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Terminvorschau: WAIMH-Konferenz in Leipzig im Juni

Vom 29. Juni bis 3. Juli 2010 findet in Leipzig unter dem Titel «Kindheit im Übergang ? Infancy in Transition» der nächste Internationale Kongress der WAIMH (World Association for Infant Mental Health – weltweite Dachorganisaion der Gesellschaft für seelische Gesundheit in der frühen Kindheit) statt. Die deutsche Sparte GAIMH wird sich an einem deutschsprachigen bzw. auf Deutsch übersetzten Strang der WAIMH-Tagung beteiligen.

Das Programm ist voller spannender Themen. Ich bin vor allem gespannt auf diesen Vortrag: Mechtild Papousek, Germany: Intuitive Elternschaft – eine versteckte Ressource in stark beeinträchtigen Eltern-Kind-Beziehungen. Auch Tomasellos Vortrag könnte in Hinblick auf den derzeitigen Hype um Kleinkind-Gebärdensprache spannend sein: Michael Tomasello, PhD, Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology, Leipzig, Germany, Kommunikation vor dem Spracherwerb. Und die Technikjournalistin in mir will natürlich auch unbedingt zu diesem Workshop: Mark Tomlinson, PhD, Cape Town –Das Technik-Baby – Seelische Gesundheit in der frühen Kindheit in einer globalisierten und vernetzten Welt.

Nein, Tragetücher sind nicht gefährlich

Seufz. Es gibt von meinen besten Freunden, den Kinderärzten im Netz, eine Warnung in Bezug auf Babyslings – leider in der Überschrift m.E. völlig irreführend übersetzt als „Tragetücher“ und später als „Tragetücher im Taschenstil“.

In der originalen Pressemitteilung ist aber von „SLINGS“ die Rede, was absolut NICHTS mit unseren deutschen Babytragetüchern zu tun hat. Das sind einfach Stoffbahnen, die das Kind meist auf der Hüfte sitzen lassen, ein Tragestil, der in Deutschland ausdrücklich erst empfohlen wird, sobald das Kind den Kopf selbst halten kann, was dann auch das Risiko ausschaltet. Tragetaschen mögen in der Tat gefährlich sein, daher ist natürlich ein „richtiges“ Tragetuch zu empfehlen. Aber genau vor denen wird ja in der Überschrift gewarnt. Nein, Tragetücher sind nicht gefährlich weiterlesen

Wir sind dann mal…sauber.

Wo zieht man die Linie, dass ein Kind jetzt „sauber“ ist und wo nicht? Unfälle passieren ja noch eine ganze Weile. Aber ich habe jetzt für mich die Schwelle definiert und wir haben sie definitiv überschritten. Und zwar an dem Tag, als mein Sohn mitten in einem mittelschweren Wutanfall wegen einer Packung TicTac plötzlich innehielt und verkündetet: „Mama! Pipi!“, sich abhalten ließ und erst danach weiterwütete ;).

Wir sind dann mal sauber. Einfach so. Er sagt Bescheid, wenn er muss. Der letzte Schritt war mal wieder einfach Vertrauen in ihn. Nachdem er tagelang immer verkündet hatte, wenn es bereits passiert war, habe ich ihm einfach erklärt, dass es für uns leichter wäre, wenn er es mir sagt, bevor er sich nass macht. Und zack – er tat es. Und damit sagt er jetzt Bescheid, bevor er loslegt und wartet, bis wir soweit sind. Allerdings wartet er nicht besonders lange. Um genau zu sein, sprinte ich noch immer ganz schön fix zu ihm, denn wenn ich ein paar Augenblicke zu lang warte, gehts schon los. Aber auch das ist sicher nur eine Frage der Übung!

Damit sind wir in unserem Umkreis definitiv unter den ersten Kindern, die sauber sind. Ich hatte das nie angestrebt, um hier keinen falschen Eindruck zu erwecken. Ich erwähne es, um zu sagen, dass das NICHT selbstverständlich ist, auch nicht bei Windelfrei-Kindern. Wir haben einige Windelfrei-Kinder um uns herum, die noch nicht im Traum daran denken, irgendjemanden vorzuwarnen. Allerdings ging es bei uns immer schon überdurchschnittlich gut.

Und ich bin sehr, sehr froh darüber. Wir haben uns nie Stress mit Vollzeitwindelfrei gemacht. Wir haben Windeln benutzt, wenn es praktischer war. Wir hatten Abhaltestreiks und haben sie respektiert. Und doch hat sich alles einfach so ergeben. Und ich habe keine 10 vollen (ich meine richtig vollen) Windeln wechseln müssen. Wir haben vielleicht 12, maximal 15 Pakete Windeln verbraucht. Was für ein Geschenk!

Mein Dank geht an Claudia, die mich auf die Idee überhaupt erst gebracht hat, an Julia Dibbern, die es in ihrem Buch „Geborgene Babies“ so toll beschreibt, an die TopfFit-Yahoo-Group, die uns immer unterstützt hat und an Laurie Boucke, die mit Rat und Tat und Interview an unserer Seite stand.

