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Nächster Windelfrei-Kurs in Bonn

Der kommende Windelfrei-Kurs in Bonn wird mit medialer Präsenz stattfinden. Kommt zahlreich! Sagt es weiter, damit gesehen wird, dass Windelfrei ein Thema ist, welches auf großes Interesse stößt.

Am 26.7. 2013 von 9.30-12.30 Uhr im Bonner Hebammenladen, Colmantstr. 5, 53115 Bonn.

Anmeldungen und weitere Informationen über das Formular hier oder 0228 – 28 61 53 31

BABYS DÜRFEN MIT!

In den Kursen zeigen wir euch, wie ihr mit Windelfrei anfangt, was es zu beachten gibt, wie ihr euer Kind dabei haltet und was wichtig und weniger wichtig ist. In 2-3 Stunden gibt es einen Rundum-Einblick, so dass ihr sofort loslegen könnt.

Kursleitung: Nicola Schmidt (Gründerin von Babys ohne Windeln)

und Freya Donner

Der Kurs kostet 20€ pro Person, Paare zahlen 35€.

Die Presse wird auf jeden Fall darauf hingewiesen, dass Schwangere und junge Mütter mit kleinen Babys sensibel behandelt werden müssen.

Schreibaby?! Was tun?

Am vergangenen Mittwochabend sendete Stern TV einen Beitrag zum Thema „Schreibaby“:

Schreibabys – Wie Eltern geholfen werden kann

Wer sich eigentlich für einen bedürfnis- und bindungsorientierten Umgang mit Kindern einsetzt, dem krempeln sich beim Schauen dieses Beitrages die Fußnägel um. Alle – mit denen ich kommuniziert habe – sind von dem „Therapieansatz“ der Schreiambulanz Gelsenkirchen entsetzt und sprachlos.

Ich möchte an dieser Stelle sehr gerne Herbert Renz-Polster, ein bekannter Kinderarzt und Buchautor, zitieren:

Ich weiss keinen Rat, Sie glauben nicht, wie viel ich zu dem Video gefragt wurde. Es ist grausam – kein Wort über Beziehungen, kein Wort über die dyadische oder triadische Regulation, kein Wort über mögliche Belastungen bei den Eltern, kein Hinweis, dass einem solchen Baby das Tragen gut getan hätte, kein Wort über die Nebenwirkungen des Schreienlassens, keine Frage, ob bei der Mutter vielleicht eine Wochenbett-Depression vorlag, keine Information darüber, warum es wohl mit dem Stillen nicht geklappt hat… –  dafür ein Baby mit einem offensichtlich plattgelegnen Hinterkopf, Eltern, die ihr Baby wacker im Wagen schieben und die sich hilflos und kleinlaut auf diese grausame Rechtfertigung „Ich weiss ja, dass ihm nichts fehlt.“ festnageln lassen. Und zwar von einer Sozialarbeiterin, die vielleicht im Omo-Paket eine Lizenz zur Therapie gefunden hat?  Und die statt von Beziehungen von Schreien als erlerntem Verhalten redet, das es wegzukonditionieren gilt. Erlernt – weil das so viel Spass macht zu brüllen??? Da stehen echt Geister wieder auf, die die Psychologie der letzten 40 Jahre eigentlich überwunden hat. Aber immerhin hat unsere Therapeutin in ihrer Wundertüte jetzt noch weitere geniale Tipps wie: beim Füttern nicht den Fernseher laufen zu lassen! Was wohl der kleine Mensch später einmal dazu sagen wird, wenn er sich das anschauen muss.

Ich glaube, so fühlten sich beim Anblick dieses Würmchens die meisten von uns.

Anzumerken ist, dass der Filmbeitrag von Stern TV aus der Konserve kommt: Monatelange Qual – Familie mit „Schreikind“ fand Hilfe in Gelsenkirchen. Der kleine Darian müsste heute schon in etwa 3 Jahre alt sein.
Mit dem Wissen der Vorgeschichte der Familie ist es fragwürdig zu sagen, dass dieses Baby nichts hatte. Ein traumatische Geburt – hier ein Notkaiserschnitt – ist oftmals ein Auslöser für eine „Schreikarriere“.

