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Parenting Card: Finde den Humor

Find the Humor

Alle lachen, wenn Reinhard Mey singt: „Dies ist die Zeit wo ich an meinen Schreibtisch kann/ die Kleine malt mein Bein mit einem Filzstift an/und erledigt während eines kurzen Telefonats/ Durch Zerreißen die gesamte Post des Vormonats/ (…) Die Kleine pinkelt auf den Teppich die bringt mich ins Grab/ Vorher hol ich noch den Mittleren von der Schule ab/ Dann gibt’s Mittag und nen Streit, wer‘s erste Fischstäbchen kriegt/ Bis die Tränen fließen und es auf der Erde liegt die Kleine nießt mich an/ Und hat den Mund voll dabei/ Aller guten Dinge sind drei…“

Aber wenn es tatsächlich passiert – lachen wir dann auch noch? Wir sollten! Unbedingt!! Lachen baut Stresshormone ab, das wissen Menschen seit Urzeiten, wir haben es sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Das gilt immer, nicht nur am Weltlachtag. Und lachen kann man lernen. Beim Lach-Yoga machen die Teilnehmer absurde Grimassen, um kindliche Unbeschwertheit zu fördern. Grimassen? Kinder? Richtig: Dazu brauchen wir keinen Kurs! Das können wir täglch mit unseren Kids machen. Kinder finden Grimassen super. Humor in stressigen Situationen wirkt Wunder.

Das Großartige an Kindern ist, dass sie sich über Kleinigkeiten vor Lachen ausschütten können. Absurde Ideen, unerwartete Wendungen, sanftes Kitzeln, maßlose Übertreibungen, – es braucht keinen Pointenschreiber, um kleine Kinder zum Lachen zu bringen.

Glas umgekippt? „Da kann ja ein Elefant drin baden!“ Bus verpasst? „Ha, komm, wir krabbeln hinterher, den kriegen wir locker!“ „Ich hau dich“-Anfall? „Echt? Oh! *Grimasse* ein Löwe! Er will mich beißen! *Grimasse* Fang mich!“

Aber vorsicht: Mein Sohn zumindest merkt sofort, wenn ich ihn einfach nur nicht ernst nehme. Und das findet er nicht witzig. Es muss auf Augenhöhe und echt sein. Veräppeln gilt nicht.

(Und wenn euch grad gar nicht nach Lachen zumute ist, empfehle ich den Lach-Yoga-Spruch: „Tu so als ob, bis es echt wird.“ Bei mir klingt das so: „Nein, ich will nicht, mir ist grad nicht nach Lachen, nein, hihihi, ach, manno, lass mich, ich will nicht lachen, das ist nicht witzig, ich *kicher* nee, wirklich, na gut, soo etwa *künstlichlach* *echtlach* du bist wirklich anstrengend *lach* okay, jetzt hast du mich, aber …na warte…*kitzelattacke* … *lachausbruch*“)

Super-Nanny eingestellt

Das RTL-Format „SuperNanny“ ist laut Medienberichten eingestellt. Angeblich hat Erziehungscoach Katharina Saalfrank genug davon, dass ihr erzieherischen Inhalte „massiv in den Hintergrund“ gedrängt wurden (zitiert nach Spiegel Online). Sie „wirft hin“, heißt es auf Stern.de.

Das Format lief seit 2004 und mehrfach kritisierten Pädagogen und der Kinderschutzbund die entwürdigende Art der Darstellung von Kindern. Dennoch erhielt Saalfrank 2007 den Deutschen Fernsehpreis als „Bester TV-Coach“. 2010 verhängte die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) ein Bußgeld in Höhe von 30.000 Euro wegen Verletzung der Menschenwürde – ein Kind war vor laufender Kamera geschlagen worden, ohne dass jemand eingegriffen hätte.

Einen ausführlichen Überblick über vielfältige Kritik an der Sendung gibt es im Wikipedia-Artikel dazu.

Aber wie auch immer es war – jetzt isses offenbar vorbei. Ich hab die Sendung ehrlich gesagt nie gesehen. Einer von euch?

Erstgeborene…einfach umarmen

Unser Erstgeborener hat zwischendurch auch mal Stress damit, dass er jetzt nicht mehr alleine ist. Er äußert sich nicht in Aktionen gegen seine Schwester, keine Eifersucht in dem Sinne. Eher in Empfindlichkeit, Weinanfällen, Verzweiflung, Habgier, generell einer abgesenkten Frustrationsgrenze. Jetzt endlich habe ich etwas, das zu helfen scheint: Umarmen. Einfach umarmen. Nicht im Wutanfall selbst, das funktioniert bei meinem Kind nicht. Aber hinterher. Spielerisch.

