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Windelfrei und Wegwerfwindeln??

Aaaalso, die bekennende Teilzeit-Windelfrei-Nic muss mal eine Lanze für die WWW brechen. Und für mich ;). Einige haben hier ja kommentiert, dass Windelfrei und WWW nicht zusammenpassen. Absolut korrekt! Wenn man die reine Lehre verfolgt, dann geht das gar nicht. Mach ich aber nicht. Ich bin eher die „simplify“-Mutter, ich versuche, das Ganze möglichst undogmatisch anzugehen. Und da gehört die „Erlaubis“ zur WWW einfach dazu.

Immerhin, wir verwenden zu 99% den biologisch abbaubaren Kram aus dem Bioladen, Moltext Öko und so. Das ist auch Müll, die sind manchmal echt brett-ig, aber nunja. Vorteil: Die Dinger sind NASS. Wirklich. Das merken die Kinder garantiert.

Und ich muss sagen, wenn ich z.B. Kurse gebe oder wenn wir im Flugzeug unterwegs sind oder ähnliches, dann bin ich wirklich froh drum. Eine nasse Hose wäre kein Problem, aber bei den Mengen, die sie macht, wäre nicht nur ihre Hose nass ;). Ich brauche da ein zuverlässige Back-Up, besonders, wenn es draußen schneidend kalt ist (obwohl wir ja jetzt den tollen Abhalte-Anzug aus dem Abhalte-Laden haben, ups, noch gar nicht gebloggt, folgt, das Teil ist der Hammer!!!)

Derzeit ist mein Verbrauch höher als er sein soll, dass ist allerdings wahr und hat mit den vielen durchwachten Nächten zu tun, in denen ich das Artgerecht-Projekt-Camp auf die Beine gestellt habe …. tagsüber ging das einfach nicht. Wenn ich tagsüber dann aber so ein nicht-geschlafen-haben- Zombie bin, dann ist eine nasse Hose für mich eine Katastrophe – das kann ich hier keinem Zumuten.

Und es ist immer noch nicht entschieden, ob die Stoffwindel-Wascherei nicht auch eine ziemliche Umweltbelastung ist. Dennoch fühle ich mich auch besser, wenn ich Stoffis verwende *gesteh* und ja, beim ersten Kind hatte ich einfach mehr Energie. Da hat mich halt nur einer nachts wach gemacht…

Unser Windelfrei-Stand: Jetzt ist das Camp organisiert und sofort merke ich, dass es wieder besser klappt. Nachts kommt sie wieder gegen 12, gegen 2 nur zum Stillen und dann nochmal gegen 5 zum abhalten und fertig. Seit drei Nächten ist die Windel morgens trocken, juchuh.

Windelfrei mit dem zweiten Kind

Wie windelfrei’t es sich eigentlich mit zwei Kindern? Ist man beim zweiten Kind entspannter, gewitzter, genervter? Und überhaupt: Wie oft habe ich gehört: „Beim zweiten Kind machst Du so einen Quatsch nicht mehr, da hast du dann gar nicht mehr die Zeit!“ und ich dachte: Aber zum Wickeln hab ich Zeit?

Fakt ist: Wir machen es wieder. Und ja, es ist anders mit zwei Kindern.

1. Routine ist entspannend :). Ich bin viel entspannter und routinierter oh Wunder. Während ich beim ersten Kind noch ständig bei Laurie Boucke in „Topffit“ geblättert habe, ruft mein Hirn jetzt vieles von alleine ab: „Ah, eine Streikphase, das kenne ich, ah, Rhythmusänderung, das kenne ich etc.“ Ich sehe die Zeichen besser, auch wenn sie sich ändern. Sie signalisiert eigentlich gar nicht mehr außer in der Manduca (da will sie panisch raus) oder nachts (sie nuckelt und nuckelt und dockt nicht ab).

