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Achtsam in der Familie leben

Heute bekam ich eine Mail von Heike, die ein Blog über Achtsames Familienleben betreibt: Family-Zen.

Sie gibt Tipps und Ideen, wie man Achtsamkeit, Bewußtheit und die Kunst der Langsamkeit im Familienalltag umsetzen kann. Sie hat z.B. eine Liste mit Tipps, wie man sich als Paar weiterhin die Zweisamkeit erhält. Wobei ich mir nie so sicher bin, was das genau heißt – wir z.B. genießen die Zeit mit den Kindern total, aber ja, es ist auch nochmal ganz anders nachts um vier im Dunkeln dazusitzen, den schlafenden Kids zu lauschen und einfach mal nur zu reden, nur wir beide! Ich frage mich oft, ob das kulturell bedingt ist, dass wir das brauchen – allein sein, allein zu zweit etc. Oder ist das menschlich? Brauchen alle Menschen das? Tiere auch? Wieder so eine ungeklärte Frage, die man mal recherchieren müsste.

Auch schön: So hört euer Kind euch zu – mit Tipps, wie wir es schaffen, einen kleinen Raumschiffingenieur dazu zu kriegen, sich seine Schuhe anzuziehen.

Definitiv ein Blog zum Stöbern, mit schön übersichtlichen Tipplisten und achtsamen Tipps für den Alltag mit Kindern.

Jesper Juul in Berlin – "Erziehung funktioniert nicht"

Der dänische Familientherapeut, Buchautor und Famillylab-Gründer Jesper Juul war am 1.10.2010 in Berlin und hat über seine Philosophie von Eltern-Kind-Beziehungen gesprochen (im Familienhandbuch gibt es einen Überblicksartikel zu seinen Grundprinzipien). Die Heilandskirche in Moabit war an diesem Donnerstagabend bis auf den letzten Platz belegt und es gab hinterher noch eine interessante Diskussion. Ich habe den Vortrag mitgeschrieben – nicht wortgetreu, aber so inhaltstreu, wie ich konnte.
Infos zu Jesper Juul im Familylab, ein Interview im Abendblatt (danke für den Link, Christina!) und für den originalen Klang eine Podiumsdiskussion auf Familylab.de.

Der Vortrag in Berlin hieß Eltern sein ohne Handbuch! und Juul sagt über das Thema, das sei ein Ausschnitt aus einem Buch, das er gerade im Kopf hat, aber keine Zeit habe zu schreiben.

Es geht ihm darum, dass niemand außer den Eltern selbst herausfinden kann, was richtig für sie und ihre Kinder ist. Er selbst möchte nicht als Erziehungsexperte gesehen werden, er selbst wisse nur, was zu tun sie, wenn es mal schiefgehe. Eltern sollten sich in jedem Fall darüber klar werden, welche Erziehungsziele sie verfolgen und warum. Erst danach könne man darüber nachdenken, wie man diese Ziele am besten erreicht und welche Effekte das auf die Kinder hat. Juul verhehlt nicht, dass er aufgrund seiner Erfahrung als Familientherapeut davon ausgeht, dass Kinder gesünder werden, wenn sie als Subjekte behandelt werden statt als Objekte. Aber er stellt es jeden Eltern frei, dies selbst zu entscheiden.

Gleichzeitig entlastet er die Eltern: Erziehung muss nicht perfekt sein, eigentlich muss sie gar nicht sein. Es reicht, den Kindern a) vorzuleben, was man selbst möchte (z.B. höflicher Umgang) und b) authentisch zu sein und seine Kinder als Menschen wahrzunehmen (sie z.B. erst einmal zu fragen, wenn sie nicht in Schule oder Kita wollen, warum das der Fall ist und auch zuzugeben, wenn man am Ende des eigenen Lateins ist). „Eltern erziehen viel zu viel“, sagt er und außerdem machen sich perfektionistische Eltern zudem häufig Sorgen, was ihren Kindern alles schaden könne (Zucker, Weißbrot, eine die Contenance verlierende Mama…), dabei seien Kinder durchaus in der Lage, mit authentischen Situationen umzugehen.

Die Essenz: Ein jeder finde heraus, was für ihn richtig ist, sei sich über seine Ziele und deren Effekte klar und dann: Eltern, entspannt euch. Nur weil alles problematisiert wird, ist noch lange nicht alles ein Problem.