🙂

Und jetzt? Und jetzt geht es hier weiter mit Attachment Parenting, mit meinem neuen Buch, das bald herauskommt und mit noch vielen Projekten, die in meinem Kopf in den letzten Monaten gereift sind.

Bleibt bei uns!

Bericht: Pinkelstreik vorbei – nach 1 Jahr!

Hurra!!!

Mein Sohn, jetzt 1,5 Jahre alt, lässt sich endlich wieder abhalten. Der so genannte „Pinkelstreik“ ist bei Windelfrei-Kindern ein häufig beobachtetes Phänomen, das meist auftritt, wenn sie mobil werden oder große Veränderungen anstanden.

Bei meinem Sohn war es so, dass er sich ab dem Alter von einer Woche sofort abhalten lies (davor war ich einfach zu fertig von den Nachwehen, um es regelmäßig zu versuchen). Wir haben das ein halbes Jahr sehr gut hingekriegt, mit kleinen Pannen, die aber nicht der Rede wert waren. Nachts habe ich immer Windeln angezogen, weil er sich zwar nachts abhalten lies, ich dann aber zu wach wurde und dann meist nicht mehr gut einschlafen konnte, und später lies er sich auch glaub ich nicht mehr so richtig abhalten, wollte selbst weiter schlafen.

Mit 6 Monaten fing er an, mobil zu werden: krabbelte und dann folgte im zwei-Wochen-Takt immer eine Veränderung auf die nächste. Die Zähne kamen einer nach dem anderen, er hatte mit 10 Monaten auch schon alle, er krabbelte, stand, lief, hüpfte, fing an zu sprechen… in den Entwicklungsschritten kam keine Ruhe rein, und seit er die ersten Krabbelschritte machte, lies er sich partout nicht mehr abhalten. So erklärte ich mir jedenfalls immer seinen Streik: anderes ist eben wichtiger.

Er pinkelte zunächst einfach im Sitzen auf dem Boden, später im Stehen, was wir dann immer aufwischten. Ich hatte immer das Gefühl, er kann es noch, aber will einfach nicht. Ich habe es anfangs öfter probiert, dann nur noch monatlich, dann noch seltener. Wir erkannten auch noch, wann er musste, aber er wollte weder abgehalten werden noch hatte er die Geduld, auf einem Töpfchen zu sitzen. Nach unserem Versuch pinkelte er dann einfach etwas später auf dem Boden…

Normalerweise sind Pinkelstreiks nur einige Wochen lang und dann geht es wieder. Bei uns war es nicht so. Ich hatte schon fast aufgegeben, benutzte ein bisschen öfter Windeln, wollte aber nicht komplett auf Windeln umsteigen, sondern lieber aufwischen, weil ich eben dachte, dass er so wenigstens das Gewahrsein für seinen Körper behält. Er merkte ja, dass er pinkelte, was bei meinem beiden größeren Kindern nicht so war: Sie waren eher überrascht-erschrocken, dass da was rauskam. Sie waren die Windeln einfach sehr gewöhnt.

Mit 9 Monaten hatte ich ein Erlebnis, dass mich einfach weiter vertrauen lies: Er war krank und hatte Fieber, er war so schlapp, dass er sich kaum rührte und nur im Bett lag. Ich hab ihn an diesem Tag 4 Mal abgehalten, und da er so schlapp war, lies er sich auch abhalten und alles klappte haargenau so, wie es ein mal gewesen war. Als er nach einem Tag wieder fit war, wollte er wieder nicht – schade. Aber ich kam zu dem Schluss, dass es wirklich am Mobilsein lag: An dem Tag konnte er sich ja eh nicht bewegen, dann war das Abhalten auch nicht schlimm. Ansonsten war Sichbewegen eben wichtiger.

Und so ging das dann einfach weiter. Einige Erlebnisse ab und an zeigten uns, dass er definitiv die Kontrolle darüber hatte, aber das Thema einfach nicht seine Priorität war:

* wenn wir ihn auf die Toilette (mit Einsatz) setzten, machte er manchmal rein
* er sagte uns bis er etwa 1 Jahr und 2-3 Monate alt war, dass und wo er Pipi gemacht hatte.
* wenn man ihm sagte (z.B. im Stehen), dass er Pipi machen soll, sah man, dass er eine entsprechende Bewegung machte, es also quasi versuchte

Und: normalerweise machte er nie auf Matratzen, Teppich oder auf dem Schoß – bis er etwa 1 Jahr und 2-3 Monate alt war. Dann hörte das leider auf, und ich wurde vermehrt auf dem Schoß angepinkelt (er ist meistens nackt oder nur halb angezogen zu Hause). Da bin ich immer hochgeschreckt. Ich konnte ihn dann mittendrin stoppen, zur Toilette tragen und dort machte er willentlich den Rest. Das sieht man, weil er sich auf Toilette nicht soooo entspannen kann, dass alles auf einmal kommt (wie früher beim Abhalten), ich kann aber sagen: „Mach noch mal Pipi“, dann macht er eine entsprechende Bewegung (man sieht es am Bauch und am Penis, und manchmal kommt ein kleiner Entspannungs-Pups mit ;)) und eben auch Pipi. Das wiederholt sich einige Male, bis die Blase entleert ist. Er freut sich dann auch. Ich mich auch. Ich habe mich manchmal so geärgert, dass ich ihn so angemotzt hab, dass er „NICHT AUF DEM SCHOSS!!!“ pinkeln soll, dass wir nun häufiger Windeln benutzt haben (lieber das statt anschreien! Das war ja nun wirklich nicht Sinn der Sache).

