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Montags-Mantra: Sag‘, ich liebe Dich.

Heute war so ein Tag, an dem mein großes Kind und ich uns ständig in den Haaren hatten. Irgendwie kamen wir auf keinen grünen Zweig und waren genervt. Nicht immer, aber immer wieder.

Irgendwann in einer ruhigen Minute hockte ich mich zu ihm hin und sagte:

„Ich weiß nicht, was heute los ist, aber du machst ständig Sachen, die mich nerven.“
Er sah weg. Er wollte das nicht hören. Verständlich. Ich fuhr fort:

„Und ich glaube, ich mach auch ständig Sachen, die Dich nerven.“ Er sah mich an. Offen. Erstaunt. Er nickte.

„Ich wollte Dir sagen, dass ich das anstrengend finde und dass ich mit Dir gemeinsam eine Lösung finden möchte. Aber auch wenn wir heute keine Lösung finden und es einfach so ein Tag ist… ich hab Dich sehr lieb. Auch an solchen Tagen.“

Ich hatte das nicht mit einem Ziel gesagt, sondern weil es einfach so in mir aussah. Ich nahm ihn in die Arme. Er erwiderte es. Ohne Worte.

Der Effekt war erstaunlich: Wir nervten uns zwar weiterhin noch ein paar Mal, aber jetzt konnten wir drüber lachen, konnten uns bewusst und sofort wieder vertragen.

Die Verbindung war wieder hergestellt, die vorher abgerissen war.
Vielleicht wirkt das auch in anderen Situationen? Sag‘ einfach mal: Ja, es nervt und ja, ich liebe Dich.

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(Photo by Doreen)

Und noch ein TV-Tipp: Precht und Hüther

So, die 35. Kalenderwoche 2012 endet heute mit einem bestimmt spannenden Gespräch zwischen Richard David Precht und Gerald Hüther: Skandal Schule – Macht Lernen dumm? um 23:35 im ZDF zu sehen oder später in der Mediathek zu finden.

Es wird sich alles um unser heutiges Bildungssytem und die aktuelle Hirnforschung drehen, die zeigt, wie Lernen und Bildung besser gelingt.

Skandal Schule

Was brauchen Babys wirklich…

… oder wie verdient man sich an den kleinen Menschen eine goldene Nase?! Eine schreckliche erschreckende Dokumentation vom WDR: Baby, Baby, mach mich reich! (Erstaustrahlung: 27.8.2012 22:00).

In den vergangenen 8 Jahren ist die Zahl der Kinder um 8 Prozent zurückgegangen – das Marktvolumen für Baby und Kinderausstattung jedoch um fast 10 Prozent gewachsen. Die Deutschen bekommen zwar immer weniger Kinder – aber sie geben für die wenigen immer mehr Geld aus. Für Babys ist nichts gut und damit teuer genug. Dieser Trend wird angefeuert von einer Industrie, die immer neue Möglichkeiten kreiert, um am Elternglück finanziell zu profitieren.

 

Abhalten nachts-Tip für Jungsmamas

Machen wir uns nix vor: Wir können unsere Babys nicht nachts aus der Hängematte halten und auf den Lehmboden machen lassen. Ist einfach so. Daher gibt es viele Ideen, wir man trotzdem auch nachts den Kindern die Möglichkeit geben kann, ihre Bedürfnisse mitzuteilen und sich zu erleichtern.

Also was tun? Es gibt hier ein paar Postings zu Nachtlogistik (Halbwindel-Nächte und detailliertes So-Geht’s und geht natürlich nur im sicheren Familienbett). Dennoch bleibt das Problem, dass man nachts den Topf oder was immer treffen muss. Gerade bei Jungs kann das zu einer Herausforderung und nassem Bett führen. N. hat dafür eine ganz grandiose Lösung gefunden, die ich euch nicht vorenthalten will:

„Nachdem ich jetzt noch schnell bei dir im Blog nachgelesen hab und entdeckt hab, dass du fürs Nachtpinkeln bei Jungs das Asia empfiehlst, hier meine „Methode“.

Ich verwend für L. nachts eine Pinkelflasche – nichts extra Gekauftes, nein ein leeres Schlagobersfläschchen vom Hofer (zu deutsch: ein leeres Sahne-Fläschchen vom Aldi)

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Der Grund dafür: Über sämtliche andere Gefäße hat er immer „drübergeschossen“ und mit dieser Flasche klappt es super. Der Rand ist nicht so scharf, dass es ihm weh tut ich kanns geschickt in der Hand halten und ihn dabei auf dem Schoß/im Arm stillen. Glücklicherweise fängt er nicht zu schieben an, wenn er groß muss – irgendwie gibt er mir das immer sehr deutlich zu verstehen, sodass er mir noch nie auf den Schoß gem** hat.