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Jesper Juul in Berlin

Judith schreibt auf Blog von Babytwist:

Er ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Erziehung und er kommt nach Berlin:
Der dänische Familientherapeut Jesper Juul hält einen Vortrag in der Heilandskirche in Moabit.
Thema: Eltern sein ohne Handbuch
Wann? – Am Freitag, dem 01. Oktober 2010 von 19-22 Uhr
Kostenpunkt: 12 Euro (erm. 10 Euro)
Karten-Vorverkauf in den BUCHBOX! Kiezbuchhandlungen,

Infos hier

Veranstaltung: Tag der offenen Tür bei ANE

An diesem Samstag, 19. Juni, 15-21 Uhr lädt der „Arbeitskreis Neue Erziehung“ zum Tag der Offenen Tür in Berlin. Der ANE verschickt die „Elterbriefe„. In Berlin und ca. 200 anderen Städten und Gemeinden werden die Elternbriefe kostenlos verschickt.

Es gibt ein Programm mit viel Aktivitäten für Kinder und Einblicken für Eltern am 19.06.2010 von 15:00 Uhr bis 21:00 Uhr beim den Arbeitskreis Neue Erziehung e.V., Hasenheide 54, 10967 Berlin, U-Bhf Südstern, Berlin.

Die Kinder können Basteln, Toben und Spielen, die Eltern sich informieren über

– ANE-Elternbriefe: Konzept und die aktuelle Überarbeitung
– NEUE ANE-Schulbriefe: Was verändert sich und warum?
– „Eltern bilden Eltern“, Elternarbeit in der Kita mit Eltern türkischer Herkunft
– Erziehungstipps für arabische Eltern
– www.ben-elternnetz.de: Wie finde ich Ferienangebote für Eltern und Kinder bis 6 Jahren in der Datenbank?
– www.a4k.de: im Gespräch mit Autoren des mehrsprachigen Elternportals „Aktiv für Kinder“
– „Wie entwickelt sich unser Kind?“ – Filme für junge Eltern

Anmelden kann man sich hier.

Weibliche Perspektive zur Sicht des Mannes auf die stillende Brust

Stillen, Tragen, Kinder ohne Windeln, Familienbett – attachment parenting oder – auf Deutsch – die Familie, die sich voll und ganz auf die Bedürfnisse ihres Nachwuchses einstellt, ist Thema dieses Blogs. So weit, so klar. Seit ein paar Tagen allerdings frage ich mich: Stellen wir, die Autorinnen hier und an anderen Stellen im Familienteil des Internets, nicht allzu häufig die Frau und das Kind allein in den Mittelpunkt und vergessen den Mann.

Nachdenklich gemacht hat mich ein Posting von Philippe Zweifel über „Die Schreckensherrschaft stillender Brüste“. Allerdings nicht so sehr des Postings wegen, sondern vor allem wegen der zum Teil wütenden Diskussion, die in den Kommentaren entbrannt ist. Deshalb an dieser Stelle eine weibliche Sicht auf die Sicht des Mannes. Ich kann mich nämlich gar nicht so aufregen, wie einige der Kommentatorinnen.

Betrachten wir folgende Situation: Frau in Elternzeit, Mann geht arbeiten, Familienkonzept attachment parenting. Setzen wir zudem voraus, dass der Vater sein Kind über alles liebt, dass er seine Frau in allen Belangen unterstützt (Langzeitstillen, windelfrei, tragen, Familienbett…), dass er seiner Frau den Rücken freihält, um die Erfüllung dieser Belange zu ermöglichen, setzen wir voraus, dass er das Familieneinkommen verdient, damit seine Attachment-parenting-Familie leben kann. Was wir sehen, ist ein Vater, wie wir, die Frauen mit den Windelfrei-Kindern, ihn uns wünschen, ein Vater unserer Zeit, der gerne Vater ist, wahrscheinlich sogar gerne noch mehr Vater wäre, der aber, weil er eben arbeiten geht und das Kind von seiner Frau gestillt wird, nicht so zum Zuge kommt, wie er es gerne hätte.

