Alle Beiträge von nicolaschmidt

Wieder Windelfrei

Wir sind endlich wieder „vernünftig“ windelfrei. Streik vorbei. Allerdings heißt „vernünftig windelfrei“ konkret:

Wir haben 2-3 nasse Hosen oder Flecken pro Tag. Vor allem morgens, wenn ich „in Ruhe“ frühstücken will und nachmittags, wenn ich koche oder sonstwie abgelenkt bin. Sie ist draußen auch teilweise wieder windelfrei, was toll ist, denn dann lässt sie sich wieder 100%ig abhalten, so als wüßte sie, dass bei den Temperaturen eine nasse Hose nicht schön ist. Aber im Auto z.B. trägt sie Windeln. Wir sind wieder voll auf Wegwerfwindeln, ich hab zwar Bum Genius hier, aber mir laufen die immer aus. Was mache ich falsch? Keine Ahnung.

In der Nacht schläft sie ohne Windel, da sie bis ca. 5-6 Uhr zuverlässig trocken ist. Sie schläft mit Wolle-Seide-Body, unten offen und Wolle-Seide-Hose im Baumwollschlafsack neben mir. Das ist wirklich großes Kino. Gegen morgen halte ich sie dann halt ein Mal ab. Fertig. Popo darf die ganze Nacht lüften. Das ist schön, denn sie bekomme Zähne und eine Freundin erzählte gerade, dass ihr Tochter einen schlimm wunden Po hat „wenn sie zahnt ist das immer so…“. Keine Ahnung, ob wir das auch hätten, aber sie war noch nie wund und das hat sicher was mit windelfrei zu tun :).

OT: Nutzt eure Körper!

Wir haben Kinder. Wir werden dick. Oder ausgezehrt. Wir sind gestresst. Oder völlig erledigt. Wir werden faltig. Keine Zeit fürs Fitness-Studio, für Massagen, Eincremen, Sex. Die Frisur eine Katastrophe (oder eben: wild), Make up? Nur zu besonderen Anlässen. Schönheitsschlaf? Soll das ein Witz sein??

Eine gute Freundin klagte kürzlich darüber, dass sie nach zwei Geburten dann doch nicht mehr aussieht, wie mit zwanzig. Tjahhaaa – das ist wohl Mama-Schicksal (falls man nicht eine Heidi-Klum-Maschine oder eine Victoria-Beckham-Maschine ist) . Mit zwanzig war ich durchtrainiert, ausgeruht und voller Flausen im Kopf.

Und jetzt? Falten statt Flausen, viel zu oft viel zu müde, chronisch untertrainiert. „Mütter altern einfach schneller“, sagte jene Freundin, und das stimmt.

Warum erzähle ich das in diesem Blog? Weil Attachment Parenting oder „artgerechtes Kinderleben“ m.E. eine besonders körpernutzungsintensive Angelegenheit ist. Und ich erzähle es, weil es mich überhaupt nicht kratzt, dass ich nicht mehr aussehe wie mit zwanzig. OT: Nutzt eure Körper! weiterlesen

4000 Aufrufe von "Durchschlafen ist ungesund"

Hab heute mal die Zahlen vom Youtube-Kanal nachgeschaut. Die Topffit-Einführung von Laurie Boucke ist kaum auf Interesse gestoßen. Aber James McKennas „Durchschlafen ist ungesund“ hat über 4000 Aufrufe. Ingesamt sind die Videos des 123-windelfrei-Kanals 17.000 Mal aufgerufen worden. Es gibt noch mehr Interessierte da draußen :).

Also hier nochmal der McKenna. Und demnächst mehr, ich hab noch mehr auf der Festplatte von ihm mankommtjazunix

Montags-Mantra: Tu es jetzt!

Handy verloren? Und gerade gestern gedacht, „ich müsste mal die Nummer sichern“? Rechner abgestürzt? Und gerade letztens gedacht „Ich sollte mal Backup machen?“ Kind krank? Und kürzlich noch gedacht, Mensch, die Hausapotheke müsste ich mal wieder neu füllen…?