Ich weiß meistens, wann sie muss: Nach dem Schlafen, großes Geschäft nach dem Vormittags- oder Nachmittagsschlaf oder (wenn sie’s bis dahin nicht gemacht hat) nach dem Mittagessen. Ich sehe sogar, dass sie gerade oder gleich macht, wenn sie eine Windel anhat. Irgendwie gehört es jetzt wirklich zur Wahrnehmung dazu, wie ihr Hunger und ihre Müdigkeit. Trotzdem verpasse ich viel, denn…

2. Ich halte seltener ab. Ich habe definitiv nicht soviel Zeit. Das heißt zwar nicht, dass ich Zeit fürs Vollzeitwickeln hätte, aber ich bin weniger aufmerksam als beim ersten Kind. Ist halt noch ein zweites da. Daher haben wir – gefühlt -mehr nasse Hosen, mehr Unfälle. Gleichzeitig habe ich so gut wie nie ein Kind, dass ich vergebens abhalte, weil ich nicht mehr wie früher ständig schaue, ob doch was kommt. Das hat auch Vorteile, denke ich, sie ist bisher so gut wie nicht genervt.

3. Der Rhythmus ist anders. Beim ersten habe ich an Teilzeit-Windelfrei-Tagen vor allem nachmittags windelfrei gemacht, weil sie nachmittags seltener müssen. Jetzt ist es eher so, dass ich die Kleine vormittags auf jeden Fall windelfrei lasse, nämlich wenn der Große in der Kita ist. Am nachmittag sind wir häufig unterwegs und ich hab dann zwei Kinder, da trägt sie meistens eine Windel oder Backups.

4. Die Ökobilanz scheint uns miserabel. Ich dachte ja am Anfang von windelfrei, dass wir damit wirklich sehr viel umweltfreundlicher sein werden. Bei uns ist das derzeit eher nicht der Fall. Der Große ist zwar schon seit zwei Jahren trocken, aber derzeit waschen wir ca. 1x pro Woche die Bettwäsche, weil doch von einem der beiden was naß geworden ist. Das fühlt sich nicht mehr so wahnsinnig toll öko an. Ich hab’s nicht ausgerechnet, ob es die gesparten Windeln wieder wett macht. Aber ich frage mich das dennoch manchmal…andererseits sind es am Ende wahrscheinlich ca. 2000-2500 Windeln, die wir nicht benutzt haben, das ist schon ne Menge…

5. Wir brauchen mehr Windeln. Eine Windelpackung pro Monat? Davon kann ich derzeit nur träumen. Wir, brauchen derzeit oft 1 Packung für ca. 7 bis 10 Tage, als es im Herbst noch so warm war hielt sie auch mal 3 Wochen. Ich halte nachts z.B. zwar ab, aber sie trägt trotzdem meistens Windel, weil ich einfach oft so müde bin (und in den Backups schwitzt sie wie verrückt, in der Windeln nicht *grübel*). Und tagsüber gibt es soviele Situationen, in denen ich wirklich keine nasse Hose brauchen kann. Doof das. Aber isso.

6. Ich habe mehr Hilfe. Da alle in der Familie und um uns herum jetzt ebenfalls schon windelfrei-Erfahrung haben, halten Papa, Oma und enge Freunde die Kleine viel mehr ab als sie das beim Großen gemacht haben. Das ist toll.

7. Wir sind immer noch mit kleinem Gepäck unterwegs, im Alltag und auf Reisen. Es ist immer noch wahnsinnig praktisch. Ich habe bis heute keine „Wickeltasche“, keine Wundseincremes, keine Unterlagen etc. Nie vermisst. Nie gebraucht.

Insgesamt machen wir es einfach. Ich mache mir mir keinen Kopf drum, wir halten sie halt einfach ab, sobald sie aufwacht und wann immer wir denken, sie muss mal. Wir lächeln, wischen und waschen, wenn wir es verpassen. Wir wickeln, wenn wir keine Aufmerksamkeit für sie haben.

Ich habe ich das Gefühl, dass sich windelfrei so anfühlen könnte, wenn man einfach damit aufwächst, dass man Babys nunmal abhält, wenn sie müssen. Das ist schön. Es fühlt sich sehr entspannt und natürlich an. Und es ist eigenartig, dann all die Babys zu sehen, die nie jemand abhält, die alles in ihre Windel machen. Wenn man es mal raus hat, ist es so einfach. Und ich könnte mir vorstellen, wenn wir es beieinander sehen würden und aus der Familie so kennen, dann würde sich keinen Mensch einen Kopf drum machen, ob und wie und warum.

Wir würden unsere Babys einfach abhalten. Punkt. Eines Tages wird es wieder so sein. Bis dahin – artgerecht-Projekt!

Windpocken im Windelbereich – was tun?

