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Evolutionäre Fußabdrücke – Kooperation als Chance

Ganz aktuell schreibt Charles Leadbeater für The Guardian in No, we are not selfish – co-operation is at the heart of our existence über die evolutionären Fußabdrücke in unserer Gesellschaft und die Chancen, die daraus entstehen. Super spannend!

Meine persönlichen Lieblingsstellen:

We breed babies that develop slowly and need a lot of care. According to Sarah Blaffer Hrdy, professor of anthropology at the University of California, mothers in hunter-gatherer tribes needed help, especially from older women, to cope with child-rearing and to supplement the food brought back by hunters. The babies most likely to survive would have been good at eliciting support, showing pro-social tendencies and emotions.

Wir brauchten FRÜHER „unser Dorf um Kinder groß zu ziehen“. Dann ist es HEUTE doch sicher nicht anders. Warum sollte sich eine Mutter mit ihren Kindern alleine im Alltag durchschlagen müssen?

Großfamilien, Mütterteams, Wahlfamilien/-gemeinschaftenhere we go.

Samuel Bowles and Herbert Gintis, the world’s leading researchers into reciprocity, led teams to study co-operation among 16 of the last hunter-gatherer societies in the world and found that the closer we get to a state of nature the more co-operative we become.

Faszinierend! Um so ursprünglicher wir leben, desto kooperativer werden wir. Wie schaffen wir das in unserer zivilisierten und hochtechnisierten Welt? Artgerechte Ideen? Immer (hier) her damit!

New forms of co-operation will be needed at every level of our lives, from the global challenges of financial instability, climate change and resource depletion, to the growing recognition that most of what matters most to us – love, care, friendship, respect, trust – come from relationships.

Back to the roots… GEMEINSAM statt einsam!

Jesper Juul – "Wütende Kinder"

Am 29. Februar 2012 hielt Jesper Juul, der dänische Lehrer, Gruppen- /Familientherapeut, Konfliktberater und Buchautor, im Herzen von Berlin vor ausverkaufter Kulisse des Kinos Babylon seinen Vortrag:

Aggression – Ein neues und gefährliches Tabu

Folgende Abfassung beruht auf meinen Notizen und meiner Erinnerung…
(Zitatblöcke stellen seine Vortragsfolien dar.)

Jesper Juul – "Wütende Kinder" weiterlesen

Warum Körperkontakt so wichtig ist und wie die Natur uns hilft…

Körpernähe ist für alle kleinen Erdenbürger dieser Welt wichtig, egal ob gestillt oder nicht-gestillt.

Herbert Renz-Polster gibt dazu in seinem neuesten Buch Menschenkinder – Plädoyer für eine artgerechte Erziehung einen kurzen Überblick (S. 23-24) zum großen WARUM:

  • Früher Hautkontakt hilft den Babys bei der Anpassung ihres Stoffwechsels, Atmung, Kreislauf und Körpertemperatur und unterstützt das Stillen nach der Geburt.
  • Frühgeborene wachsen schneller und entwickeln ein stärkeres Immunsystem.
  • Regelmäßig getragene Babys sind ausgeglichener und weinen insgesamt weniger.
  • Entwicklung von Urvertrauen (=Bindungssicherheit).
  • Mütter leiden seltener an Wochenbett-Depressionen.
  • Tragekindermütter gehen schon nach wenigen Monaten sensibler mit ihren Säuglingen um als nicht-tragende.

Körperkontakt hilft Eltern und Kinder sich früh kennenzulernen und „ohne großen Aufwand feinfühlig und niederschwellig miteinander zu kommunizieren“.

Und die Natur hilft nach.

Mit Hormonen wie Oxytocin, Vasopressin und Prolaktin unterstützt uns die Natur bei der Elternliebe und dem (Ur)Vertrauen.

Hier ist ein sehr schönes Video (gefunden in der 3sat-Mediathek): Ursprung der Mutterliebe mit einem Kommentar von Sarah Blaffer Hrdy.
Wie im Video erwähnt, brauchen wir wie Elefanten und Affen die Gemeinschaft um unseren kostspieligen Nachwuchs aufzuziehen. Doch das ist ein neuer Blogeintrag wert… 😉

ARTE: Wickeln, Windeln, Wegwerfen

Der ARTE-Film über Windeln und die Umweltprobleme, die sie verursachen, ist auf Youtube:

Ich war ziemlich platt, obwohl ich vieles schon wußte. Zwei Gedanken, die mich nicht loslassen: a) wir wissen gar nicht, welche Chemikalien in Windeln stecken, weil es nicht auf der Packung steht; b) wir zahlen jede Windel doppelt – beim Kauf und als Entsorgungsproblem. Und das zahlt auch jeder mit, der gar keine Kinder hat!