Renz-Polster sagt, dass es wichtig für hilfesuchende Eltern ist, genau nach den Konzepten der Schreibabyambulanzen zu schauen, bevor sie sich dort beraten lassen, da die Ansätze sich je nach Kinder- und Beziehungsbild der Experten vor Ort stark variieren.

Hier einmal eine einfache Gegenüberstellung in kleinen Auszügen von zwei Ambulanzen:

SchreiBabyAmbulanz der Berliner Nachbarschaftsheime Schreiambulanz der Kinder und Jugendklinik Gelsenkirchen

Sanfte, körperorientierte Methoden für Eltern und ihre Kinder, die helfen die psychischen und körperlichen Spannungszustände zu begreifen, eigene Kräfte und Ressourcen zu entdecken um so Konfliktsituationen zu lösen

Körperpsychotherapie, Berührungen, Massagen, Unterstützung und Halt, nicht Therapie, Ressourcenorientierung, soziale Ressourcen aufzeigen

Tages- und Nachtprotokoll ist die Basis der Analyse

Therapie der „gestörten Eltern-Kind-Kommunikation“

Schaffung von festen Strukturen und klaren Regeln sowie Regelmäßigkeiten, wann Schreikinder schlafen sollten

Also Hand aufs Herz und Bauchgefühl bei der Entscheidung anschalten, wo man sich besser mit seiner Familie aufgehoben fühlt.

Was kann das Umfeld einer Schreibaby-Familie tun? Eltern keine Vorwürfe machen und nicht im Umgang mit ihren Baby bevormunden, sondern Verständnis für die schwierige Zeit zeigen und konkrete Unterstützung anbieten.

Auf den Ansturm der Empörung, den Stern TV ereilt hat, hat die Redaktion mit einer mauen Stellungsnahme reagiert: Schreibabys helfen Ruhe und Struktur. Darin findet sich keine Spur von Einsicht, dass ein an die Bedürfnisse des Kindes angepasstes Vorgehen so wichtig ist. Stattdessen wird hier abermals von „missverstandenen Signalen“ zwischen den Babys und ihren Eltern gesprochen.

Mein persönliches Fazit zu diesem aufwühlenden Stern TV-Beitrag im scheinbar sonst medialen Sommerloch: Uns stehen heute so geniale Köpfe und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verfügung, doch Stern TV berichtete einseitig, recherchierte schlecht und befragte eine Sozialarbeiterin. Hier hätte ich mir eine ausgiebige Recherche und eine interdiszipline Expertenrunde mit zum Beispiel Prof. Mechthild Papousek (Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, Entwicklungspsychologin, Eltern-Säuglings-Therapeutin), Prof. Gerald Hüther und Prof. Ralph Dawirs (Hirnforscher), Dr. Herbert Renz-Polster sowie Anja Gaca (Hebamme und ausgebildete Schreibabytherapeutin) gewünscht.

Wir alle hoffen, dass die Stern TV-Redaktion sich bemühen wird, sich in dieses doch viel weitreichendere Themenkomplex einzuarbeiten und eine fundierte Gegendarstellung in nicht allzu ferner Zeit zu senden.

Hier sind noch einige interessante Artikel anderer Blogs rund um das Thema Schreien lassen:

Gebärmutterheimweh – Von guten Eltern
Was hilft gegen Schlaflernprogramme – Nora Imlau

Wenn Babys schreien gelassen werden – was passiert in Babys Körper? – Geborgen wachsen
Schlaflernprogramme: Ein Blick hinter die Schreikulisse – Nestling

Lies auch hier: Schreibaby?! – ein Blogeintrag aus dem vergangenen Jahr.

Es gibt kein Geheimrezept!

