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Montags-Mantra: Entrümpeln im Kopf!

Aufräumen ist wichtig. Heute zwei einfache, super-effektive Techniken zum Sofort-Aufräumen im Kopf. Denn die wichtigste Hygiene ist die in unserem Innern. Aber wie oft kümmern wir uns darum? Jetzt ist die richtige Zeit!

Was wir Weihnachten nicht alles putzen – die Schuhe für Nikolaus, die Wohnung für den Verwandtenbesuch, die Kinder für den Kirchgang, uns selbst putzen wir „heraus“ für alle möglichen Festlichkeiten. Aber wie sieht es in unserem Kopf aus (dass ihr alle reine Seelen seid, davon gehe ich mal aus ;))? Gerade an Weihnachten eskalieren viele Situationen, weil wir zuviel Kram in unserem Kopf haben: Alten Groll, tiefen Schmerz, Urteile, Gedankenkarusselle, Vor-Urteile, Zukunftsängste etc. Oft entgleitet uns dabei das Jetzt, der Moment, in dem wir sind, und damit das eigentliche Leben.

Jetzt ist der richtige Moment, um mal ein wenig aufzuräumen.
Zwei einfache, super-effektive Techniken, die zum Sofort-Aufräumen geeignet sind:

Möglichkeit 1: Urteile verjagen:
„Onkel Otto erzählt immer diesen unreflektierten Mist.“ „Wenn ich Weihnachten da sitze und den 2-Jährigen stille, was ich mir da wieder anhören kann!“ „Tante Anna sollte einfach mal weniger essen, dann wäre sie auch nicht so dick!“ „Immer diese sinnlosen Gespräche, das NERVT!“ „Es kapiert sowieso keiner, wir wir leben, was soll ich da erzählen?“ „Nie hast Du für mich Zeit!“

Wir alle fällen Urteile. Jeden Tag. Sie sind wichtig. Zuviele Urteile jedoch machen uns krank. Sie erzeugen Stress. Stress im Kopf, den wir selbst produzieren. Jedes Urteil, das wir fällen, zieht weitere nach sich: „Die reden so oberflächlich“ führt zu „Die sind nicht achtsam. Die geben nicht auf sich acht. Die interessieren sich nicht für die Welt. Wir sind unverstanden, wir sollten uns von ihnen fernhalten. Unsere Familie ist doof. Wir sind einsam.“ Peng. Tür zu.

Lasst uns den Speicher im Kopf entrümpeln: Zweifelt eure ersten Urteile an: Könnte es auch anders sein? Wie würde jemand von außen das beurteilen? Jemand von einem anderen Stern? Könnten die komischen Familienmitglieder mit Rücksicht auf UNS so oberflächlich reden? Oder weil sich keiner traut, das Tiefe zu sagen? Hat mein Partner so wenig Zeit, weil er so egoistisch ist? Oder reibt er sich für die Familie auf, weil er will, dass es allen gut geht?

Dreht das Urteil um, wenn es sich um andere handelt: „Ich rede immer so oberflächlich. Ich kapiere nicht, wie die anderen leben.“ Könnte das genauso wahr sein?

Und dann lasst es gehen und versucht, einmal unvoreingenommen auf eure Mitmenschen zuzugehen. Lasst euren Stress los. Lebt im Jetzt.

Möglichkeit 2: „High“ sein.
Räumt euren Kopf leer, indem ihr nichts denkt. Setzt euch hin, ganz in Ruhe – ich weiß, das ist schwer, aber es ist sooooo hilfreich – und tut: nichts. Denkt – nichts. Wenn Gedanken kommen, lasst sie vorbeiziehen, wie Wolken am Himmel. Schaut sie an, aber haltet sie nicht fest und lasst sie euch nicht festhalten. Lasst sie gehen. Bleibt, wo ihr seid. Werdet „high“.

Wenn das schwer fällt, konzentriert euch auf euren Atem – ohne ihn zu verändern – oder auf einen Gedanken, den ihr an diesem Tag leben wollt: „Ich bin frei/ Ich tröste mein Kind, wenn es weint/ Ich mache Fehler und bin mit meinen Fehlern liebenswert/ Ich darf für mich sorgen/ Ich darf…“ was immer es ist. Alles andere muss jetzt 10 Minuten warten. Wenn ihr eine Weile so sitzt, wird sich das Meditationsgefühl einstellen, bei mir ist das ein kribbelndes Gefühl, ein Hochgefühl, als würde ich fliegen, ich bin frei und schwerelos – das trägt mich über den ganzen Tag. Im Jetzt und hier.

