Die liebe Selma – Windelfrei-Coachin seit Mai 2013 – lebt im Ruhrgebiet und ist nun auch online anzutreffen:
Windelfrei im Ruhrgebiet
Im Familienmagazin Revierkind aus Selmas Region wird Windelfrei ist sehr offen, positiv und frisch beschrieben.
Die liebe Selma – Windelfrei-Coachin seit Mai 2013 – lebt im Ruhrgebiet und ist nun auch online anzutreffen:
Im Familienmagazin Revierkind aus Selmas Region wird Windelfrei ist sehr offen, positiv und frisch beschrieben.
Die Windelfrei-Erfahrungsberichte-Serie…
Heute kommt ein frischer Erfahrungsbericht von Jana:
Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Ich habe von meiner Hebamme und etwas später in einer Stillrunde davon gehört
und mich dann im Internet vor allem auf dem 123windelfrei-Blog und youtube (Videos vom artgerecht-projekt) informiert.
Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
ca. 2 Monate
Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Schwer zu sagen. Ich glaube so 8.
Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
Mittlerweile ist meine Kleine 8 ½ Monate alt und wir brauchen so 4 Windeln am Tag.
Nutzt Du auch andere Backups?
Zuhause verwenden wir Stoffwindeln (Windelhöschen) und unterwegs WWW
Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Nein.
Welche Standardsituationen probierst Du aus?
nach dem Aufwachen → ja
beim Stillen → ja, als sie noch klein war und noch nicht soviel gezappelt hat
nach dem Stillen/Essen → ja
nach dem Spielen → nein
andere → wenn ich sie aus der Trage raus nehme
Wann klappt es am besten?
Am Morgen nach dem Aufstehen. Zuverlässig geht das große Geschäft früh nach dem Aufstehen und nach dem Mittagessen in den Topf. Das Pipi ist bei uns wesentlich komplizierter. Sie hat von Anfang schlecht signalisiert
und mittlerweile klappt es kaum noch. Zusätzlich kommt dazu, dass sie sich seit neuestem immer steif macht, wenn ich sie zwischendurch abhalten möchte.
Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Weniger als 2 Minuten.
Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Hoppop – Donut Töpfchen
Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein: eher mehr Arbeit eher weniger Arbeit genauso viel Arbeit wie beim Wickeln?
Schwierig einzuschätzen
da sie als Backup immer eine Windel um hat, habe ich natürlich den gleichen Aufwand. Und je mobiler sie wird, umso schwieriger ist das Windeln bzw. Abhalten.
Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Die ganze Einstellung hat sich geändert
Mir hat ein schlauer Mensch mal folgendes zu denken gegeben: „Hätte die Evolution gewollt, dass Babys Windeln tragen, würden diese mit Windeln auf die Welt kommen!“ Ich bin sensibler und gucke sicherlich häufiger nach, ob sie noch trocken ist.
Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Egal wie gut es klappt
es lohnt sich weiter zu machen
Ein herzliches Dankeschön! 
Aktuell schlägt die Thematik Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Presse recht hohe Wellen: „Geht alles gar nicht.“ schreibt zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung.
Doch ich glaube – beziehungsweise will daran glauben -, dass es uns Eltern möglich sein kann, unseren Kindern beim Aufwachsen zu zusehen und unser Wissen, unsere Fähigkeiten sowohl für den Broterwerb als auch für die persönliche Selbstverwirklichung zu nutzen. Eine machbare Form sehe ich in einem Arbeitsplatz, der Kinder nicht ausgrenzt, sondern sie am Arbeitsleben teilhaben lässt.
2010 gründete Nicola nach dem Leipziger Vorbild, dem Rockzipfel, in kleiner Form das erste Mutter-Kind-Büro in Berlin.
… seit 2013 bemüht sich Gloria mit Cowork Toddler in der Hauptstadt Gleichgesinnte zu finden, um gemeinsames Arbeiten mit Kleinkindern zu ermöglichen.