Das ging so jetzt etwa 3-4 Monate, Pinkeln auf dem Boden, aufwischen, manchmal Windeln tragen und nachts sowieso. Täglich mal nackt sein, da besteht er sowieso drauf. Mein mittlerer Sohn machte neulich in die Badewanne Pipi, weil die Toilette besetzt war. Dann wollte der Kleine auch: ich hab ihn abgehalten, und das fand er zum ersten Mal OK, anstatt sich zu drehen und zu wenden, sich mit Schwung in Richtung Boden zu werfen.

Seitdem (ca. 3 Tage) halte ich ihn immer öfter ab, und es klappt wie früher – nur dass wir jetzt auch „mach noch mal Pipi“ sagen, damit auch alles raus kommt. Pipi direkt nach dem Aufstehen ist so sicher wie immer, da kommt viel (und meist ohne „nochmal“). Und ansonsten nach Gefühl. Manchmal geht’s auf den Boden.

Hurra! Es hat sich gelohnt zu warten. Es ist (manchmal) nicht vieeel einfacher als mit Windeln. Es ist auch nicht vieeeel schwerer als mit Windeln. Es ist einfach anders, und das Schöne ist einfach zu wissen und zu sehen, dass Kinder in dem Alter sehr wohl Kontrolle über ihre Blase haben – das hat für mich auch was mit Würde zu tun, vor allem später, wenn sie sich ganz bewusst gegen Windeln wehren – sind ja auch super unbequem. Dass er die Kontrolle die ganze Zeit hatte, daran habe ich ab und zu gezweifelt, aber eben doch immer wieder beobachtet, dass es der Fall war. Jetzt hat es sich wieder bestätigt, zuerst durch die Schoßgeschichte und jetzt durch die Wiederaufnahme. Hurrah!!!

Der vielleicht längste Pinkelstreik aller Zeiten ist also überstanden? Wer weiß, vielleicht ändert es sich noch. Macht dann natürlich auch nichts 🙂

James McKenna: Durchschlafen ist ungesund (Video)

James McKenna erklärt heute, warum er es für ungesund hält, wenn Babies zu lange zu tief schlafen – oder sogar durchschlafen. Die dann auftretenden, „unbeendeten Atemstillstände“ sind übrigens im Verdacht, hinter SIDS, dem plötzlichen Kindstod zu stehen. Ein Baby, das durchschläft oder alleine sehr tief schläft, findet viel schwieriger aus lebensgefährlichen Situationen als eines, das neben seinen Eltern schläft. Die These McKennas, das alleine schlafende Babies gefährdet sind, ha anfangs viel Aufruhr und Widerspruch verursacht. Mittlerweile hat sie Einzug in öffentliche Empfehlungen gefunden:

Die Empfehlung der Deutschen Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin zur Verhinderung des Plötzlichen Kindstods rät, „Säuglinge sollten im elterlichen Schlafzimmer, aber im eigenen Bett schlafen.“ Studien aus England und Neuseeland zeigen, dass das Risiko, am Plötzlichen Kindstod zu sterben, bei allein schlafenden Kindern gegenüber Kindern, die im Elternzimmer schlafen, um bis zu zehn Prozent erhöht ist.

Ups – ein Tabu!

Ein Tabu ist laut Wahrig eine „allgemeine Vorschrift, über etwas nicht zu sprechen oder etwas nicht zu tun“. Bevor ich Mutter wurde, bin ich so gut wie nie mit Tabus in Berührung gekommen – eigenartig. Jetzt häufen sich Momente, in denen ich denke: „Ups – ein Tabu!“

Meine aktuelle Favoritenliste: Ups – ein Tabu! weiterlesen

Laurie Boucke: TopfFit für Mamas mit Job (Video)

Ein häufiges Vorurteil gegenüber TopfFit ist: Das kann nur machen, wer den ganzen Tag mit dem Baby zu Hause ist und sonst nichts zu tun hat. Laurie erklärt in unserem Interview, dass das Gegenteil der Fall ist. Gerade arbeitende und gestresste Eltern schätzen die Zeitersparnis durch TopfFit! Denn:

Etwas anderes, das man nicht vergessen sollte, ist, dass Windel wechseln und Babypopos sauber machen auch Zeit kostet. Wenn Sie also einige dieser Pipis und Poops im Töpfchen auffangen können, sparen Sie auf jeden Fall Zeit.

Daher sind oft arbeitende Mütter die begeisterten Verfechter des Abhaltens. Wie sie es machen, erkärt Laurie im Interview. (Please, find the english version here)