Oft gibt es zwei ungeahnte Seiten an den Dingen :).

Herbstblatt

Was macht ihr, wenn ihr im Kopf „aufräumt“?

Mama-Mantra: Füttere den richtigen Wolf

Aus aktuellem Anlass nochmal hochgeholt:

„Ein alte Frau saß mit ihrer Enkelin am Feuer. Gedankenverloren sah sie in die Flammen und sagte:
„Weißt Du, manchmal fühle ich mich, als lebten in meinem Herzen zwei Wölfe. Der eine Wolf ist der Wolf der Dunkelheit, der Ängste, des Misstrauens und der Verzweiflung. Der andere Wolf ist der Wolf des Lichts, der Lust, der Hoffnung, der Lebensfreude und der Liebe. Beide Wölfe kämpfen oft miteinander.“

Die Enkelin sah sie an. „Und?“, fragte sie, „welcher der Wölfe gewinnt, Großmutter?“

„Der, den ich füttere, mein Kind“, sagte die alte Frau.“

Unsere Gedanken erschaffen unsere Realität – mittlerweile gibt es kaum eine Coaching-Seite oder Ratgeber, die uns nicht diesen Satz um die Ohren hauen. Ob diese neunmalklugen Coaches mal versucht haben, nach einem langen Tag mit zwei hungrigen Kindern im Winter durch das Berliner S-Bahn-Chaos nach Hause zu kommen? Aber wie auch immer – der Satz bleibt richtig, so wenig hilfreich das manchmal auch ist.

Es sind viele Dinge im „Außen“, die es anstrengend machen, als Eltern mit Kindern zu leben. Die nicht-artgerechte Haltung, das viele Alleinsein, die wenige Hilfe, die wir oft haben. Der Zeitdruck, zu wenig Ansprechpartner, häufig zu wenig Verständnis für die so unterschiedlichen Lebenswelten zweier Partner oder der Verwandten, eine Gesellschaft, die oft nicht auf die Bedürfnisse von Kindern ausgerichtet ist.

Aber egal wie das außen ist – in uns drin können wir immer wieder eine Entscheidung treffen.

„Füttere den richtigen Wolf.“

Die Geschichte sagt nicht, „lass den falschen Wolf verhungern“. Und damit hilft sie auch wieder, sich auf das Gute zu besinnen. Wenn der dunkle Wolf täglich auch ein paar Brocken kriegt – macht nix. Der arme Kerl ist ja auch nur ein Mensch. Wir sind nur Menschen. Ich jedenfalls bin kein Yogi, der immer nur lächelt und den „richtigen“ Wolf füttert. Ich hadere, fürchte, fluche, streite, misstraue, verzweifle. Das gehört dazu. Aber ich versuche jeden Tag möglichst viel zu lachen, zu lieben, zu scherzen, es neu zu versuchen, immer wieder den hellen Wolf zu füttern.

Und irgendwann ist der so vollgefressen und rund, dass der andere vielleicht gar nicht mehr angreifen muss, sondern sich an seinen dicken Wanst kuschelt und die Klappe hält…

Montags-Mantra: Füttere den richtigen Wolf

Aus aktuellem Anlass nochmal hochgeholt:

„Ein alte Frau saß mit ihrer Enkelin am Feuer. Gedankenverloren sah sie in die Flammen und sagte:
„Weißt Du, manchmal fühle ich mich, als lebten in meinem Herzen zwei Wölfe. Der eine Wolf ist der Wolf der Dunkelheit, der Ängste, des Misstrauens und der Verzweiflung. Der andere Wolf ist der Wolf des Lichts, der Lust, der Hoffnung, der Lebensfreude und der Liebe. Beide Wölfe kämpfen oft miteinander.“

Die Enkelin sah sie an. „Und?“, fragte sie, „welcher der Wölfe gewinnt, Großmutter?“

„Der, den ich füttere, mein Kind“, sagte die alte Frau.“

Unsere Gedanken erschaffen unsere Realität – mittlerweile gibt es kaum eine Coaching-Seite oder Ratgeber, die uns nicht diesen Satz um die Ohren hauen. Ob diese neunmalklugen Coaches mal versucht haben, nach einem langen Tag mit zwei hungrigen Kindern im Winter durch das Berliner S-Bahn-Chaos nach Hause zu kommen? Aber wie auch immer – der Satz bleibt richtig, so wenig hilfreich das manchmal auch ist.