Am vergangenen Freitag gab es im Eltern-Kind-Café Amitola seit längerer Zeit wieder ein Kennenlern- und Ideensammeltreffen. Es war eine schöne Runde mit interessierten Eltern mit Kindern von 1 bis 4 Jahren. Gloria berichtete von ihrer Hospitation im Rockzipfel im vergangenen Dezember und sprach über Ideen für Berlin.
Der aktuelle Stand der Dinge:
Das nächste Treffen ist am Donnerstag, den 6. Februar 2014, um 11 Uhr im Café La Bohème (Winsstr. 12, 10405 Berlin).
Weitere Interessierte sind herzlich willkommen! 
Windelfrei-Kurs am 13. Februar von 16-18 Uhr in der Elternschule in Hamburg-Altona (Max-Brauer-Allee 134 (Eingang Hospitalstraße), 22765 Hamburg
Raum: Erkerzimmer
Warum Windelfrei? Wie kann man starten? Zubehör: ja, nein, vielleicht, welches? Theorie und Praxis rund um Windelfrei. Für Schwangere mit Partner ebenso wie für Eltern mit ihren Babys.
Kosten: 20 Euro/Person, 35 Euro/Paar.
Anmeldung und weitere Informationen unter www.eliminication.net oder über ingrid.schloesser@web.deOffenes Windelfrei-Treffen am 17. Februar von 15-16.30 Uhr in der Elternschule in Hamburg-Altona (Max-Brauer-Allee 134 (Eingang Hospitalstraße), 22765 Hamburg
Raum: Erkerzimmer
Lockerer Austausch hauptsächlich über Windelfrei, aber auch über andere Themen. Windelfrei-Coach Ingrid Schlösser steht für Fragen zur Verfügung und es kann mit anderen Müttern diskutiert werden.
Kosten: 1,50 Euro freiwillige Abgabe für die Elternschule
Weitere Informationen unter www.eliminication.net oder über ingrid.schloesser@web.deLiebe Grüße
von Windelfrei-Coachin Ingrid
Am 13. Dezember 2013 war ich mit Monique Reiter gemeinsam zur Veranstaltung von Reinhard Kahl im Gespräch mit Remo H. Largo in der Urania.
Der Schweizer Kinderarzt Remo Largo ist der Mann mit dem Überblick über die gesamte Vielfalt unter den Kindern, aber auch der Herr der kindlichen Entwicklung in Zahlen und Tabellen. Er weiß, wie die breite Entwicklungsspanne von Kindern ausschaut. Denn er betreute eine lange Zeit die große Schweizer Langzeitstudie (1954-2005) über die kindliche Entwicklung in Zürich.

Hier kommen jetzt ein paar Auszüge des Abends, die ich für mich mitgenommen habe:
Ein Kind zu erziehen – in dem Sinne, es dort hinzubringen, wo wir es haben wollen – ist nicht ideal.
Befriedigte Bedürfnisse sind für die Entwicklung von Kindern wichtig.
Es gibt eine Vielfalt auch unter den Menschen, nicht nur in der Tier- und Pflanzenwelt. Wir sind vielfältig. Jedes Kind ist ein Unikat.
Er zeigte anhand von Videos, dass man kleine Kinder (1-3 Jahre) überfordern kann, wenn man ihnen Aufgaben vorgibt, die sie noch nicht erfüllen können. Diese Kinder zeigten sich auf für sie schwierige Aufgaben abwesend oder aber auch bockig, trotzig. Schon eine Studie aus den 1970er Jahren zeigte, dass man Kinder nicht (früh-)fördern kann.
Alles, was Kinder lernen sollen, ist in den Kindern angelegt. Wir können nur das Umfeld gestalten. Wir können den Kindern nichts beibringen.
Auch zeigte er Videos von „auffälligen Kindern“. Wenn man diese aufforderte Dinge zu tun, die sie nicht oder kaum konnten, reagierten diese mit Unaufmerksamkeit und körperlicher Unruhe. Gab man ihnen aber eine Aufgabe, die sie begeisterte, waren sie wie ausgewechselt und machten den Eindruck, als wären sie ganz „normal“.