Windpocken kennen keine Gnade. Sie sind überall. Auch im Windelbereich. Wir hatten hier ein paar Strategien, um den Kindern zu helfen, die ich mal mitblogge.

Die Kleine hatte eine ganze Wagenladung Pocken im Windelbereich. Schleimhäute und so. Bäh. Ich hätte um NICHTS in der Welt diesem Kind eine Windel anziehen mögen. Wie machen das Wickel-Eltern? Die Dinger fangen doch bei Hitze erst richtig an zu blühen?

Wir haben es so gemacht:

Pocken im Windelbereich: den Windelbereich immer mal wieder sanft abwaschen und mit Weledas Wecesin-Pulver einstäuben. „Das hilft??“ fragte der Kindspapa zweifelnd, aber es half. Die Stellen entzündeten sich nicht oder beruhigten sich schnell wieder.

Schmerz beim Wasserlassen: Als ich das Gefühl hatte, dass das kleine Geschäft ihr weh tut, haben wir es unterm Wasserstrahl des Wasserhahnes erledigt, so dass gleich Wasser mitlief (was nur geht, wenn man das Baby abhalten kann, wieder 1000 Dank für Windelfrei…). Als Backup hatte sie nur eine locker eingelegte Stoffwindel, gehalten vom locker zugeknöpften Wolle-Seide-Body oder einer eher eng sitzenden Hose. War die Windel nass, sofort wechseln, Intimbereich kurz abwaschen, neu einstäuben.

Kratzen: Kratzen zu verbieten war total aussichtlos. Wir haben also die juckenden Stellen gepudert und gekühlt (Kühl-Akku in Waschlappen eingewickelt). Ich hatte dem Großen (4 Jahre alt) eingeschärft, dass er nur neben den Windpocken kratzen dürfe, nicht darauf. Das hat super funktioniert. So konnte er sein Kratz-Bedürfnis befriedigen ohne die Pusteln aufzureißen. Für die Kleine (11 Monate) war der Juckreiz offenbar noch zu unspezifisch, sie hat sich nur am Kopf ein paar Mal gekratzt. Ich habe sie mehrmals in eine lauwarme Badewanne gesetzt, wenn es ihr allzu schlecht zu gehen schien, und es machte immer den Eindruck, dass ihr das half – ob das Wasser, die leichte Abkühlung oder der Spass, das kann ich natürlich nicht sagen.

Schmerzen/Weinen: Die Kleine hat Rhus Tox-Kügelchen und an drei oder vier Tagen nachts eine Paracetamol bekommen, halbiert, damit sie schlafen kann.

Die üblicherweise verschriebene Zink-Salbe haben wir nicht besorgt. Eine befreundete Kinderärztin sagte zu der Salbe: „Ich halte das für Kosmetik, ich glaube nicht, dass das hilft, das ist nur ein gutes Gewissen der Eltern.“ Hm. Keine Ahnung, wir haben es nicht versucht, aber es war bei uns auch einfach nicht so schlimm und das Puder hat wirklich gut geholfen. Sonst hätte ich es sicher auch ausprobiert.

Und ihr? Noch Windpocken-Tipps? Ich erinnere mich, dass es „bei mir“ damals auch Zink-Bäder gab, hat das mal jemand probiert?

Montags-Mantra: Druck erzeugt Gegendruck

Druck erzeugt Gegendruck. Bei uns klingt das so:

„Heb das bitte auf!“
„Nein, ich will nicht!“
„Du hast es heruntergeworfen, heb es bitte wieder auf.“
„Nein! Du!“
„Nein, ich kann gerade nicht und ich sehe es auch nicht ein.“
„DOCH! DU!!!“
„Nein, ich…“

So kann das noch zehn Minuten weitergehen. Bis einer – meist der Kleinere von beiden – weint. Wenn dann einer – meist der Größere von beiden – noch etwas vor hat, übermüdet oder ohnehin gestresst ist, kommt es zu Streit. Am Ende hat keiner gewonnen, es liegen meist noch mehr Dinge auf dem Boden und die Stimmung ist im Eimer.

Ich habe ziemlich lange gebraucht, um es zu kapieren. Druck erzeugt – zumindest bei meinem Kind – Gegendruck.