Pinkelflasche wird ins Töpfchen ausgeleert, sodass sie für den nächsten nächtlichen Einsatz bereit ist (das war auch eine Lernerfahrung, mir ists nämlich mal passiert, dass ich ihm das Fläschchen mit kalt gewordenem Lulu beim Versuch ihn abzuhalten drübergeleert hab. Mahlzeit.)

Haltung: L. ist es gewöhnt, dass ich ihn beim Abhalten auf den Oberschenkeln stütze. Also muss ich das auch nachts tun: Er sitzt auf meinem Schoß, in den linken Arm gelehnt, am linken Busen stillend. Mein linker Arm umfasst also seinen Rücken und die Hand hält dann seinen linken Oberschenkel. Mein rechter Arm stützt seinen rechten Oberschenkel und die Hand führt das Fläschchen zum Ort des Geschehen.“

Ein Bild hat sie auch gemacht für uns:

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Großes Kino, Danke N.!!

((„Warum lässt man sie nicht einfach in die Windel machen??!“ fragt sich manche geneigte Mama jetzt vielleicht.

Weil a) die Kinder dann genau das lernen: Nachts mach ich einfach los. Dauert lange, ihnen das wieder abzugewöhnen (bei manchen bis ins fünfte Lebensjahr hinein, es erzählt euch nur keiner!)

Und weil b) viele Kinder besser schlafen, wenn sie sich erleichtern dürfen. Denn sie machen offenbar instinktiv (?) sehr lange erstmal nicht ins Bett, wälzen sich herum, stöhnen, jammern, strampeln, weil die Blase voll ist. Und erst wenn es gar nicht mehr geht, lassen sie laufen und schlafen dann entweder weiter oder sind gerne auch mal wach. Viele Mütter berichten übereinstimmend, dass ihre Kinder zwischen 4 und 5 Uhr morgens unruhig werden. Werden die Kinder abgehalten, schlafen sie bis 7 oder 8 weiter. Werden sie nicht abgehalten, sind sie um 6 Uhr wach – und die Windel ist voll.))

TV-Tipp: die San, das älteste Volk der Menschheit

In meinen Workshops erzähle ich immer wieder von den !Kund San, bzw. Untergruppen von ihnen und wie sie ihre Kidner großziehen. Heute bringt der WDR eine Sendung zu ihnen:

Der Buschmann in uns

Auf Spurensuche beim ältesten Volk der Welt

Quarks & Co begibt sich auf Spurensuche zu einer der letzten Jäger- und Sammler-Kulturen der Welt: zu den San in Namibia. Diese „Buschleute“ – wie sie sich selbst nennen – sind für Wissenschaftler etwas ganz Besonderes: Sowohl ihre uralte Klicksprache als auch ihre Gene deuten darauf hin, dass diese Menschen dem ältesten Volk der Welt angehören. Der Besuch bei diesen Menschen verrät uns viel über unsere eigenen Ursprünge.

zu sehen Dienstag, 30. August 2011, 21.00 – 21.45 Uhr WDR Fernsehen. Oder in der Mediathek.

WDR berichtet auch, wie die San heute zurückgedrängt leben und keine Jagdgründe mehr haben, sowie über unsere Probleme als Stadtmenschen mit Steinzeithirnen.

(Danke, Jana!)

Frühförderung – Sinn oder Unsinn?!

Auf ZDF info gab’s heute eine sehr interessante Dokumentation: Kinder auf der Überholspur – Bildung um jeden Preis?

Mit kurzen Interviews mit Jesper Juul, Gerald Hüther und Bernhard Bueb.

 

EDIT: Ein Kommentar zur Dokumentation von Mathias Voelchertfamilylab.de:

Kommentar zum ZDF-Film Kinder auf der Überholspur – ZDF.de

Was die Mutter/Familie im Film »Kinder auf der Überholspur« macht, ist keine Blaupause, die auf viele übertragen werden soll/kann. Es ist das, was diese Mutter/Familie mit ihren Kindern, zu diesem Zeitpunkt, versucht. Es ist nicht DAS Richtige oder DAS Falsche – nicht (oder nur teilweise) übertragbar auf andere! So macht es diese Familie und sicher wird es in 6 Monaten anders aussehen. Genau so sind Familien/Beziehungen = ständig im Wandel. Was andere tun, ist immer nur bedingt auf unsere eigene Familie/Beziehung übertragbar. Es fordert jeden von uns heraus, persönliche Entscheidungen zu treffen, und diese nach dem Ausprobieren wieder zu korrigieren (oder beizubehalten).
Das ist viel komplizierter als früher. Damals waren sich fast alle einig was im Miteinander richtig und was falsch ist. Nachweislich war vieles von einer Gehorsamskultur geprägt, die keinen Widerspruch duldet, das verschaffte dem Einzelnen Sicherheit, weil er/sie es so macht wie alle anderen. Heute versuchen wir ein neues, gleichwürdigeres Miteinander, natürlich führt das zu Unsicherheiten, weil es viele unterschiedliche Meinungen gibt. Es braucht konstruktive Unsicherheit und Mut, wenn man einen neuen Weg im Miteinander beschreitet, auch um für sich selbst zu reflektieren ob das, was grade passiert, zu unserem Wohl ist.

Artgerecht Camp 2012 August Nachlese – Jippiiii-Tipi! Eine unglaubliche Geschichte

Wartet mal…pssst…. Wenn ich die Augen schließe, kann ich es noch hören… die Stimmen am Lagerfeuer, die ein Gute-Nacht-Lied singen…. Bastians Puma-Geschichte in der Dunkelheit…das Rauschen der Blätter… am Morgen das Jubeln der Kinder im sonnigen Wald… schau, das sind die frisch gebrannten Schüsseln… hier ist noch Stockbrot von gestern… wie der Beifuß duftet…

Bevor die Asche ganz kalt wird, hier die unglaubliche Geschichte vom zweiten Camp.

Tipi II

Ganz ehrlich: Ich hatte schrecklichen Respekt vor dem Tipi-Camp. Oh weh, oh weh, hoffentlich geht das gut, dachte ich, je zwei Familien in einem Tipi, nachts aufwachende Babys und wenn es dann noch regnet….

Aber wer wagt, der nicht gewinnt. Und wir haben gewonnen – alle.

Die Tipis haben uns ein wunderbares Geschenk gemacht. Sie erschaffen nämlich mit dem Feuerplatz in der Mitte schon von sich aus eine sanfte, runde Clan-Atmosphäre. Man kommt morgens hinaus und es sitzen schon die ersten rund um den Feuerplatz. Irgendjemand ist schon dabei, das Morgenfeuer zu entzünden, denn im Schatten ist es noch recht kühl. Wenn das Feuer brennt, wird Tee gekocht, dann geht’s ab zum Morgenyoga. Alles….passiert einfach…. alle sind da. Clanleben!

Tipi-Dorf

Erstmal grundlegend: Wir hatten eine Woche lang Sonne und am Regentag haben wir uns gemeinsam in die Jurte gekuschelt und Stockbrot gemacht und Geschichten erzählt, was großartig war. Vormittags konnten wieder die Kinder mit Bastian den Wald erobern und die Eltern wahlweise entspannen, Workshops mit mir machen (Stillen, Tragen, Windelfrei, Schlafen, Artgerecht Leben) oder eigenen Projekten nachgehen.

Vater und SohnKind im WaldEs zeigte sich schon nach zwei Tagen, wie das Clanleben wieder einen eigenen Fluss bekommt : Die Kinder suchten sich ihre Bezugspersonen, wenn Mama oder Papa gerade nicht da waren, selbst. Fast den ganzen Tag brannte ein Feuer, an dem von morgens bis abends immer wieder irgendjemand mit dem Herstellen einer Holzschüssel beschäftigt war (Glutbrennen). Eines morgens war die Glut erkaltet und die Streichhölzer nass, was nun? Da griff die Crew beherzt zum Drillbogen, wie sie es bei Bastian gesehen hatten, und versuchte damit Feuer zu machen – freies Lernen im Clan in Aktion (angemacht haben wir es dann schlussendlich mit einem Feuerzeug und Birkenrinde ;)).

DrillbogenfeuerDrillbogenFeuermacher Morgenfeuer

Schnell fiel die Hektik der Anreise (ganze Familien hatten sich aus Österreich oder Schweden auf den Weg zu uns gemacht) von allen ab und bald saßen wir zusammen am Feuer, es wurde gespielt und gesungen, geredet und diskutiert, die Kinder fingen Frösche, fanden ihren „Geheimplatz“ im Wald, rannten umher, tobten auf der Trolleburg und bei Gott, ja, wir aßen und aßen und aßen! Eltern tauschten Wissen und Bücher, Kinder und Nüsse aus :).

BuchgesprächeGesprächFür manche geschah sogar Unerwartetes: Wir machten eine Frauenrunde am dritten Tag, die Kinder waren bei den Papas oder unserem Team und selbst die ganz kleinen Kinder machten das super mit. Für manche Mama waren das ihre ersten 1,5 Stunden im Kreis anderer Frauen während sie ihr Kind in guten Händen wußte. Und als die ersten dann doch nach Mama riefen, wurden sie uns sofort gebracht.