Die von ihm betreute Langzeitstudie brachte ebenfalls unter anderem hervor, dass es Kinder gibt, die brauchen 1000 Arm- und Beinbewegungen pro Stunde und die anderen 3000. Doch alles ist normal. Seiner Meinung nach sollte man schauen, wie man die kindlichen Bedürfnisse im Zusammenleben – aber auch in der Schule – integrieren kann. Er nannte das Beispiel einer Lehrerin, die einem Schüler mit viel Bewegungsdrang gestattete, wenn er merkte, er kann nicht mehr stillsitzen, sich zu melden, dass er dann aufstehen möchte um einmal die 5 Etagen des Schulhauses hoch zu stiefeln und zurück. Danach war dieser Schüler wieder aufnahmefähig und konnte dem Unterricht gut folgen.
Jedes Kind kann lesen und schreiben lernen – zu seiner Zeit und in seinem Tempo.
Deshalb findet Largo, dass man Kindern Angebote machen soll, die ihrem Entwicklungsstand entsprechen. Denn die Entwicklungsprofile sind so verschieden, wie es Kinder gibt. Und weil wir als Einzelwesen nicht überlebt hätten, profitierten wir Tausende Jahre von der Heterogenität der Gruppe. Jeder brachte seine persönlichen Fähigkeiten ein. Somit ist es heute die schwierige Aufgabe unserer Gesellschaft, alle Kinder mit ihren individuellen Fähigkeiten zu integrieren.
PISA war natürlich auch ein Thema. Hierbei brachte Reinhard Kahl ein, dass es eine verbreitete Vorstellung sei, die Kinder mit Wissen wie Fässer füllen zu müssen. Doch dies sei ein Irrtum laut Largo. Ein besseres Abschneiden im PISA-Ranking gelingt nicht durch noch mehr Wissensvermittlung. Denn die Lernsituation wird dadurch nicht besser, sondern schlechter. Dabei machen die Kinder die Erfahrung, sie können vieles nicht.
Es ist Quatsch den Kindern vorzuführen, wie schwach sie sind. Das ist demotivierend.
Im Laufe des Abends leitete Remo Largo den entscheidenen Lernerfolg über die Mitschüler her. Erst danach kommen die Lehrer und weit dahinter die Schule, Familie und andere.
Das Lernen kommt vom Kind aus. Wenn die Rahmenbedingungen gut sind, dann will jedes Kind lernen.
Ich fand den Abend sehr spannend. Auch bekam ich einige neue Denkanstöße im Umgang mit Kindern. Doch wenn es kein Gespräch zwischen Reinhard Kahl und Remo Largo gewesen wäre, dann hätte mich die Veranstaltung eher an eine Univorlesung erinnert: viele Zahlen und Diagramme.
Moniques Meinung zum Abend war folgende:
… Es wurden Studien aufgeführt, die sicher plausibel und durchdringlich waren. Es wurden Themen angerissen die durchaus wichtig und unbedingt ernst zu nehmen sind. Sinngemäß kam heraus, dass wir die Natur des Kindes und die Individualität des selbigen sehen müssen. Dann werden wir ihnen den Lernerfolg bescheren können, den sie brauchen.
Mir drängte sich eine einfache Frage auf. Nicht in einer Passage kamen Kinder zu Wort. Wir reden immer über Kinder aber zu wenig mit ihnen. Und wenn wir mit ihnen reden, hören wir ihnen dann richtig zu? …
Wer noch mehr Inhaltliches vom Abend in der Urania wissen möchte und sich von Zahlen und Darlegung von Studien nicht abschrecken lässt, dem sei wärmsten das Taschenbuch von den beiden Herren empfohlen: Wer bestimmt den Lernerfolg: Kind, Schule, Gesellschaft? – Remo H. Largo, Reinhard Kahl (Hrsg.)

Glückliche Erfahrungen bereiten ein Kind auf eine glückliche Zukunft vor.