Es sind viele Dinge im „Außen“, die es anstrengend machen, als Eltern mit Kindern zu leben. Die nicht-artgerechte Haltung, das viele Alleinsein, die wenige Hilfe, die wir oft haben. Der Zeitdruck, zu wenig Ansprechpartner, häufig zu wenig Verständnis für die so unterschiedlichen Lebenswelten zweier Partner oder der Verwandten, eine Gesellschaft, die oft nicht auf die Bedürfnisse von Kindern ausgerichtet ist.

Aber egal wie das außen ist – in uns drin können wir immer wieder eine Entscheidung treffen.

„Füttere den richtigen Wolf.“

Die Geschichte sagt nicht, „lass den falschen Wolf verhungern“. Und damit hilft sie auch wieder, sich auf das Gute zu besinnen. Wenn der dunkle Wolf täglich auch ein paar Brocken kriegt – macht nix. Der arme Kerl ist ja auch nur ein Mensch. Wir sind nur Menschen. Ich jedenfalls bin kein Yogi, der immer nur lächelt und den „richtigen“ Wolf füttert. Ich hadere, fürchte, fluche, streite, misstraue, verzweifle. Das gehört dazu. Aber ich versuche jeden Tag möglichst viel zu lachen, zu lieben, zu scherzen, es neu zu versuchen, immer wieder den hellen Wolf zu füttern.

Und irgendwann ist der so vollgefressen und rund, dass der andere vielleicht gar nicht mehr angreifen muss, sondern sich an seinen dicken Wanst kuschelt und die Klappe hält…

Montags-Mantra: "Ist es WICHTIG?"

Prioritäten setzen – tut es! Es ist lebensrettend und nicht so schwer, wie es manchmal scheint!

An manchen Tagen frisst uns die To-Do-Liste: Wir müssen noch einkaufen, noch die Wäsche machen, noch 128 ungelesene Mails beantworten. Noch das Schreiben ans Finanzamt fertig machen. Die Steuererklärung, der Hund zum Tierarzt und das Auto könnte auch mal wieder gesaugt werden. Und und und…

Arianna Huffington schreibt in „Die Neuerfindung des Erfolgs“, dass die Deutschen zu den am meisten gestressten Völkern gehören. Wir gehören in der OECD zu den Spitzenverbrauchern an Blutdrucksenkern und Antidiabetika. 26% von uns litten 2010 an depressiven Symptomen,, 40% der Erwerbstätigen sagten, ihre Arbeit sei stressiger geworden, die jährlichen Kosten für Burn-Out wurden auf 10 Milliarden Euro geschätzt.

Wir haben also allen Grund, genau hinzusehen: Was ist wirklich wichtig?

„Und jeden Tag aufs Neue reißt dich die Welt an der Hand mit und schreit: „Das ist wichtig! Und das auch! Und das auch! Mach dir Sorgen um dies! Um um das! Und um jenes!“
Und jeden Tag musst du deine Hand zurückreisen, sie dir aufs Herz drücken und sagen: „Nein. Das hier ist wichtig.“ IAIN THOMAS

Meine Nachbarin stellte mir kürzlich dies hier vor die Tür:

Blumengruss

Und ich dachte: Ja, sie hat Recht. DAS ist wichtig!

Besonders deutlich merken wir das, wenn plötzlich etwas außer der Reihe läuft.

„Rase nicht, fahr langsam! Wenn’s knallt, haben wir plötzlich viel Zeit“, mahnt mich mein Freund im Auto. Und Recht hat er.

Wenn beispielsweise eines der Kinder ernsthaft krank ist, gibt es plötzlich keine Termine mehr. Alles wird unwichtig. All das, worüber ich mir gerade noch Sorgen gemacht habe, verschwindet, jetzt ist nur noch diese kleine Wesen wichtig, das gesund werden muss und mich braucht – mich ganz braucht. Und plötzlich kann alles warten, plötzlich weichen alle kleinen Sorgen (die unaufgeräumte Wohnung, die unerledigte Post, das noch abzugebende Manuskript, die Zahl der Facebook-Leser) der einen großen Sorge: Wird das Kind wieder gesund? Alles andere ist plötzlich unwichtig.