Heißt das, dass ich alles aufhebe, was er herunterschmeißt? Nein. Er hebt es selbst auf. Und das geht so:

„Heb das bitte auf.“
„Nein, ich will nicht.“
„Du hast es heruntergeworfen, heb es bitte auf. Wir treten sonst drauf oder jemand tut sich dran weh oder es geht kaputt. Das ist doof.“
„Nein! Du!“
„….“
„NEIN! DU!!!! JETZT!!!“
„…“

Ich tue einfach – nichts. Und sage einfach – nichts.

Und dann mache ich etwas anderes. Und etwa drei Minuten später hebt er es auf. Einfach so. Bringt es in den Müll oder wo immer es hingehört. Manchmal ohne Kommentar, manchmal sagt er „Siehst Du, jetzt ist es aufgehoben“ und ich sage artig „Danke, ich freue mich“ und gut ist.

Grmpf. Druck erzeugt Gegendruck. Das Tao sagt, dass Nichtstun die Tat des wahren Kriegers ist – sei wie das Wasser. Und das gilt auch für mein Kind.

Wieso habe ich so lange gebraucht, um das zu kapieren? Und es passiert mir immer noch, dass ich genervt bin und will, dass er JETZT macht, was ich will, dass er es JETZT wegräumt, JETZT aufhebt, sich JETZT die Zähne putzen lässt…. Dabei weiß ich, dass ich niemals aggressiv zu einem aggressiven Kind sein soll. Seufz. Ich bin so Mensch…

Aber er übt geduldig mit mir, jeden Tag. Und zeigt mir jedes Mal, dass ich mich auf ihn verlassen kann, wenn ich den Mut habe, mich auf ihn zu verlassen. Daher versuche ich, mir an schweren Wegkreuzungen zu sagen „Druck erzeugt Gegendruck“ und dann einfachmaldieklappehalten tiiiiief durchatmen und waaaarten.

(Danke an meine Mama für dieses Mantra!)

(Was ist das Mama-Mantra? hier

weitere Mantras: Jeden Tag a bissle, Wasch Dich!, Habe ein Fertigessen, Tue es jetzt!, Dannistdashaltso.de, Routine ehren, Schau nicht auf den Baum!, Reffe! Jetzt!, Prioritäten-Liste, Erst das Wichtige…, Kind, Du bist nicht schuld, , Nichts ist weicher und stärker als Wasser, Diskutiere nicht mit einem müden Kind, Diskutiere nicht mit einem hungrigen Kind.)

Parenting Card: Gib deinem Kind Zeit, Neues zu lernen

time to learn

„Gibt deinem Kind Zeit, neue Dinge zu lernen.“

Hahaha. Eltern sollen weder vorzeitig in Panik ausbrechen noch krankhafte Verzögerungen übersehen. Wie macht man das, liebe Jan?

Unsere Kleine aß nicht. Der Große drehte sich nicht. Manch anderes Kind spricht nicht. Jedenfalls nicht dann, wenn es die Entwicklungstabellen vorschreiben. Für Eltern sind solche Situationen häufig mit Stress verbunden.

In der AP-Szene ist es ziemlich verpönt, sich Sorgen zu machen. „Lasst den Kindern ihre Zeit“, flötet es aus aller Munde. Wir rühmen uns, nicht an leistungsorientierten Gesprächen a la „meine dreht sich aber schon seit drei Tagen!!“ teilzunehmen.

Ich stehe voll hinter dieser Haltung. Und mahne doch zur Vorsicht.

Das Kind von Bekannten aß plötzlich keinen Brei mehr und hörte auf, sich zu drehen. Der Kinderarzt riet, mit mehr „Nachdruck“ zu füttern und motorisch etwas mehr herauszufordern. Die kluge Mutter holte sich eine zweite Meinung. Es kam heraus, dass das Kind an einer seltenen, schweren Krankheit litt.

Ein anderes Kind aß viel zu wenig und wuchs kaum. Damals hatte ich von Kindern keine Ahnung und sah hilflos zu, wie die Eltern in großer Sorge von Arzt zu Arzt liefen und schließlich ohne Ergebnis einfach resignierten mit der Aussage, dass das Kind wohl einfach wenig Appetit hätte. Mit dem, was ich heute weiß, hätte ich zumindest erzählen können, dass auch eine Bindungsstörung zu Essverweigerung führen kann.