Vorsicht! Das ist eine hochexplosive Parenting Card. Viele denken jetzt vielleicht: Ich muss meinen Kindern eine glückliche Kindheit basteln. Meine Ansicht dazu ist: Das können wir nicht.
Wir müssen nicht bei den Kindern anfangen. Sondern bei uns!
Menschen sind Gewohnheitstiere. Und unsere Gewohnheiten sind sehr, sehr tief in uns verankert. Wir alle suchen ein Leben lang das, was wir kennen. Sicher können wir negative Prägungen durch Arbeit an uns selbst auch ändern. Aber unsere Voreinstellung steht auf: Suche das, was Du kennst.
Wenn wir wollen, dass unsere Kinder sich selbst ein gutes, glückliches Leben bauen, wenn sie groß sind, ist es also unsere Aufgabe, diese Überzeugungen in ihnen zu verankern:
Das Leben ist gut zu mir, glücklich sein ist mein Normalzustand, geliebt werden ist normal, frei zu sein ist mein Recht, ich bin okay, du bist okay.
Wieviele von uns müssen das erst lernen! Du bist gut! Du darfst träumen! Du bist schön! Du bist okay! Du musst nichts leisten, um anerkannt zu werden, weil du als Mensch etwas wert bist!
Eine ganze Industrie, Bücher, Seminare, Therapeuten leben davon, dass viele Menschen von klein auf beigebracht bekommen, dass sie nur etwas wert sind, wenn sie gut sind, dass sie nur geliebt werden, wenn sie brav sind, dass Stress, Ärger, Streit der Normalzustand im Leben ist.
Es ist also unsere Aufgabe als Eltern, für andere Erfahrungen zu sorgen. Keine einfache Aufgabe! Denn wir alle haben ja auch unsere Prägungen, mit denen wir selbst zu kämpfen haben und die unser Leben schwierig, stressig, langweilig, unausgefüllt, lieblos oder was auch immer unsere Prägung ist, machen.
Der erste Schritt für diese Parenting Card ist daher aus meiner Sicht, dass wir schauen, wie unser Leben sich anfühlt. Wir können unseren Kindern kein glückliches Leben zeigen – kein artgerechtes! – wenn wir selbst unglücklich sind oder nicht artgerecht leben (ein Thema, das übrigens in den Artgerecht-Camps immer wieder aufkommt – mit erstaunlichen Erkenntnissen).
Wenn wir selbst dort sind, wo wir uns wohlfühlen, dann haben wir mehrere positive Effekte:
– wir sind entspanntere, glücklichere Eltern
– wir leben Kindern vor, wie man sich um sich selbst kümmert
– wir leben Kindern vor, dass ein gutes Leben der Normalzustand ist
Und dann ergeben sich die positiven Erfahrungen für eine positive Zukunft von ganz alleine.
Wenn ihr eure Kinder glücklich machen wollt – seid glücklich.
Anne und Marcus von trainyabrain haben eine gute Sache in Berlin organisiert. Jeden ersten Sonnabend im Monat läuft nun die Dokumentation
im Kino Central in Mitte.
Ein Dokumentarfilm über die Natürliche Familienplanung (NFP) und hormonfreie Verhütung. Mit anschließender Diskussion und Fragerunde!Im Kino Central, Berlin-Mitte – Nähe der U Weinmeisterstraße oder S Hackescher Markt.
Jeden ersten Samstag im Monat von 10:30 bis 12:30 Uhr.
Eintrittspreise: 7,50 / 6,50 ermäßigt
Ich werde jetzt am kommenden Samstag hingehen.
Vielleicht sehen wir uns dort?! 