Unser Vater kommt abends nach einem Arbeitstag, der häufig genug länger als die tariflich vereinbarten acht Stunden dauert, nach Hause, die Hütte brennt, sprich ein, zwei oder mehr Kinder nörgeln, maulen oder weinen – weil abends alle durchhängen – der Vater übrigens auch. Die Mutter drückt ihm dankbar den Nachwuchs in die Hand mit den Worten: „Puh, ich brauch grad mal ’ne Pause!“ Auch das versteht unser liebender und mitfühlender Vater, und er verschafft seiner Frau eine Verschnaufpause. Er hat den schreienden Säugling auf dem Arm, aber Vaterfreuden können nur bedingt aufkommen, denn eigentlich will das Baby nur die Brust, die er nicht hat. Er versucht kleine Spielchen, trägt das Baby in der Manduca, aber das täuscht alles nicht darüber hinweg, dass hier eigentlich nur die Mutter helfen kann. Das Baby ist müde und kann nur an der Brust einschlafen (ist ja ein „attached child“), und die hat er nicht.

Gerade in einer Familie, in der feeding on demand praktiziert wird, hat es der Vater häufig schwer, Nähe zu seinem Kind aufzubauen. Das geht nur, wenn der Nachwuchs ausgeschlafen und gut drauf ist. Unser Vater aber hat Verständnis, nutzt die Intervalle, die sein Kind ihm gibt, nur wenn das Kind alle zehn bis 30 Minuten seinem natürlichen Saugbedürfnis nachgehen will, dann bleibt die enge Mutter-Kind-Bindung nicht aus. Ob der Mann will oder nicht, so bleibt er doch oft außen vor.

Ich glaube manchmal, wir wollen die Eier legende Wollmilchsau: Unser Partner soll uns den Rücken freihalten, uns unterstützen, das Einkommen hereinfahren, damit wir Frauen uns ganz den kindlichen Bedürfnisse des ersten Jahres widmen können. Außerdem soll er ein moderner Vater sein, der nicht nur seine Pflichten ernst nimmt, sondern auch noch liebevoll ist – und obendrein Feuerwehr spielt, wenn der Laden droht, in die Luft zu fliegen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass auch der Mann zunehmend in eine Doppelrolle aus Job und Familie gerät.

Die Frauen dagegen, ganz sicher die, die sich für attachment parenting entschieden haben, steigen dagegen aus dem Job aus und in die Familie ein. All ihre Kraft widmen sie dem Kokon Mutter-Kind. Klar ist das auch wahnsinnig oft wahnsinnig anstrengend, aber es ist eben auch ganz besonders erfüllend, unter anderem auch körperlich. Klar soll der Mann Verständnis haben für die hormonellen und emotionalen Veränderungen bei der Frau, aber haben wir Frauen auch ausreichend Verständnis für den (körperlichen) Frust des Mannes? Haben wir ausreichend Verständnis für die Traurigkeit eines liebenden und liebevollen Papas, der mit ansehen muss, wie sein Kind sich nur von der Mama trösten lässt, sich nur von der Mama ins Bett bringen lässt, weil es nur an der Brust einschläft – weil es dort einschlafen darf? Und schließlich, wünschen wir uns nicht Partner, die es schaffen, über ihre Gefühle zu sprechen, uns ihre Ängste, Sorgen und Wünsche zu vermitteln?

Für mich folgt daraus: Ich kann verstehen, wenn ein Vater wie Philippe Zweifel, der sich aufgrund der engen Mutter-Kind-Bindung 14 Monate lang als Ansprechpartner zweiter Klasse empfunden hat, nun das Abgestilltsein seines Kindes als Befreiungsschlag empfindet, hat er doch nun endlich die Chance, der Vater zu werden, der er immer schon sein wollte.

Geschichten gesucht!

Alle kennen das wohl: Man sieht ein Kind, das ungerecht oder gar grob behandelt wird. Aber wie reagieren? Jan Hunt vom Naturalchild-Projekt will in einem Buch Ideen sammeln, wie man helfen kann, welche Sätze/Aktionen helfen und warum. Dafür sucht sie Geschichten. Wer hat schon einmal öffentlich für ein Kind Partei ergriffen und wie ging das aus? Schickt eure Geschichten (auf Englisch) an Jan. Beispiele und Inspiration hier.

Aufruf im Original:

Stories Wanted

Jan and Jason Hunt are preparing a new collection of stories on standing up for children in public places. If you have intervened successfully on behalf of a child in public, and would like to submit your story for inclusion in the book, please send it to Jan. For examples, see our intervention articles. All contributors whose stories are used will receive a gift copy of the book.