Die Windelfrei-Erfahrungsberichte-Serie

Sylvie geht entspannt an Windelfrei heran. Und hier kommt ihr Bericht:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Ich kann mich nicht mehr so genau daran erinnern, aber ich glaube, ich habe von einer Freundin davon erfahren, die mit ihrem Sohn Windelfrei gemacht hat. So genau weiß ich es aber nicht mehr. Es gehörte irgendwie zu dem Gesamtpaket Attachment Parenting – Stillen, Tragen usw… Und da ich mich damit bereits lange vor der Geburt meines 1. Kindes beschäftigte, war von Anfang an klar, dass wir das machen werden.

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
Bei meinem Sohn (jetzt 3,5) habe ich so richtig mit ca. 3 Wochen angefangen, vorher war ich noch zu wacklig auf den Beinen und ich brauchte ein bisschen organisatorische Vorlaufzeit. Bei meiner Tochter (jetzt 3 Monate) haben wir direkt am 1. Tag begonnen. Als ich die erste Ladung Mekonium vom Popo wischen musste, hatte ich bereits so die Nase voll, dass ich die Windel abmachte. 

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Keine Ahnung. Wir waren ja nicht so richtig nicht-windelfrei.

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
Das ist extrem unterschiedlich. Da ich nicht ohne Windel aus dem Haus gehe, brauchen wir eben mehr, wenn wir viel unterwegs sind. Zu Hause dann dementsprechend weniger. Es gab Zeiten bei meinem Sohn, da brauchten wir nur 1 Nachtwindel pro Tag, an anderen Tagen bis zu 10. Also auch hier, keine Durchschnittswerte.

Nutzt Du auch andere Backups?
Ich nutze nachts und unterwegs immer WWW. Die sind einfach am komfortabelsten. Zu Hause benutze ich Mullwindeln mit Wollüberhose oder Splitpants ohne Einlage. Der Vorteil an den Mullwindeln ist, dass ich sie nach jedem Pipi wechseln kann. Ich mag vollgepieselte WWW nicht anbehalten, aber sie nach einem Pipi wegzuschmeißen macht mein ökologisches Gewissen auch nicht mit.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Nein, weder beim Sohn noch bei der Tochter.

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
nach dem Aufwachen – ja und klappt immer, man muss aber relativ schnell sein
beim Stillen – ja, wenn sie unruhig trinkt
nach dem Stillen – ja, klappt auch meistens so nach 5 min
nach dem Spielen – da gibt’s kein richtiges davor und danach
Andere – beim Rausnehmen aus der Trage

Wann klappt es am besten?
Zu Hause, wenn sie nackt ist und ich viel Zeit habe, außerdem beim Rausnehmen aus der Trage.

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Ein paar Minütchen.

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Asia Topf und Donut Topf.

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein: eher mehr Arbeit – eher weniger Arbeit – genauso viel Arbeit wie beim Wickeln?
Es ist genauso viel Arbeit in meinen Augen, aber eine andere. Eher eine Aufmerksamkeitsfrage, aber dafür muss ich nicht so oft dreckige Popos abwischen. Das Waschen der vollgepullerten Unterlagen, Handtücher und Sachen nervt aber schon manchmal.

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Wie gesagt, da es schon immer so war, kann ich nicht vergleichen. 

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
1) Einfach anfangen, dann ergibt sich alles von selbst.
2) Es gibt kein Geheimrezept. Jeder probiert herum, und findet den für sich besten Weg.
3) Windelfrei ist kein Dogma sondern ein Kontinuum, auf dem man wandern kann zwischen null Windeln und nur Windeln. Darauf bewege ich mich sehr frei, je nachdem, wie ich Lust habe. So fühle ich mich nie davon gestresst.

Ein dickes Dankeschön auch an Dich!

Vortrag "Menschenkinder" in Bonn – MORGEN!!!

KÄNGARU – Stadtmagazin für Familien Köln Bonn:


08.07.2013 , 20.00 bis 21.30 Uhr

Familienbildungsstätte Bonn: MenschenKinder

Kinder drücken ihr unmittelbares Empfinden, ihre Stärken und Fähigkeiten in Körpersprache und Mimik aus.