Auch wenn es mit zwei Kindern fast nicht durchführbar ist, ich versuche es tapfer: „Tu es jetzt!“

Denn wenn es mir jetzt einfällt, dann ist absehbar, dass es demnächst wichtig wird. Ist ein bisschen wir „Reffen!“ aber doch langfristig orientierter. Denn viele dieser Dinge kosten Zeit. Aber viele Dinge kosten auch weniger Zeit, als wir glauben und was dauert, ist nur der Prozess, bis man sich überwunden hat, endlich mal die quietschende Tür zu ölen, die jeden Abend das gerade einschlafende Baby aus dem Schlaf reisst. Was auch richtig lange dauern kann, sind die Reparaturarbeiten, wenn z.B. der Rechner abstürzt und man keine Datensicherung hat.

Ich bin kein König in dieser Disziplin. Dafür habe ich das unendlich Glück, einen Mann zu haben, der immer alles gleich erledigt. Das ist faszinierend. Ich habe so etwas vorher noch nie gesehen. Aber es ist ein Geschenk (er hat gestern die quietschende Kühlschranktür zum Schweigen gebracht).


(Was ist das Mama-Mantra? hier

weitere Mantras: Dannistdashaltso.de, Routine ehren, Schau nicht auf den Baum!, Reffe! Jetzt!, Prioritäten-Liste, Erst das Wichtige…, Kind, Du bist nicht schuld, , Nichts ist weicher und stärker als Wasser, Diskutiere nicht mit einem müden Kind, Diskutiere nicht mit einem hungrigen Kind.)

Experiment II

So gings aus: Bis um 5 war das Baby wieder trocken (ab 7 Uhr abends) und dann hab ich sie abgehalten, weil ich sie mit meinem Husten geweckt hatte. Erfolglos (!). Dann nochmal um 7 – und dann mit Effekt. Wow. Das sind mal locker 12 Stunden.

Parenting Card? Ich habs nicht vergessen – bin grippig und muss jetzt leider prioritär ganz dringend unbedingt ins Bett (von wo ich gerade nochmal rausgekrabbelt bin, um dies hier mitzuteilen ;)). Aber ihr wisst das meiste ja eh alle schon :).

Beikost-Einführung – so geht’s

Es gibt sie noch, die aufmerksamen Redaktionen. Heute flattert mir ein Newsletter ins Haus und beim Klicken auf den Link finde ich einen Artikel zur Beikosteinführung, der Sätze enthält wie:

Beikost – so schon der Name – heißt, dass die Kost nebenbei gegeben wird, also zum Stillen hinzukommt. Beikost ergänzt somit die Muttermilchernährung, ersetzt jedoch nicht die Stillmahlzeiten.

Ich war hin und weg. Sonst hört man ja immer nur das Abstillmantra: Ersetzen sie nach und nach jedes Stillmahlzeit durch Fertigbrei.

Es ging noch weiter:

Wenn die Mütter bereit sind weiterzustillen, erhalten Babys im Durchschnitt im Alter von 6 – 8 Monaten etwa 70 Prozent ihres Energiebedarfs aus der Muttermilch, 55 Prozent im Alter von 9 – 11 Monaten und 40 Prozent im Alter von 12 – 23 Monaten.

Zwei Jahre stillen? Und dann noch fast die Hälfte der Nahrung des Babys aus der Muttermilch? Da konnte ich mich dann nicht mehr halten und musste nachschauen, von wem der Artikel stammt. Und?

Gudrun von der Ohe, Ärztin sowie Still- und Laktationsberaterin IBCLC, 1. Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Laktationsberaterinnen, www.bdl-stillen.de

Liebes Kidsgo-Team, ich bin begeistert :).