Donnerstagsserie – Irgendwo zwischen Windelfrei und Wegwerfwindel
Asche auf mein Haupt! Schon länger gab es keinen aktuellen Status zu unserem Windelfrei-Alltag. Aber heute gibt es endlich wieder ein paar Eindrücke von uns. Der 12. Lebensmonat ist angebrochen…
Wir waren jetzt viel seit dem Winterbeginn krank – Fieber, Husten, Schnupfen und Rotz war unser täglicher Begleiter. Das Abhalten funktioniert nach Standardsituationen so zu 70-80 %. Signalisieren tut er mal heftigst und (oft) gar nicht. Auch wehrt er gelegentlich angebotene Abhalteversuche mittels Durchstrecken und Wegdrehen ab. Insgesamt hatten wir in den vergangenen Wochen gefühlt fast so viel (Windel)Wäsche wie im ersten Vierteljahr. Doch alle paar Tage passiert hier ein Schauspiel: er schaut mich direkt mit Blickkontakt an und krabbelt los zum Badezimmer und wartet dort. Ich weiß in diesen Momenten einfach, er muss JETZT. Beim Abhalten erledigt er dann prompt sein großes Geschäft. Das fühlt sich so klasse an: Kommunikation.

Ansonsten passt es für mich – für uns als Familie -, dass wir nach Bedarf Abhalten und Backups zur Sicherheit nutzen.

Diese Energie, die es so schwer macht, ein Kind zu lenken ist es, die es später zu einem Lenker seines Lebens macht. /Henry Ward Beecher
Selbst wenn man Kinder nicht lenken will – ihre Energie
. manchmal bin ich einfach schon fertig, weil meine Kinder nicht müde werden ;).
Ich denke, wenn man Kids anzapfen könnte, wären die Energieprobleme diese Planeten im Handumdrehen gelöst. Fahrt die Atomkraftwerke herunter, wir kommen einfach mal mit der Kita vorbei!
Meine Kids jedenfalls rennen, springen, hüpfen, klettern, reden und fragen DEN GANZEN TAG, der Große rechnet und rennt und malt als ginge es um sein Leben (herrje, TUT es ja auch), die Kleine stellt 300 Fragen – pro Minute!! – und sie werden, werden, werden nicht müde.
Der abendliche Effekt: Meine eine ist nach 19 Uhr eigentlich nicht mehr zu gebrauchen. Todmüde. Der Tag war LANG. Er war ausgefüllt. Jede Minute hatte ihre Bestimmung, die Wäsche ist gewaschen, die Artikel sind geschrieben, der Nach-Umzugs-Kistenberg nähert sich einer überschaubaren Größe, die Freunde-Bücher des Großen sind alle mit Fotos versorgt und ausgefüllt, die täglich dutzendweise einlaufenden Mails zum Artgerecht-Projekt sind beantwortet und ich bin leer. Da ist nichts mehr. Ich will einfach nur noch ins Bett. Umfallen. Liegen bleiben. Schlafen.
Und die Kids? Keine Spur von Müdigkeit. Oder – noch schlimmer- auch schon langsam müde, aber sie brauchen noch Hilfe, um runterzufahren und sich zu entspannen.
In solchen Momenten gäbe ich ein Königreich dafür, dass meine Kinder NICHT diese Energie hätten, die ich sonst an ihnen so liebe.
Da ich die Kinder nicht herunterfahren kann, muss ich mich also herauffahren. Für mich heißt das: Mittags irgendwie auf die Ladestation – den Akku aufladen, 15 Minuten nichts tun oder sogar 30 Minuten schlafen (und dafür den Clan aktivieren :)). Oder einfach nur mal kurz abschalten und den Kopf leer machen. Wenn ich bis morgens um vier gearbeitet habe, muss auch schonmal der Kaffee herhalten. Und im Idealfall habe ich einen Clan und genug Unterstützung, dass die Energie der Kinder auf soviele Erwachsene verteilt ist, dass immer jemand abends noch vorlesen kann, wenn ich schlafen will oder morgens schon Lego baut, wenn ich noch unter der Dusche stehe :).
Aber selbst wenn nicht, es hilft mir enorm, wenn ich mir sage: Ja, es ist anstrengend, aber wenn sie mit der gleichen Energie später ihre Träume verfolgen mit der heute Lego gebaut, Laufrad gefahren und die Tapete angemalt wird – was kann ich mir für sie mehr wünschen?