„Hmmmm, ich glaube, es ist mal wieder Zeit, dich abzukitzeln, oder?“ „Jaaaaaa!!!“ oder
„Okay, wir rennen jetzt und wer zuerst an dem Baum da ist, darf den anderen abknuddeln!“ „Super!!!! *sprint*“ oder
„Was? Der Wutanfall ist schon vorbei? Darf ich jetzt…*fang* *sprint*“
„Neeeein!!! *lach* *rennweg* *schauerwartungsvoll* *losmamaknuddelmichjetzt!!!*“

Es ist so einfach. Aber ich hab offenbar oft vergessen, dass er noch so viel mehr an Körperkontakt braucht. Oft will er das auch gar nicht. Er hasst alles, was „komm doch mal in meine Arme“ ist. Er mag es nicht. Aber wenn ich es richtig verpacke, ist das Kind wie ausgewechselt. Keine Wutanfälle, kein Weinen, kein Unkooperativ-Sein, kein Stress. Bei uns hilft Strenge überhaupt nicht. Bei uns hilft Kuscheln. Ist das schön!!

Danke Jirina Prekop. Danke für das Buch „Erstgeborene„, das mir hilfreiche, interessante Einblicke gewährt hat.

Jesper Juul in Berlin – "Erziehung funktioniert nicht"

Der dänische Familientherapeut, Buchautor und Famillylab-Gründer Jesper Juul war am 1.10.2010 in Berlin und hat über seine Philosophie von Eltern-Kind-Beziehungen gesprochen (im Familienhandbuch gibt es einen Überblicksartikel zu seinen Grundprinzipien). Die Heilandskirche in Moabit war an diesem Donnerstagabend bis auf den letzten Platz belegt und es gab hinterher noch eine interessante Diskussion. Ich habe den Vortrag mitgeschrieben – nicht wortgetreu, aber so inhaltstreu, wie ich konnte.
Infos zu Jesper Juul im Familylab, ein Interview im Abendblatt (danke für den Link, Christina!) und für den originalen Klang eine Podiumsdiskussion auf Familylab.de.

Der Vortrag in Berlin hieß Eltern sein ohne Handbuch! und Juul sagt über das Thema, das sei ein Ausschnitt aus einem Buch, das er gerade im Kopf hat, aber keine Zeit habe zu schreiben.

Es geht ihm darum, dass niemand außer den Eltern selbst herausfinden kann, was richtig für sie und ihre Kinder ist. Er selbst möchte nicht als Erziehungsexperte gesehen werden, er selbst wisse nur, was zu tun sie, wenn es mal schiefgehe. Eltern sollten sich in jedem Fall darüber klar werden, welche Erziehungsziele sie verfolgen und warum. Erst danach könne man darüber nachdenken, wie man diese Ziele am besten erreicht und welche Effekte das auf die Kinder hat. Juul verhehlt nicht, dass er aufgrund seiner Erfahrung als Familientherapeut davon ausgeht, dass Kinder gesünder werden, wenn sie als Subjekte behandelt werden statt als Objekte. Aber er stellt es jeden Eltern frei, dies selbst zu entscheiden.

Gleichzeitig entlastet er die Eltern: Erziehung muss nicht perfekt sein, eigentlich muss sie gar nicht sein. Es reicht, den Kindern a) vorzuleben, was man selbst möchte (z.B. höflicher Umgang) und b) authentisch zu sein und seine Kinder als Menschen wahrzunehmen (sie z.B. erst einmal zu fragen, wenn sie nicht in Schule oder Kita wollen, warum das der Fall ist und auch zuzugeben, wenn man am Ende des eigenen Lateins ist). „Eltern erziehen viel zu viel“, sagt er und außerdem machen sich perfektionistische Eltern zudem häufig Sorgen, was ihren Kindern alles schaden könne (Zucker, Weißbrot, eine die Contenance verlierende Mama…), dabei seien Kinder durchaus in der Lage, mit authentischen Situationen umzugehen.

Die Essenz: Ein jeder finde heraus, was für ihn richtig ist, sei sich über seine Ziele und deren Effekte klar und dann: Eltern, entspannt euch. Nur weil alles problematisiert wird, ist noch lange nicht alles ein Problem.