Aber wie setzt man das im Alltag um?
Wir – Julia und ich – nehmen bei unseren Meetings und unserer Planung die Eisenhower-Methode:

Ist es wichtig? Ist es dringend? Dann erledige ich es sofort
(„Ich kann gerade nicht, ich muss JETZT duschen, sonst fühle ich mich nicht wohl :)!“)

Ist es wichtig, aber nicht dringend? Dann erledige ich es später
(„Hey, ich rufe das Finanzamt an und erbitte Aufschub für die Steuererklärung.“)

Ist es nicht wichtig, aber dringend (PUTZEN!!!) ?
Dann mache ich es, wenn ich den Rest erledigt habe oder bitte jemand anderen, es zu tun (Schaaaatz….).

Ist es weder wichtig noch dringend? Vergesst es.
(„Ja, ich könnte öfter als alle 6 Monate Fenster putzen, aber es gibt soviel wichtigeres zu tun.“)

Viele Coaches sagen, man solle nur nach Wichtigkeit sortieren. Das führt bei mir zu ewig langen Listen und dazu, dass dringende, aber nicht so wichtige Dinge so lange aufgeschoben werden, bis es dann doch unangenehm wird („MIST! Jetzt haben wir es solange verschoben, dass wir eine Steuerschätzung kriegen…grummel.!“).

Die schöne Erkenntnis ist: Wichtige Aufgaben sind selten dringend oder werden durch die obige Methode so schnelle erledigt, dass sie nicht dringend – also drängend – werden. Dringend erscheinende Dinge („Oh Gott, der FUSSBODEN SIEHT AUS!“) sind selten wichtig :). Und es gibt eine laaaange Latte an Dingen, die einfach in die Kategorie: „Vergiss es“ fallen, was die To Do-Liste gleich wieder leerer macht.

Und dann ist plötzlich wieder Zeit da, Zeit, um meiner Tochter ihre gesammelten Schätze in ein Blätter-Paket mit Brennesselschnur zu binden, damit sie ihrer Oma eine Freude machen kann. Und das ist definitiv wichtig. Und für sie ist es in dem Moment auch wirklich dringend.

Blätterpaket

Wie sorgt ihr dafür, dass euch der Stress nicht auffrisst? Wie periodisiert ihr das, was passieren muss und sortiert aus, worum sich zu sorgen keinen Sinn macht?

Gruss zum Montag – 🙂

nica

Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Punkt!

Jamie Oliver bestraft seine Tochter mit Chili, „weil sie frech war“. Der Chili-Gate geht durch die Medien. Oliver will Kindern gutes Essen nahe bringen und straft – hinterhältig und geplant wegen einer „Frechheit“ – sein Kind mit Essen?

Scotch_Bonnets

Das geht gar nicht. Das geht absolut gar nicht. Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Und auch wenn es nicht in alle Köpfe geht: das geht!!!

1. Strafen funktionieren nicht, Herr Oliver. Vergessen Sie es. Authentisches Gegenüber funktioniert, auch Konsequenzen („so können wir nicht losfahren, es geht einfach nicht!“) sind verständlich, aber meiner Ansicht nach ist die Strafe an sich ein völlig überholtes, falsches, gewalttätiges, sinnloses Erziehungsmittel.

2. Was Sie getan haben, ist auch aus meiner Sicht Kindesmisshandlung. Sich öffentlich damit zu brüsten, ist nicht nur ein PR-Lapsus – es ist ein erschreckender Blick in die Wirklichkeit unserer Zeit.

3. Aber am meisten schockiert haben mich die Berichterstattungen und Reaktionen in Deutschland – autsch!!

Ich bin heilfroh, dass es Frauen wie Susanne Baller gibt, die auf Stern.de schon vor der großen Empörungswelle schrieb:

„Das ist, gerade bei einem Koch, der genau weiß, was er tut, ein Fall von Kindesmisshandlung.“

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Krippenbetreuung – artgerecht oder nicht?

