Versandkosten zurück. Keine Preise für die Kleider. Für jede verschickte Box darf man wieder selbst eine bestellen.

Hat das schonmal jemand probiert?

Parenting Card: Let your child BE a child

Schlamperei!!! Heute Parenting-Card ohne Bild. Muss für morgen noch die Familienbett-Workshop-Prezis feintunen, daher also heute mal einfach die, die heute an meiner Abzugshaube hängt:

Let your child BE a child. – Lass dein Kind ein Kind SEIN.

Uh lala. Jaja. Klingt mal wieder so einfach. Und doch.

„Zieh Dich bitte schonmal an“
„Der Trommelworkshop fällt aus, nächste Woche wieder“
„Aber ihr könnt doch am Montag dann weiter bauen?“
„Jetzt beeile Dich, wir müssen….“

Es sind zwei Aspekte, die diesen Satz bedenkenswert für mich machen.

Der eine: Häufig denke ich, er kann das doch schon, obwohl es für ein so kleines Kind vielleicht doch noch schwer ist. Sich konzentriert „einfach mal“ anziehen. Etwas auf nächste Woche verschieben. Sich beeilen. Oft denke ich, das muss doch funktionieren (da war es wieder, das böse Wort), aber es funktioniert eben nicht. Er ist nicht doof. Er ist drei.

Der andere: Die „Zeit, die von den Kindern da verplant wird, sollte eigentlich ihre Kindheit sein“, hat Reinhard Mey mal auf einem Konzert gesagt bezüglich der Geigenstunden, Turnstunden, Englischstunden, mit denen schon die Allerkleinsten zugepflastert werden.
Ich hatte auch schon solche Anwandlungen – mensch, der Kind will immer trommeln, der soll in die Musikschule, er ist so wild, wir gehen zum Aikido, ich will mehr Tiere, wir melden uns beim Reiten an etc…

Aber das ist Quatsch. Nichts davon bringt ihn weiter. Er will spielen. Bei seinen Freunden sein. Auf dem Boden rumlümmeln. Mit Mama Plätzchenteig matschen. Im Wald rumstromern. Kind sein. Sich anziehen lassen, unkonzentriert sein, rumtröööödeln, Käfer bewundern. Kind sein.

Let your child be a child. Is ja gut, is ja gut, ich mach ja schon ;).

Familienbett?? Nein, danke.

Familienbett ist artgerecht. Familienbett ist gesund und für die allermeisten Familien auch sicher. Familienbett ist toll. Aber nicht mehr für uns. Es reicht. Ich muss SCHLAFEN.

Der Große hat von Geburt an bei uns geschlafen. Seit die Kleine da ist, schläft er bei seinem Papa und seit ein paar Wochen im eigenen Bett. Soweit, so gut. Aber seit ein paar Tagen will er wieder bei Mama schlafen. Auch okay. Vertraue der Entwicklung deines Kindes etc…. geht alles mal vor, mal zurück, kein Beinbruch. Er schläft jetzt also wieder bei Mama.

Und die schläft nicht mehr.

Die Nacht sieht so aus, dass die Kleine eigentlich nur zwei Mal stillen und zwei Mal abgehalten werden muss. Eigentlich kein Problem. Sie kommt gegen zwei und gegen fünf – genug Zeit für meinen Schlaf. Ist aber der Große dabei, fällt er mindestens einmal pro Nacht gegen die Wand, tritt im Traum um sich, weckt die Kleine mit einem Traum-Aufschrei („das ist mein Stock!!!“), sucht seine Decke. Er wacht auf, wenn ich mich wegen der Kleinen bewege, sie wacht auf, sobald ich mich seinetwegen bewege oder er laut ist – kurz:

Wir spielen Aufwach-Ping-Pong. Absoluter Horror.

Der Große ist heute zur Oma ausquartiert (für ihn der tollste Tag der Woche, übrigens, bei Oma ist es immer wunderbar). Es muss eine andere Lösung her, aber bevor ich wieder denken kann, muss ich erstmal zwei Nächte schlafen. Mutter-Kind-Bett – super. Papa-Mama-Baby-Bett – super. Familienbett mit mehr als zwei Kindern – ich weiß, dass einige hier das durchziehen, aber mich macht es völlig fertig… *gääähn*.

Wie macht ihr das?

Artgerecht Camps: Treffen mit dem Waldkauz

Heute habe ich mit Bastian Barucker, dem Menschen hinter der Wildnisschule Waldkauz eine Stunde lang in der Sonne an der Spree gesessen. Und es hat mir eine ganz neue, faszinierende Sichtweise auf die Artgerecht-Idee eröffnet.

Wildnisschule Waldkauz

Bastian hatte ich angesprochen, um im Sommer gemeinsam ein weiteres, ausgebautes Artgerecht-Camp zu organisieren, mit jemandem mit Wildnis-Erfahrung und Camp-Erfahrung. Einem Profi.

Ich dachte mir, Wildnispädagogik, das wäre doch nett. Ich ging davon aus, es ginge dabei um ein bisschen Feuer machen und Spuren suchen, ein bisschen Indianer spielen und Vögel beobachten. Ist es auch. Aber heute habe ich gelernt, dass da noch mehr ist.

Bastian sagt: „Die Menschen merken plötzlich, wie weit wir vom Jäger und Sammler-Dasein entfernt sind, was das für uns bedeutet. Sie erfahren, wie es sich in Gemeinschaft lebt. Dabei kommt jeder einzelne sich und dem, wie er oder sie leben will, plötzlich viel näher.“

Wow. Genau das will ich. Gemeinsam mit den Kindern im Camp leben, neue Erfahrungen machen, gemeinsam Neues sehen, wissen, spüren, fühlen, sagen, essen, bauen, träumen.

Für mich klingt das nach: Artgerecht-Camp eröffnet neue Ideen und gibt neue Antworten zur Frage, was für jeden einzelnen eigentlich artgerecht ist. Und das finde ich eine tolle Chance, die noch weit darüber hinaus geht, einfach „nur“ zu erzählen, was rein wissenschaftlich gesehen artgerecht für uns und unsere Babys wäre.

Wir basteln also gerade an einem oder mehreren Camps für Sommer 2012. Wieder mit Info-Lagerfeuern für die Eltern, mit Naturerfahrung für die großen Kinder, mit Themenangeboten, Morgenrunden, Yoga und natürlich auch Feuermachen, Spurenlesen und Stockbrotbraten. So wie Bastian es erzählt, könnte sich so ein Camp von der Seminar-Struktur weitgehend lösen und dennoch viel Wissen vermitteln, quasi wie im „Dorf“, im Stamm, so nebenbei und doch gezielt.

Wie klingt das?

Literatur- und Linkliste zum Artgerecht Workshop

Hier zum Anklicken, Ausdrucken und verschicken die Literatur- und Linkliste zum Artgerecht-Workshop.

Bücher

(ich verlinke bewußt nicht auf Amazon, die nehmen 50% Prozent Provision von den Verlagen, das ist sehr umstritten)

Kinder verstehen, H. Renz-Polster
– unsere Kinder aus Sicht der Evolutionsforschung. Detailreich (500 Seiten), streckenweise amüsant, in der neuen Auflage hat er auch das Windelfrei-Kapitel nochmal überarbeitet, mit den Worten: „Nicola, nicht dass Du denkst, ich schlafe hier im Allgäu“ *smile*
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