Dr. Renz-Polster, Kinderarzt aus Heidelberg, hebt in seinem Vortrag auf die wechselvolle Haltung von Erziehung auf das Kind ab und zeigt uns – in Zusammenhang mit der Ausstellung „Könige“ – welche Wirkung
Erziehungsverhalten haben kann.
Sein Plädoyer lautet: „artgerechte Erziehung“.

Anmeldung erforderlich.

Kosten € 10,-

Familienbildungsstätte Bonn

Lennéstr. 5
53113 Bonn

Fon: 0228 – 944 90-0
http://www.fbs-bonn.de

 

Berliner Windelfrei-Treffen im Juli

Am Dienstag, dem 9. Juli 2013, findet wieder von 10:00 bis 12:00 Uhr das monatliche Windelfrei-Treffen statt.

Wir treffen uns in den schönen Räumlichkeiten von Baba Kindersport, im Neubau am S- und U-Bahnhof Pankow. Eingang direkt rechts neben der BerlinApotheke. Im 3. OG (Fahrstuhl vorhanden). Garbatyplatz 1, 13187 Berlin.

Was? Austausch über Erfahrungen und Fragen rund um Windelfrei/Babys ohne Windeln begleitet von erfahrenen Windelfrei-Coaches.

Kosten: 5 EUR / Erwachsener.

Was noch? Wasser und Tee für den kleinen Durst vorhanden.

Wir freuen uns auf Euch!

Es ist kein Wettbewerb!

Die Windelfrei-Erfahrungsberichte-Serie

Anne hat sowohl Windelfrei-Erfahrungen als Spätstarter als auch ab Geburt:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Über meine Freundin Franzi, die jetzt auch Windelfrei-Coach ist.

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
Mein Sohn war 7 Monate und bei meiner Tochter haben wir am ersten Tag angefangen.

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Das kann ich nicht mehr sagen. Viele auf jeden Fall, da ich auch nach dem kleinesten Pipi die Windel nicht wieder anziehen wollte.

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
Mein Sohn war nach 20 Monaten tagsüber zuverlässig ohne Windeln und ist mit zwei Jahren und acht Monaten jetzt auch nachts ganz frei. Für meine Tochter, nun 8 Monate alt, brauche ich, jetzt wo es Sommer wird, weniger Windeln, weil wir viel mit normalen Frotteeunterhosen von dm gehen oder anderen Backups. Eine in der Nacht und vielleicht zwei am Tag.

Nutzt Du auch andere Backups?
Windelüberhosen mit einer selbstgemachten Einlage aus Spucktuch. Mullwindel in vier Quadrate geschnitten, zweimal längs falten, hält ein kleines Pipi gut aus.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Noch nie.

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
nach dem Aufwachen – ja
beim Stillen – anfangs bei der Tochter
nach dem Stillen – nur wenn vorher die Windel trocken war
nach dem Spielen – nein
Andere: nach dem Tragen

Wann klappt es am besten?
Nach dem Schlafen und nach dem Tragen.

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Bis ich die Hose und die Windel ausgezogen hab. Manchmal auch nicht. 

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Ein Asia Töpfchen.

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein: eher mehr Arbeit – eher weniger Arbeit – genauso viel Arbeit wie beim Wickeln?
Ich würde sagen am Anfang eher mehr Aufwand, weil sie doch recht häufig müssen und die Kommunikation noch nicht immer so deutlich funktioniert. Später aber weniger, weil kurz auf die Toilette oder den Topf gehen doch schneller geht, als volle Windeln zu wechseln. Grundsätzlich finde ich aber den Begriff Arbeit oder Aufwand nicht passend, aber das ist eine andere Frage.

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Nein, für mich persönlich nicht, aber vielleicht für Verwandte und Freunde?!