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Jesper Juul in Berlin

Judith schreibt auf Blog von Babytwist:

Er ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Erziehung und er kommt nach Berlin:
Der dänische Familientherapeut Jesper Juul hält einen Vortrag in der Heilandskirche in Moabit.
Thema: Eltern sein ohne Handbuch
Wann? – Am Freitag, dem 01. Oktober 2010 von 19-22 Uhr
Kostenpunkt: 12 Euro (erm. 10 Euro)
Karten-Vorverkauf in den BUCHBOX! Kiezbuchhandlungen,

Infos hier

Wunsch eines Wissenschaftlers

Heute gefunden (dank an blugger)

Wissenschaft im Dialog führte ein Interview mit Wolf Singer, 15 Fragen, 15 kurze Antworten.

Singer ist Hirnforscher und sagt:

Was sollte unbedingt noch erfunden werden?

Ein Erziehungsmodell, das friedfertige, empathische und mit ihrer Endlichkeit zufriedene Menschen hervorbringt.

Na, Herr Singer, wer weiß, vielleicht sind wir auf einem guten Weg :).

Kita-Eingewöhnung: Sind AP-Kinder nun selbstständiger, oder was?

Immer wieder werde ich gefragt, wie denn unsere Kita-Eingewöhnung läuft bzw. gelaufen ist. Eines der Lieblingsvorurteile gegenüber Attachment-Parenting ist ja, dass die Kinder mit „der Erziehung“ überhaupt nie selbstständig werden können. Bei der Kita-Eingewöhnung müsste man es spätestens merken, dass das Kind sich absolut nicht lösen kann. Also – wie ist’s gelaufen? Kita-Eingewöhnung: Sind AP-Kinder nun selbstständiger, oder was? weiterlesen

OT: Die Rechte des Kindes – nach Janusz Korczak

Das ZEIT-MAGAZIN vom 30.07.09 (Nr. 32) kommt mit einem sehr schönen Artikel daher:

„Ich will doch nur spielen“.

Dabei bin ich auf einen mir bisher unbekannten Menschen gestoßen, Janusz Korczak. Er muss großartig gewesen sein. (Er starb 1942 im KZ)
Ich werde mich näher mit ihm beschäftigen. An dieser Stelle möchte ich auf diese website verweisen.

Korczaks drei Grundpfeiler der Pädagogik der Achtung:

– Recht des Kindes auf seinen Tod – „Aus Furcht, der Tod könnte uns das Kind entreissen, entziehen wir es dem Leben; um seinen Tod zu verhindern, lassen wir es nicht richtig leben.“

->Ermöglichung von Verselbständigung und Selbstbestimmung durch Förderung von :

->Möglichkeiten zur Selbstentdeckung

->Möglichkeit zur Willensausübung und -bildung

->Freiheit und Autonomie

->Erfahrungsmöglichkeiten

– Recht des Kindes auf den heutigen Tag – Wir sollten auch die gegenwärtige Stunde achten, den heutigen Tag. Wie soll es morgen leben können, wenn wir es heute nicht bewusst, verwantwortungsvoll leben lassen ?“

->Betonung des absoluten Wertes der Kindheit; impliziert die Forderung nach:

->Gleichberechtigung des Stadiums der Kindheit gegenüber dem Erwachsenen in Familie und Gesellschaft.

->Zubilligung der spezifischen Kinderperspektive, -bedürfnisse und -wünsche im „Hier und Jetzt“.

->Zubilligung altersadäquater Rechte und Pflichten

– Recht des Kindes so zu sein, wie es ist – „Kinder sind doch nötig auf der Welt, und gerade so, wie sie sind.“

->Förderung der Entwicklung von Individualität und Identität impliziert die Forderung nach :

->Abbau eines überhöhten „Kindheitsideals“

->Recht des Kindes auf „Mittelmässigkeit“

->Berücksichtigung von Veranlagung und Erziehungsmilieu als wichtige Erziehungsdeterminanten

->Freie Entfaltungsmöglichkeiten, aber im Hinblick auf soziale Möglichkeiten, Bedingungen, Ansprüche

Vielleicht wird manch einer daraufhin schlucken, vor allem bezüglich des Rechts des Kindes auf seinen Tod, aber es ist genau das in knappe Worte gefasst, was ich in letzter Zeit mit vielen diskutiert habe, die ständig ängstlich um ihr Kind herum schleichen, ihr Kind fortwährend ihren eigenen hohen Erwartungen vom Leben unterwerfen, und pausenlos an die Zukunft ihres Kindes denken während es heute nicht auf einen Baum klettern darf.