Mittwochstipp & Radiointerview: "Wenn Babys reden könnten"

In Deutschlandradio Kultur nimmt Friedrich Manz, Autor von „Wenn Babys reden könnten“ die herrschende Säuglingspflege auseinander:

Die Verrohung der Kinderheilkunde im 19. Jahrhundert und ihre Folgen bis heute
Gespräch mit Friedrich Manz, Kinderarzt

Stillen nach der Uhr, Schreien lassen, alleine lassen – alles kulturell bedingte Grausamkeiten, die immer noch weitergetragen werden, obwohl keiner mehr weiß, woher diese Praktiken eigentlich kommen. Manz hat offenbar nachgeschaut (ich hab das Buch noch nicht) und einiges gefunden, wie er im Interview erklärt.

„Wie kinderfreundlich ist unsere Gesellschaft?“ fragt die Moderatorin. Danke für diese Frage!! Antwort: „Wir haben eine kinderfremde Gesellschaft. Kinder sind eine Minorität, die in unserem Alltag fast nicht mehr auftaucht. (…) Mein Wunsch ist, dass man erkennt, dass man die Andersartigkeit eines Säuglings anerkennt und anders damit umgeht. Effizienzdenken und Leben nach der Uhr kennt der Säugling nicht. Das fällt uns natürlich sehr schwer.“

Woher kommt das Schreienlassen? Er sagt: Aus Erfahrungen, wie still Babys in Findelheimen waren. Doch dies waren aus Manz‘ Sicht nicht brave, sondern „depressive“ Säuglinge.

„Die Kinderärzte, die sich immer als Anwälte der Kinder stilisieren, die haben einen Schatten“ und zwar den einer dunklen Zeit, in denen Säuglinge eher als dressierbare Störenfriede angesehen wurden. Die Menschen, die damals schrieben, haben sich häufig nie um ein Kind selbst gekümmert.

Das war nicht immer so. Vor 1850 gab es nach seiner Forschung eine Periode, in der Kindheit als besondere Phase gesehen wurde und kindgerecht argumentiert wurde – mit „Liebe, Freundlichkeit, Detailgenauigkeit“.

Warum kam der Bruch 1850? Er sagt: „Nationalismus – es waren plötzlich ganz andere Tugenden wichtig.“ Helden waren gefragt, „harte“ Kerle. Und dazu kam eine dominante Wissenschaft: „Plötzlich wurde das Kind zum Objekt, vorher hatte es eine Seele, es waren Geschenke Gottes, jetzt war es nur noch das Biomodell Kleinkind…“

Das dritte Reich habe anschließend versucht, zwischen Müttern und Kindern eine „Kampfbeziehung“ zu etablieren. Ein Kampf darum, wer länger durchhält: Das weinende Baby oder die ignorierende Mutter.

Klingt spannend. Lesen wollen.

Wenn Babys reden könnten

(Danke an meine Ma für den Hinweis!)

(Es geht natürlich auch um die Sauberkeitserziehung – Zwangstopfen, Töpfchendressur. Ich darf nochmal dran erinnern: Windelfrei hat damit nichts zu tun. Wir achten auf Signale und Körpertiming (gastrokolischer Reflex). Kein Zeitplan. Kein Stress. Kein Druck.)

Stillen in der DDR

Stillen in der DDR – Sabine hat mir diese „Wiegekarte“ geschickt, mit der Aufschrift: „Mutter stille Dein Kind“ und Gründen fürs Stillen:

wiegekarte

Auf der Rückseite sind Größe bzw. Gewicht zu den Untersuchungszeitpunkten vermerkt.

Es gab in der DDR offenbar Milchbanken und auch finanzielle Anreize. Gleichzeitig hört man immer wieder, dass Mütter nur kurz (6 Wochen) stillten und dass die zeitlichen Vorgaben (alle 4 Stunden, nachts gar nicht) eher stillhinderlich waren. Ich hab mal ein bisschen rumgesucht und folgendes gefunden: Stillen in der DDR weiterlesen