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Es ist kein Wettbewerb! Die Gedanken an ein bestimmtes Ziel (Geld sparen, Umwelt schonen, weltbeste Mutter sein) beiseiteschieben. Das sind tolle Nebeneffekte, aber sie können unnötig unter Druck setzen.

Ein herzliches Dankeschön!

Morgen wieder Berliner Artgerecht-Treffen!

Wo? im extraVeganz – Schivelbeiner Strasse 34, 10439 Berlin

Wann? 10 bis 13 Uhr

Was? Die offenen Artgerecht-Treffen sind eine tolle Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen und kennenzulernen. Hier kommen in einer regelmäßigen Runde Eltern zusammen, die an den Artgerecht-Themen interessiert sind. Es geht um alle Fragen rund um Tragen, Stillen, Windelfrei, Familienbett, artgerechte Betreuung und vieles mehr. Außerdem entstehen hier auch immer wieder weitere Projekte rund ums Artgerecht-Projekt, z.B. gemeinsame Ausflüge, Camps und Tagesbetreuung.

Kosten pro Erwachsener: 3,00 € inklusive Suppe

Ich freu mich auf Euch!

Selber den ganzen Tag eine Plastikwindel tragen?!

Die Windelfrei-Erfahrungsberichte-Serie

Teresa wurde von ihrem Mann angestoßen, Windelfrei endlich zu versuchen. Wie es dazu kam, lest Ihr heute:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Meine beste Freundin packte in eines ihrer zahlreichen Schwangerschafts-Care-Pakete das Buch von Ingrid Bauer. Da ich zunächst felsenfest davon überzeugt war, dass das sicherlich nichts für mich ist, hab ich es in den Schrank gestellt und nicht mehr angeschaut. Ich hab mich monatelang damit rumgequält, ob ich nun Stoff oder Plastik nehmen will. Ich hab die Entscheidung vertagt bis nach der Geburt und fand dann, dass Stoff zu nass und Plastik zu vermüllt ist. Dann hab ich zu lesen angefangen. Ich fand es völlig abgefahren und ich war lange nicht überzeugt. In meinem Kopf waren Sätze wie „Aber er liebt es, nackt auf der Wickelablage zu strampeln, das kann ich ihm doch nicht nehmen.“ (klingt Banane, war aber so.) und „Es ist Winter und ich kann ihn unmöglich die ganze Zeit nackt beobachten, bis ich seinen Rhythmus rausfinde.“ (muss man ja gar nicht). Irgendwann meinte mein Mann dann (nachdem ich ihm sämtliche absurden Überlegungen ausgebreitet habe) „Probiers doch einfach aus. Zieh ihm ne Stoffwindel an und leg los!“ Das tat ich dann und seitdem bin ich offiziell süchtig.

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
5 Wochen

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Das hab ich vergessen… viele. Ungefähr eine Packung pro Woche.

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
0 – 3 Windeln pro Tag, 0 wenn ich nachts fit genug bin zum Abhalten, 3 wenn wir wirklich den ganzen Tag unterwegs sind und er nachts eine Windel trägt; 6 Monate ist er alt.

Nutzt Du auch andere Backups?
Ja, Mullwindeln oder Moltoneinlagen.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Nö.

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
nach dem Aufwachen – Immer.
beim Stillen – Nie.
nach dem Stillen – Immer.
nach dem Spielen – Manchmal.
Andere: Wenn er aus dem Tragetuch rauskommt (klappt fast immer). Bevor wir das Haus verlassen und er eine WWW anbekommt (klappt erstaunlicherweise auch fast immer, ich erklär ihm, was los ist und er piescht…)

Wann klappt es am besten?
Nach dem Aufwachen.

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Puh, nicht lange. Nach dem Aufwachen 1 – 4 Minuten, je nachdem wann ich es mitbekommen. Momentan ist der Gute so sehr mit Krabbeln und Welt entdecken beschäftigt, dass das mit den Zeichen derzeit schöne Theorie bleibt. Oft ist das Zeichen „Oh, es wird warm und nass“ – also eher so – 1 Minute… Wird wieder.