Eine Blog-Leserin schrieb mich vor Monaten an, weil ihr 15 Monate altes Kind immer noch voll stillte. Ich antwortete vorsichtig und riet zu professioneller Hilfe – mit einer Gedeihstörung ist nicht zu spaßen. Es stellt sich heraus, dass das Kind seinen Zungenstreckreflex nicht abgelegt hatte, was offenbar schon durch eine starke Erkältung mit viel Schleim im Rachen ausgelöst werden kann. Der Reflex ließ sich logopädisch behandeln und schwups fing das Kind an zu essen.

Warten kann gefährlich sein. Oder wichtig.
Hier: 11 Monate lang so gut wie kein Interesse an Essen. Doch seit die Vorderzähne durchgebrochen sind, vertilgt sie schier unfaßbare Mengen an fester Nahrung… Der Große dreht sich spät, läuft spät – und ist jetzt im Kindergarten bekannt als extrem sicherer Kletterer, spielt souverän mit seinem Skateboard, ist motorisch kaum zu stoppen. Ein anderes Kind spricht ewig nicht – und haut dann von einem Tag auf den anderen ganze Sätze raus.

Der Grat ist schmal. Balanciert. Hört auf eure Intuition (es ist euer Kind, niemand kennt es so gut wie ihr), haltet Augen und Ohren offen, geratet auf keinen Fall in Panik. Informiert euch. Gebt eure Selbstverantwortung nicht am Anmeldetresen des Kinderarztes ab.

Gebt eurem Kind immer Zeit, neue Dinge zu lernen…

So macht Kochen mit Kindern Spass – heute: Brokkoli-Auflauf

Brokkoli-Auflauf zum Abendessen – schnell und lecker. Setzt die Kids nicht vor den Fernseher, nehmt sie mit in die Küche! Es macht Spass und hat mehrere Vorteile:

a) der Große kocht mit – und ist nicht außer Sichtweite (denn ist er außer Sichtweiter, macht er so kreative Sachen, wie sich mit dem klebrigen Rest des Läusesilikonzeugs zu übergießen – „ich dachte, das wäre Shampoo…?!“)

b) der Große isst mit – sein Schlachtruf ist ja derzeit: „Ich esse kein Gemüse!!!“, aber wenn er selbst gekocht hat, isst er auch Dinge, die er sonst verschmäht.

c) die Kleine schläft hinterher wie ein Bär (also: nach dem Essen), weil es einfach sooo spannend ist

d) Kochen ist wie Ergotherapie – die Kinder lernen unglaublich viel dabei.

Wer schon länger mitliest, kennt ja die „Therapeutischen Pancakes“ für unabgehaltene, schlecht gelaunte Kleinkinder.

Heute also Brokkoli-Auflauf. Man braucht: 250 gr. Nudeln, 1x Sowas-ess-ich-nicht-Brokkoli, Butter, viel Sahne, 1 Ei, 1 Mozzarella, etwas Gemüsebrühe, Überback-Käse (Gouda/Emmentaler), Kerzen, eine Prise Geduld, ca. fünf Wischlappen und ein bis zwei heiß geliebte Kinder.
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Babys: Laufen mit 9 Monaten?

Immer wieder höre und lese ich, dass Babys „in Afrika“ viel früher laufen als in Europa oder den USA. Aber wo genau? Und wie kommt das? Bisher konnte mir niemand etwas dazu sagen. Jetzt habe ich endlich eine Spur.

In meinem neuen Buch „Hunter-Gatherer Childhoods“ gibt es einen Aufsatz von Akira Tadara über Mutter-Kind-Verhalten bei den !Xun (einer Untergruppe der !Kung San).

Sie berichtet dabei von den Ju/’hoan und einer speziellen Gymnastik, die sie mit den Babys machen: Sie halten sie schon wenige Wochen nach der Geburt mehrmals täglich unter den Armen auf dem Schoß und lassen sie dort stehen oder auf und ab springen. Es soll die Babys beruhigen und erfreuen. Tadara schreibt, dass durch dieses „Training“ der Schreit-Reflex nicht verschwindet und die Kinder früher laufen lernen.

Bei uns heißt es immer, der Reflex würde mit ca. 3 Monaten einfach komplett verschwinden. Das stimmt offenbar nicht. Wenn man die Kinder „trainiert“, bleibt der Reflex erhalten. Die Forscher gehen davon aus, dass das Tragen und Trainieren der Kinder zu einer früheren Neuromotorischen Entwicklung führt (sie zitiert hierfür Konnor 1976). Möglicherweise ist das deshalb so wichtig, so mutmaßt Tadara, weil Kinder eines nomadischen Volkes eben getragen werden müssen und daher früher laufen lernen sollen (Seite 290).