Jedes Kind will gestillt werden

„Es gibt kein Kind, das nicht gestillt werden möchte“ – Ein klasse Interview mit Michael Abou-Dakn, dem Geburtsmedizin-Guru in Berlin und in Sachen Babyfreundliches Krankenhaus.

Er nennt drei wichtige Punkte für einen gelungenen Stillstart:

  1. Hautkontakt: „Mutter nimmt primär [direkt nach der Geburt als ERSTE] das Kind und legt es sich auf den Bauch“ – keine Trennen von Mama/Kind für Untersuchungen und Messungen, die warten können
  2. Breastcrawling/vom Kind gesteuerter Stillstart: Kind robbt zur Brust und fängt selbst an zu trinken = autonomes Trinken
  3. Kein Zufüttern von Wasser, Tee oder künstlicher Säuglingsnahrung

… und er ist der Meinung, dass „es kein Kind gibt, das nicht gestillt werden möchte – das wäre ein Selbstmordkandidat“ und dass „ein Kind am Anfang nur zwei Ziele kennt: Sicherheit und ernährt zu werden.“

Außerdem finde ich diesen Part besonders erwähnenswert:

Unsere Gesellschaft ist mittlerweile so vereinsamt, dass wir kaum noch andere Kinder sehen und beobachten. So, wie das früher in Großfamilien üblich war. In Papua-Neuguinea sind Kinder bei der Geburt dabei und beobachten das und lernen voller Stolz, wie das funktioniert. Die Zeiten der Großfamilie sind vorbei in unserer Gesellschaft. Deshalb brauchen wir heute Profis, um unsere Kinder zu verstehen.


Mein Fazit:
Wir brauchen Vorbilder und kompetente Geburtshelfer, die auf unsere natürliche „Kraft und Kompetenz“ vertrauen und uns darin bestärken sowie ein Ende des Versteckenspiels in unseren „Kleinst“-Familien. … Das wäre doch schon ALLES für einen gelungenen artgerechten Start ins eigene Familienleben?!?

EDIT:

Dieses doch alte Video zeigt Neugeborene zu unterschiedlichen Zeiten nach der Geburt mit und ohne äußeren Einflüssen auf den ersten Kontakt zur Mutter. Ich finde es beeindruckend…

… wie schädlich Störfaktoren auf das Breastcrawling und erste intuitive Anlegen wirken. Diese Ergebnisse sind nicht neu. Um so erschreckender finde ich, dass dieses Wissen nicht auf Seite EINS jedes Lehrbuches für medizinisches Personal in der Geburtshilfe steht.

Rückkehr zur Gelassenheit – Plädoyer für artgerechte Erziehung

ZDF-nachtstudio vom 15. Januar 2012:

Volker Panzer diskutiert die unterschiedlichen Erziehungsmethoden mit seinen Gästen: dem Biologen und Leiter der Forschungsabteilung der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit am Universitätsklinikum Erlangen Ralph Dawirs, der Journalistin Susanne Leinemann, dem Kinderarzt Herbert Renz-Polster und dem Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff im ZDF-nachtstudio.

Die besten Sendungen kommen, wenn sie kommen, spät in der Nacht…
… aber hier kann man diese interessant zusammengestellte Diskussionsrunde beliebig oft noch eine ganze Weile sehen.

Wer kann Eurer Meinung nach am besten seine Ansicht vertreten?

Jesper Juul ist Anfang März in Berlin

Als bekennende Jesper-Juul-Leserin will ich hier Werbung für die noch nicht ausverkaufte Veranstaltung mit Juul am 4. März 2012 in Berlin machen:

Jakob Augstein im Gespräch mit Jesper Juul im Freitag Salon: Abenteuer Familie – Beziehung statt Erziehung

Es gibt hier noch einige Restkarten.

Erstmals habe ich Juul im Herbst 2010 live gesehen und zehre davon noch heute… 😀

Es gibt keine „Probleme“, nur Tatsachen. Wie wir mit Tatsachen umgehen, entscheidet unser Erlebnis von Lebensqualität. Probleme erfordern Lösungen, aber es gibt keine Lösungen, wir können nur feststellen, wie wir mit den Tatsachen umgehen. Wir wissen bei uns nur, wie kann man sich zu den Tatsachen verhalten, unsere Kinder müssen von uns lernen, wie man sich verhalten kann. Die verschiedenen Verhaltensalternativen. Wir können mit Kindern auch genau so über die Dinge reden: Was machen wir mit diesen Tatsachen? Wenn ich nicht mehr weiß, was zu tun ist, dann ist die Antwort der Dialog mit Freunden, Verwandten – oder am besten mit den Kindern selbst.