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Die Toilette.

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein: eher mehr Arbeit – eher weniger Arbeit – genauso viel Arbeit wie beim Wickeln?
Mal so mal so. An guten Tagen definitiv weniger Arbeit, an schlechten eher mehr. Das macht aber nichts, denn wenn man sich gelegentlich vorstellt, ein zappelndes, sich drehendes Kind aus einer vollgekackten Windel befreien zu müssen, kann man sich immer ganz entspannt zurücklehnen und sich denken: „Wie schön, das bleibt uns erspart.“ Um das hinzubekommen, ohne alles vollzusauen, muss man auch Spezialfähigkeiten erwerben, was Zeit kostet und wenig Spaß macht. Und nachdem das große Geschäft so gut wie nie mehr Thema ist, nehm ich den zeitweisen Mehraufwand beim Mullwindelbackupwechsel sehr gern in Kauf. Die Arbeit ist einfach anders und langfristig mit Sicherheit weniger. Und schöner. Und lehrreicher.

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Ich bin mit Sicherheit bewusster geworden, was die Bedürfnisse von Kindern angeht. Und respektvoller. Und mir ist klar geworden, dass man wirklich für ALLES die Verantwortung hat, sowohl für das, was oben reinkommt, als auch für das, was unten rauskommt. Mit beidem respektvoll umzugehen, nicht nur mit dem „schönen“ Füttern sondern auch mit den „schmutzigen“ Ausscheidungen trägt auf jeden Fall dazu bei, das Kind als Ganzes wahrzunehmen, kennen zu lernen, sein zu lassen. Mir ist klar geworden, wie sehr Kinder in unserer Gesellschaft (selbst von scheinbar liebenden Müttern) als Belastung wahrgenommen werden. Wenn man sie als überwiegend als kleine Hosenscheißer betrachtet, verwundert das auch nicht. Jedes minikleine Baby ist ein kompetenter, vollwertiger Mensch mit Bedürfnissen, die genauso wichtig und wertvoll sind wie die von Erwachsenen. Und solange diese Bedürfnisse noch nicht selbst erfüllt werden können, machen wir Eltern das eben. Ganz einfach.

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Wenn es gerade mal kriselt, stelle ich mir einfach möglichst plastisch vor, wie es wäre, selber den ganzen Tag in einer Plastikwindel zu sein. Schneller kann man mich gar nicht motivieren… Ansonsten – ein entspanntes Verhältnis zu Körperflüssigkeiten hilft definitiv. Immer locker bleiben, Atmen nicht vergessen. Und sich von jemandem, der schon ein älteres Windelfrei-Kind hat sagen lassen, dass er/sie diese Phase auch schon mal durchgemacht hat. Und darauf vertrauen, dass jede Phase eben nur eine Phase ist. After the sun comes rain, after the rain comes sun.

Vielen lieben Dank!

By the way: Einen lesenswerten Windel-Selbstversuch findet Ihr hier. Der ist einfach super!!!

Dein Kind. Dein Herz.

Nicolas 10 Schritte zu einer erholsameren Nacht:

10. Höre nur auf dein Herz

Wenn ein schreiendes Kind unserem Herz wehtut, dann hat das einen Grund. Die These, dass man Schreien auf keinen Fall nachgeben darf, halte ich persönlich für falsch. Wer schreit, hat Recht. Wer schreit, hat ein Problem, auf das wir Eltern zu reagieren haben. Ziel muss sein, dass das Kind nachts durchschläft OHNE zu schreien. Zudem sind Erfolge mit Schlafprogrammen meist nur von kurzer Dauer. Nach wenigen Wochen bricht alles wieder zusammen und ihr seid wieder so weit wie vorher.

Daher: Hört auf euer Herz. Nicht auf Bücher. Nicht auf mich.

 

 

Die 10 Schritte zur entspannten Nacht als Download zum Ausdrucken gibt es hier.