Die Ju/’hoan selbst gehen davon aus, dass ein Kind nicht von sich aus Krabbeln, Sitzen und Laufen lernt, sondern dass man dafür etwas tun muss. Sonst bleiben die Knochen „weich“, so sagen sie. Bei uns ist es genau umgekehrt: Man soll die Kinder nicht zu früh hinstellen, weil die weichen Knochen das noch nicht schaffen, habe ich oft gehört. Bei uns heißt es außerdem, man könne die motorische Entwicklung nicht beschleunigen. Kann man offenbar doch. Die Kinder sind nicht einfach so schneller, sondern es liegt am Training, resümiert auch diese Studie aus Kenya.

Das Schlagwort ist offensichtlich „‘African Infant Precocity“ – die „Frühreife afrikanischer Babys“. Wenn man danach sucht, findet man reichlich Artikel und Studien. (Den hier fand ich spannend, weil er mal „von innen“ beschreibt, warum diese Frühreife offenbar mit zwei Jahren stagniert und dann westliche Kinder überholen.) Wer sich ausführlich damit beschäftigen will, ein ausführlicher, spannender Artikel steht hier.

Mein Eindruck insgesamt: Klingt ein bisschen wie die Debatte ums Sauberwerden. Westeuropa sagt: Geht von alleine – und dann dauert das Sauberwerden eben länger. Und Afrika sagt: Muss man früh trainieren – und dann geht’s mit dem Trockensein eben schneller.

Hm. Ist es beim Laufen genau so?

Vorbild: Bauern oder Jäger?

Meine liebste Freundin Andra stellt mir immer die besten Fragen. „Warum nimmst du eigentlich die Jäger und Sammler zum Vorbild und nicht die Bauern, also die agrarische Phase?“

Gute Frage. Verdammt gute Frage.

Das Artgerecht-Projekt orientiert sich in der Frage „Was ist artgerecht für menschliche Babys?“ in der Tat vollkommen an der Zeit vor dem ersten Ackerbau. Das ist – so sagt es die Wissenschaft – die Zeit vor dem Neolithikum, also etwa 10.000 Jahre her. Anders herum: Seit 15-10.000 Jahren betreiben wir Ackerbau und Viehzucht. Vorher waren wir 85-90.000 Jahre lang Jäger und Sammler. (Und davor? Davor waren wir 100.000 Jahre schon Homo Sapiens, aber noch nicht der moderne, so heißt es, ugh, ugh.)

Jäger und Sammler gab es bis in die Neuzeit.

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Es waren einzelne Stämme und Völker, die noch so lebten. Kurz bevor wir die meisten davon mit dem Ackerbau ansteckten, haben die Anthropologen sie ausgiebig beobachtet. Besonders die !Kung San und ihre Untergruppen gehörten dazu. Von ihnen wird berichtet, dass sie sehr entspannte Babys und Kinder haben. Von Meredith habe ich von ihnen erfahren und die Anthropologische Literatur ist voll von Berichten.

Warum orientiere ich mich an ihnen?

1. Es fühlt sich richtig an.
2. Es war die Zeit, bevor die Erde „unterworfen“ wurde, es ist also ein gutes Vorbild, um den Planeten zu retten.
3. Wenn es eine längere, vor-patriarchale Zeit gegeben hat, dann wahrscheinlich vor dem Neolithikum
4. Mit dem Ackerbau wurden viele Verhaltensweisen, an die unsere Babys noch heute angepasst sind, plötzlich unpassend und die Abwärtssspirale begann, die heute mündet in „schläft es schon durch? stillt ihr immer noch?“ etc.

Mit dem Ackerbau wurden wir seßhaft.

Heimat-Museum-Hetlingen-Pflug

Plötzlich mussten die Mütter aufs Feld und die Babys waren im Weg, aber es war auch möglich, sie in „sicheren“ Häusern zu lassen – ohne Mutter. Damit wurde das ständige Herumtragen und Stillen unterbrochen (möglicherweise ein Faktor für die einsetzende Bevölkerungsexplosion jener Zeit). Später in dieser Entwicklung wurde der Körperkontakt immer weiter eingeschränkt, weil es sich mit dem neuen Lebensstil besser und einfacher bewerkstelligen ließ. Möglicherweise gab es auch Interesse daran, die Mutter-Kind-Bindung zu schwächen, aber das sind nur Vermutungen. Die Menschen den Altsteinzeit waren zudem besser ernährt, gesünder und robuster als die der Jungsteinzeit.