Frauenkreis

Insgesamt – sehr entspanntes Sein.

LachenZuhörenLächeln

Die Väter waren für mich sehr präsent, nicht nur in den Workshops.

PapaPapaPapa Und immer wurde irgendwo gehackt, gebrannt, gezündelt, gesägt. Wenn Holz knapp war, zogen einige Clanmitglieder los und eins-zwei-fix lagen mehrere Bäume im Camp. Sofort kamen wir zusammen, allen voran die Kids, wir sägten, brachen Äste, sortierten Stapel und im Handumdrehen hatten alle gemeinsam wieder für Holz gesorgt.

Baum holenbHolz machen
SägenHolzstapelKlar machten wir auch wieder Glutbrennen, Stockbrot und manche wurden kreativ und verschönerten täglich den Feuerplatz. Gleichzeitig war viel Zeit für Ruhe, Rückzug, Schlaaaaf und Lesen oder Vorlesen.

Stockbrot CIMG0266 Glutbrennen TipiLesenVorlesen TipiPapa und Kind vor Tipi

Nach nur zwei-drei Nächten berichteten die Eltern, dass die Kinder einander in den Tipis nachts nicht mehr weckten. Etwa zeitgleich war unser Clan so eingespielt, dass wie von Zauberhand der Tagesablauf funktionierte – die einen schürten das Feuer, die anderen riefen mit dem Kuckucksruf alle zusammen, immer alles im Fluß, keine Hektik und doch bekamen auch Workshops und Themenrunden ihren Platz. Und dann bekamen wir auch noch unverhofften Zuwachs und noch mehr Gitarrenmusik.

GitarreBeim Artgerecht-Leben Workshop kamen wir wieder auf den Punkt: So fühlt sich das Leben schon sehr artgerecht an, in unserem Tipi-Dorf. Es gibt vieles, das sich mitnehmen lässt. Gleichzeitig ist gibt es bei vielen aber auch das Gefühl, in Jobs und Zwänge eingebunden zu sein, die eigentlich keinen Raum lassen dafür, überhaupt darüber nachzudenken, was artgerecht für jeden einzelnen sein könnte. Viele sehen sich nach mehr Vernetzung, mehr Gleichgesinnten. Wir arbeiten daran, dabei zu helfen! Auch diesmal sagten alle, es sei viel zu kurz, manch einer wollte gar nicht nach Hause fahren, vor allem die Kinder vergossen manche Träne… Wir werden nächstes Jahr längere Camps machen, mehr Papa-Themen, mehr „Fortgeschrittenen“-Themen und ja, wir denken auch darüber nach, was uns zum Artgerechten Leben sonst noch einfällt…lasst euch überraschen!

Für mich bleibt zu sagen: Nie wieder habe ich Angst vorm Tipi-Dorf. Ein Tipi-Dorf ist großartig!!

Was für ein Geschenk! Danke, dass ihr da wart, danke, dass ihr euch von so weit auf den Weg zu uns gemacht habt und diese Woche so unvergesslich gemacht habt. Danke an Drei Eichen für die liebe Aufnahme. Danke an unser unermüdliches Helferteam, Paul und Maja, ihr zwei Sonnenmenschen. Und einen dicken, dicken Dank an diesen Planeten, der so wunderschöne Plätze und Sonne und Regen und Pflanzen und Tiere für uns bereithält!!

(Bericht vom Juli-Camp hier, hier Infos zu den Camps, Anmeldung für 2013 mailanmich).

Wildnis vor der Haustür

Ein interessanter Beitrag kam gestern abend auf rrb bei OZON unterwegs – Zurück zur Wildnis? Spurensuche in der Mark: Gut für die Seele.

Gezeigt wird Jürgen Krühl bei einem Wildniscamp mit Kindern.

In einer selbstgebauten Laubhütte schlafen, den Frühstückstee sammeln und auf offenem Feuer kochen – für die Stadtkinder im Wildniscamp sind das ganz neue Erfahrungen.
Der Tag beginnt mit Rabenruf und Räucherritual. Runterkommen vom reizüberfluteten Alltag und seine Fähigkeiten besser kennenlernen, ein bisschen auch an die menschlichen Wurzeln kommen, das ist ein Ziel der Wildnispädagogik. …

Zu sehen ist es hier: Ab Minute 1:20 bis 5:20.

Lies auch hier: Natur-Defizit-Syndrom und Wildpark Schorfheide