Darf ein AP-Verfechter Krippenbetreuung gut finden? Dürfen wir von artgerecht Krippenbetreuung als eine Möglichkeit sehen? Ist frühe Fremdbetreuung Kindesmisshandlung? Lange Jahre nachdem mein Artikel „Attachment-Parenting funktioniert nicht“ erschienen ist und Jahre, in denen viele Menschen sich sehr darüber aufgeregt haben, dass ich AP jede Funktionslogik abspreche, gibt es jetzt die Debatte auf einer neuen Ebene.

Sind wir bei Artgerecht nun für oder gegen Krippenbetreuung?

Krippenbetreuung – artgerecht oder nicht? weiterlesen

Krippenbetreuung – artgerecht oder nicht?

Darf ein AP-Verfechter Krippenbetreuung gut finden? Dürfen wir von artgerecht Krippenbetreuung als eine Möglichkeit sehen? Ist frühe Fremdbetreuung Kindesmisshandlung? Lange Jahre nachdem mein Artikel „Attachment-Parenting funktioniert nicht“ erschienen ist und Jahre, in denen viele Menschen sich sehr darüber aufgeregt haben, dass ich AP jede Funktionslogik abspreche, gibt es jetzt die Debatte auf einer neuen Ebene.

Sind wir bei Artgerecht nun für oder gegen Krippenbetreuung?

Julia hat einen Blogpost geschrieben, in dem sie Jesper Juul darauf hinweist, dass es nicht für alle Eltern möglich oder sinnvoll ist, ihre Kinder drei Jahre lang vorwiegend zu Hause zu betreuen. Und sie hat öffentlich angedeutet, dass es Tage gibt, an denen Kinderbetreuung auch anstrengend sein kann:

„Hast du jemals an deiner geistigen Gesundheit gezweifelt, weil dir kein anderes Lied einfiel als ‚Baaauuuuarbeiter? können wir das schaffen?‘ „

Dafür hat sie ordentlich Schelte bekommen – einige haben ihr vorgeworfen, sie würde für Fremdbetreuung argumentieren, weil es mit Kindern zu Hause langweilig sei. Wer Julia kennt, weiß, dass das ferner nicht sein könnte: Julia hat eine viel höhere Bob-Der-Baumeister-Toleranz als zum Beispiel ich. Viele haben – wie so oft im Internet – gelesen, was sie lesen wollten und nicht, was da stand.

Julia hat in einem neuen Blogpost geantwortet. Ein Auszug:

Es ist so leicht zu verurteilen und das eigene Lebensmodell für das Alleinseligmachende zu halten (gerade in der AP Szene sind wir ja oft ganz groß darin).
Es ist leicht, sich nur mit „Gleichgesinnten“ zu umgeben.
Aber das führt uns als Gesellschaft nicht weiter.
Uns führt nur weiter, wenn wir versuchen, die Spiegel und Filter beiseite zu legen und wirklich, wirklich unsere Herzen aufzumachen und die anderen zu sehen.

Sind wir nun für oder gegen Krippenbetreuung? Die Antwort ist sehr einfach:

Wir sind für Wahlfreiheit. Für die Wahlfreiheit ALLER Familien. Wir sind dafür, dass Familien eine ECHTE Wahl haben. Und das ist nicht so einfach.

Derzeit herrscht eine starker Druck in Deutschland, Kinder in die Krippe zu geben. Für Interessierte: Herbert schreibt in „Die Kindheit ist unantastbar.“ darüber, wie er den gesellschaftlichen Prozess dahinter sieht. Und der schränkt die Wahlfreiheit ganz klar ein.

Gleichzeitig empfinden viele Eltern, die arbeiten wollen oder müssen, auch den Gegendruck: ihre Kinder nämlich auf keinen Fall und unter keinen Umständen in irgendwelche Fremdbetreuung zu geben. Ihnen wird Angst und ein schlechtes Gewissen gemacht. Sie werden mit Studien und Drohungen bombardiert, die Kinder würden zwangsläufig verhaltensgestört, es gebe in jedem Fall irreparable Schäden an der Bindung zwischen Eltern und Kind und überhaupt – diese Leute können ihre Kinder doch nicht lieb haben. /Ironieoff