Insgesamt hat der Ackerbauch nach meinen Recherchen die Situation der Babys eher verschlechtert. Daher ist die bäuerliche Familie für mich kein Vorbild. Es ist für mich ein romantisches Bild, der Bauernhof, die Tiere, eine große Gemeinschaft, dem ich auch gerne nachhänge. Aber die Verhaltensweisen und die Anforderungen dieser Lebensweise sind schon zu weit von dem entfernt, was ich „artgerecht“ nenne.

Dazu muss ich gleich sagen, dass jedem Wissenschaftler die Haare zu Berge stehen, wenn ich hier von „artgerecht“ schreibe. Beim Menschen gibt es so viele Ausprägungen der Verhaltensweisen, dass man eher von arttypisch spricht, wie ich kürzlich lernte. Macht nix. Ich bleibe bei artgerecht.

Montags-Mantra: "Jeden Tag a bissle"

Manchmal wächst es mir über den Kopf. Zuviele Dinge, zu große Aufgaben, zuviel zu tun. Dann hilft mir eine alte, freundliche kleine Weisheit meines geliebten Großvaters. Als er alt und gebrechlich wurde, fragte ich manchmal am Telefon: „Und? Wie schaffst Du es mit dem Garten?“ Und er antwortete stets ganz ruhig:

„Ach je…jede‘ Dag a bissle, so wird’s a g’schafft.“

Und so versuche ich es zu halten. Schritt für Schritt. Immer ein bisschen. Große Projekte sind auch nur viele kleine Projekte, die am Ende ein Ganzes ergeben.

Beispiel: Adventskalender. Selbst gebastelt. Wann bitte soll ich das schaffen? Das ist eine Aktion von Stunden! Also aufteilen. Am ersten Tag eine Liste machen. Am anderen Tag kaufe ich die erste Hälfte ein. Am nächsten Tag den Rest. Dann packe ich einen Teil an einem Abend ein, einen anderen Teil zwei Tage später etc…

Super Beispiel: Artgerecht-Projekt. Erst war es eine wilde Idee. Dann wurde es eine monströse, riesige, unübersichtliche Mindmap. Viel zu groß. Nicht zu schaffen. Dazu bräuchte ich 20 Angestellte, 1,2 Millionen Euro und Zeit für eine 50-Stunden-Woche. Hm. Was tun? Kleinhäckseln. Kleine Projekte draus machen. Erstmal bei der KfW ein Coaching beantragen. Anschließend ein Konzept machen. Mit den Workshops anfangen. Dann die Camps. Jetzt eine Website. Bisher ist sie ein 5 Seiten langes Creative-Briefing und wir finden eine Menge kleine Teufel in einer Menge Details. Macht nix. Eins nach dem anderen abarbeiten. Weitermachen. Jeden Tag ein bisschen.

So mache ich es auch, wenn ich z.B. etwas lernen will. Nur keinen Stress. Jeden Tag ein bisschen. Jeden Tag ein bisschen Rückengymnastik. Jeden Tag ein bisschen Fremdsprache. Jeden Tag ein bisschen mehr Geduld, ein bisschen mehr Ruhe, ein bisschen weniger Nutella. Und wenn es heute nicht geklappt hat – macht nix. Morgen wieder versuchen.

(Jeden Tag ein bisschen weniger Weihnachtsplätzchen futtern?? Solche Projekte fange ich gar nicht erst an ;))

Euch eine schöne Woche!!


(Was ist das Mama-Mantra? hier

weitere Mantras: Druck erzeigt Gegendruck, Jeden Tag a bissle, Wasch Dich!, Habe ein Fertigessen, Tue es jetzt!, Dannistdashaltso.de, Routine ehren, Schau nicht auf den Baum!, Reffe! Jetzt!, Prioritäten-Liste, Erst das Wichtige…, Kind, Du bist nicht schuld, , Nichts ist weicher und stärker als Wasser, Diskutiere nicht mit einem müden Kind, Diskutiere nicht mit einem hungrigen Kind.)