Parenting Cards vom Natural Child Project von Jan Hunt – hier bestellen!
Nachdem eine Petition im Internet die Rücknahme von Jedes Kind kann schlafen lernen gefordert hat (Shitstorm hieß es sogar), führte Eltern-Autorin Nora Imlau mit der Autorin Kast-Zahn ein starkes Interview für die Zeitschrift ELTERN. Imlau und Kast-Zahn diskutieren über den Sinn und Unsinn von Schlaflernprogrammen, über Studienergebnisse und darüber ob das sogenannte Ferbern jetzt schädlich sei für die Kinder oder nicht.
Aus Artgerecht-Sicht fehlt bei der Diskussion noch ein wichtiges Puzzleteil. Es geht nicht nur darum, ob Ferbern langfristig schädlich ist, was Eltern oder Babys aushalten können und wer was wie wissenschaftlich nachweisen kann oder nicht. Es geht noch um etwas ganz anderes.
Gleich vorneweg: Aus Sicht des Artgerecht-Projektes ist ein Konzept wie in Jedes Kind kann schlafen lernen völlig indiskutabel. Keine Frage. Und wir werden diese Aussage auch weder relativieren noch zurücknehmen. Keine Kompromisse. Ferbern geht nicht. Aber: Verzweifelte Eltern ohne Hilfe zu lassen, geht auch nicht.
Die AP-Szene hat also ein Dilemma:
Verzweifelte, erschöpfte, unter Schlafmangel leidende Eltern brauchen Hilfe.
Schlaflernprogramme sind keine Hilfe.
Verzweifelte Babys alleine schreien zu lassen geht für uns nicht.
Verzweifelte, erschöpfte Eltern ohne Hilfe zu lassen geht auch nicht – und ist gefährlich.
Was also tun? Was empfehlen?
Nora Imlau löst diesen Konflikt, indem sie Schlaflernprogramme als letzten Ausweg anbietet, wenn sie in ihrem Gastbeitrag auf Geborgen-Wachsen.de schreibt:
Kurz: Selbst wenn tausend Studien die Unbedenklichkeit von Schlaflernprogrammen belegen würden, es bliebe trotzdem ganz großer Mist, sie anzuwenden außer in jenen wirklich seltenen Situationen, in denen Eltern kurz davor stehen, ihre Kinder an die Wand zu klatschen von lauter Wut und Frust über die eigene Schlafsituation.
Herbert Renz-Polster tut in seinem Buch Kinder verstehen dasselbe, er schreibt:
Wenn Eltern also ihre Kinder ferbern, weil sie schlicht am Ende ihrer Kräfte sind und andere Methoden nicht richtig funktioneren, dann kann (kursiv im Original) das eine Notlösung sein – ein schlafendes Kind kann nun einmal für die Eltern den Unterschied zwischen Himmel und Hölle, ja sogar zwischen Gesundheit und Krankheit bedeuten.
Wir sollen unsere Babys also nicht ferbern – außer, wenn wir nicht mehr anders können. Wie wäre es, wenn wir stattdessen dafür sorgen, dass Eltern erst gar nicht in derart verzweifelte Situationen kommen?
Kast-Zahn sagt auf Noras Frage hin, dass man einem Baby, das nachts acht Mal Mama weckt, durchaus auch kuschelnd Schlafen beibringen kann: Wenn Eltern dazu die Geduld haben – wunderbar. Aber was meinen Sie, wie viele Eltern das Gebrüll ihrer Babys regelrecht aggressiv macht?
Genau hier liegt der springende Punkt für mich. Warum macht diese Eltern das Gebrüll ihres Babys aggressiv? Sparen wir uns alle Küchenpsychologie, jeder weiß es: Überlastung und Schlafmangel sind ein explosiver Cocktail, der aus der entspanntesten, liebevollsten Mutter/Vater eine aggressive Furie machen kann.