Für die, die nicht in der Nähe von Berlin leben, und Jesper Juul trotzdem mal hautnah sehen und hören möchten, werden auf seinem persönlichen Veranstaltungskalender oder auf familylab.de ab und zu fündig.

Babys immer am Körper tragen!

Zuerst: Liebe Nicola! Vielen lieben Dank für die liebe Vorstellung meiner Person und das Vertrauen in mich als Co-Autorin! 🙂

Als begeisterte ehemalige und immer noch Tragemama – ja, meine 3 1/2 Jahre alte Tochter mag müde nach dem Kindergarten gerne huckepack heimgetragen werden – stieß ich vergangene Woche auf einen doch recht interessanten Artikel: Baby bei Minusgraden am Körper tragen. Mein Trageherz schlug sofort vor Freude schneller…

Ursprung dieser Aussage ist Prof. Dr. med. Joachim Gardemann, der seine Empfehlung für die DRK-Wintertipps für Eltern abgab.

Neugierig schrieb ich Herrn Gardemann eine Mail, um den Hintergrund seiner Trageempfehlung zu erfahren:

Lieber Herr Gardemann,

derzeit geht Ihre Empfehlung „Babys immer am Körper tragen!“ über die DRK-Wintertipps für Eltern herum.

Ich möchte Sie gerne fragen, wie Sie zu dieser Aussage kamen. War es rein aus praktischer Sicht, wie man Kinder bei der winterlichen Witterung warmhalten kann? Oder steckt noch mehr dahinter? Denn eine gängige Empfehlung von Kinderärzten ist sie meines Erachtens nicht.

Ich interessiere mich sehr für das Thema Eltern-Kind-Bindung, speziell dem Bonding im ersten Lebensjahr. Dabei, denke ich, kann das Tragen eine sehr wichtige Rolle einnehmen, um eine bindungs- und bedürfnisorientierte Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind zu stärken. Somit freue ich mich über jede subtile Empfehlung zum Tragen.

Ich würde mich sehr über Ihre Gedanken und persönliche Meinungen dazu von Ihnen freuen!

Mit freundlichen Grüßen
C. Baris

Sehr erfreut bekam ich schnell eine Antwort von ihm:

Sehr geehrte Frau Baris,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage, seit 17 Jahren bin ich als Pädiater oftmals in Auslandseinsätzen des Roten Kreuzes gewesen. Überall tragen Mütter ihre Babys am Körper, das hat viele Vorteile, natürlich auch die Ausbildung einer engen Bindung, aber auch ganz banal die Körperwärme. Ich erinnere mich noch an den Kosovo-Krieg 1999, wo junge Mütter bei eisigen Temperaturen an der Grenze zu Mazedonien auf dem nackten Erdboden schlafen mussten, damals haben wir auch empfohlen, die Babys am Körper zu tragen.

Für uns vom IKRK-Feldkrankenhaus gibt es auch einen Leitsatz:

„The only Incubator used in a field hospital is the mother.“
[Übersetzung: Der einzige Inkubator, der in einem Feldlazarett verwendet wird, ist die Mutter.]

Sehr interessant ist, dass nahezu alle Mütter auf der Welt das wissen, nur die Mütter aus reichen Industrieländern nicht, so hatten wir 2005 im November einen mehrtägigen Stromausfall in Gemeinden des Münsterlandes, bei dem Mütter ihre Babys in Tragetaschen und Kindersitzen transportierten, anstatt sie am eigenen warmen Körper zu halten. Ich erinnere mich gut an eine Szene in Horstmar, wo ich als Rotkreuzarzt tätig war und eine verzweifelte Mutter vor laufenden Fernsehkameras mit der Babytragetasche in der Hand lamentierte, anstatt ihr Kind an ihren Körper zu nehmen.

Die reichen Menschen verlieren die selbstverständlichsten Alltagskompetenzen, daher dachte ich, es sei wichtig, einmal an das Selbstverständliche zu erinnern.

Ihr J. Gardemann

Mir persönlich zeigte seine Antwort mal einen ganz anderen Blickwinkel des Tragens auf. An das Naheliegende wie das Tragen in den ärmsten und unterentwickelten Regionen bzw. Kriegsgebieten in Europa hatte ich noch gar nicht gedacht. Meine Assoziationen mit dem Tragen gingen bisher eher in die Richtung Naturvölker sowie dem Leben in Afrika und Asien.

Sehr schön fand ich auch seine Erinnerung an die Rückbesinnung auf die doch ehemals selbstverständlichen Alltagskompetenzen im Umgang mit unseren Säuglingen/Kindern.