Ich finde, wir machen es uns damit zu einfach. Viel zu einfach. Natürlich ist Krippenbetreuung ein Problem, so wie sie gerade abläuft. Aber wir können nicht in andere hineinsehen. Wir wissen nicht, warum sie ihre Entscheidungen treffen. Und aus meiner Sicht ist das auch gar nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir in Deutschland nicht ausreichend qualifizierte, bindungsfreundliche Betreuungsmöglichkeiten haben. Dass Kitas und Krippen übervoll sind, die Mitarbeiter schlecht bezahlt, das Wissen häufig nicht auf dem neuesten Stand – und selbst wenn, auch dort kann keiner zaubern, mit einer Betreuung von 1:5, 1:12 oder gar – wie in Kitas de facto oft, wegen Krankenstand etc. – 1:25 (!?!?!) kann es gar nicht gehen!

Die Frage der Krippenbetreuung sollte uns Eltern daher nicht spalten. Sie sollte uns Eltern vereinen, und zwar darin, dass wir dafür kämpfen, dass Eltern echte Wahlfreiheit haben: Krippe oder nicht. Dass Kindern in jedem Fall ein Bindungsangebot gemacht wird: Zu Hause oder in der Betreuung. Dass Familien gut leben können – entweder finanziell gut oder mit gutem Gewissen, egal wie sie sich entscheiden.

Wir sollten weiter dafür arbeiten, dass Eltern Kinderbetreuung haben können, die Bindung ermöglicht und artgerecht ist – so dass Eltern echte Alternativen finden, wenn sie eine brauchen oder wollen.

Dafür stehe ich. Dafür steht Julias Blogpost. Das ist artgerecht – einander zu helfen, füreinander einzustehen, für eine Verbesserung der Zustände zu kämpfen, damit jeder die Wahl treffen kann, die er für sich braucht – denn artgerecht ist auch, sich frei entscheiden zu können (Vortrag auf dem AP-Kongress).

Und bis es soweit ist: Gründet Mütterteams, geht zu eurem Artgerecht-Coach und tauscht Ideen aus und baut Netzwerke in eurem „Dorf“ auf, wo immer das auch ist.

Eure Nicola

Montags-Mantra: Mache alle 15 Minuten einen Fehler ;)

„Normale Menschen machen alle 15 Minuten einen Fehler“

Letztens hat mir jemand erzählt, dass Lufthansa-Piloten bei der Ausbildung angeblich lernen, dass normale Menschen alle 15 Minuten einen Fehler machen. Ist jemand von der Lufthansa hier? Ich konnte es nicht verifizieren, aber das spielt auch keine Rolle: Ich habe festgestellt, dass ich seit diesem Tag viel nachsichtiger mit mir und den Kindern und der ganzen Welt bin. Alle 15 Minuten!

Ich merke nicht, wann das Baby mal muss.
Ich bringe den Kleinen schon wieder zu spät ins Bett, so dass er überdreht ist.
Ich gehe selbst zu spät ins Bett, weil ich noch im Netz rumsurfe und bin morgens wie gerädert.
Ich esse Crap.
Ich vergesse das Leergut, obwohl ich zum Bio-Laden fahre.
Ich lasse schon wieder die Hose in der Reinigung, weil ich den Schnipsel nicht dabei habe.

die Liste ließe sich beliebig verlängern. Wer hat sich nicht schon darüber geärgert, dass er oder sie manchmal so wahnsinnig unkonzentriert, umperfekt und ineffektiv ist?

Seit ich weiß, dass alle 15 Minuten ein Fehler ganz „normal“ ist, bin ich viel entspannter! Ich denke mir: Hey, Menschen sind so. Menschen sind keine Computer. Du kannst nicht immer alles perfekt machen.

Und dann: Lächeln, Wischen, Waschen! :).

Sprich: Einfach weitermachen, sich nicht mit Ärger oder Selbstbeschuldigung aufhalten, sich nicht mit Perfektionismus tyrannisieren, sondern guten Mutes drauf vertrauen, dass es völlig ausreichend ist, wenn wir unser Bestes geben. Dann lernen wir nämlich so etwas wie Fehlerfreundlichkeit, eine Voraussetzung für ein glückliches Leben (mehr Details dazu in meinem Mut-Buch beim Beltz-Verlag).

🙂

Einen schönen, mutigen, fehlerfreundlichen Wochenanfang wünsche ich euch!

Eure Nicola