Diese Eltern machen nichts falsch. Sie haben aus meiner Sicht auch ihren Kindern keine falschen Schlafgewohnheiten antrainiert, wie Kast-Zahn suggeriert. Sie haben eine Situation, mit der sie nicht umgehen können, weil sie am Ende ihrer Kräfte sind. Weil sie übermüdet sind. Weil sie schlafen wollen. Weil diese Situation nicht artgerecht ist.
Menschen waren in den letzten 100.000 Jahren niemals so alleine mit unseren Kindern, wir wir es heutzutage sind. Schon gar nicht mit 24-Stunden-Babys oder Schreibabys. Wir sind auf diese Art von Dauerstress nicht vorbereitet, weil wir ihn niemals aushalten mussten.
Für unsere Situation brauchen wir keine Schlaflernprogramme für die Babys. Die Babys sind okay. Wir brauchen auch nicht noch mehr Schuldgefühle für die Eltern (falsche Schlafgewohnheiten angewöhnt). Die Eltern sind okay. Was wir vor allem brauchen, sind andere Lebensbedingungen für die Eltern.
Wir müssen als erstes die Überlastung der Eltern abstellen. Denn Überlastung ist das Problem. Ohne Überlastung können die Eltern auch ohne Nothilfe oder Notfallprogramme ihren Kindern zeigen, wie in dieser Familie nachts zu schlafen ist.
Ohne chronische Überlastung könnten Eltern ihrem Baby entspannt und gelassen mit Körperkontakt beibringen, dass jetzt Schlafenszeit ist und das Mama nachts nicht acht Mal stillen will oder kann. Und wann sie das macht, kann sie/ können die Eltern dann auch entspannt entscheiden – aus artgerecht-Sicht ergibt es überhaupt keinen Sinn, ständig auf die individuellen Entwicklungsabläufe von Kindern zu verweisen und dann aber pauschal zu sagen: Ab acht Monaten darf man Schreienlassen. Wenn Eltern gar nicht in den Teufelskreis von Erschöpfung, Alleinsein und Schlafmangel geraten, wird sich die Frage ohnehin ganz anders stellen.
Aber warum sind wir Eltern so überlastet? Was ist hier passiert?
Die meisten Eltern – vor allem: Mütter- sind tags wie nachts mit ihren Babys viel zuviel alleine. Würden hingegen immer drei begeisterte Tanten, Großtanten, Omas, Onkels und Nachbarn mit dem Baby auf dem Arm herumlaufen, es trösten, kuscheln, spielen, wenn also Mama und Papa damit nicht alleine sind, kommen die Eltern gar nicht in die Situation, einen letzten Ausweg gehen zu müssen, bevor sie ihrem Kind etwas antun. Aber wenn Eltern 24/7 das kostspieligste aller Primatenbabys (nach Sarah Bluffer Hrdy) alleine großziehen müssen, brechen sie irgendwann zusammen.
Artgerecht ist:
Unterstützung durch andere
Kontakt zu anderen Eltern
mehr Information
Ursachensuche, was die Situation so belastend macht
Lösungen, die die Umgebung ans Kind anpassen und nicht das Kind an die Umgebung
Kurz: Wir brauchen einen Ersatz für unser verlorengegangenes Dorf. Genau deshalb machen wir das Artgerecht-Projekt. Unsere Coaches wollen Eltern dafür sensibilisieren, was sie wirklich brauchen – jenseits aller Rezepte und Vorgaben. Wir wollen Eltern den Clan, das Dorf zurückholen, das ihr Leben so sehr entspannen kann. Jedes Treffen, ob Artgerecht, Stilltreffen, Pikler, aber auch Nachbarschaft oder Familientreffen kann ein Anfangspunkt sein, um das Netzwerk zu bauen, das Eltern stützen kann.
Ich höre jetzt schon die Kritiker: Nicola, das sind doch alles Illusionen. Die Wirklichkeit ist nunmal anders. Aber wird die Wirklichkeit je anders, wenn wir sie so akzeptieren, wie sie ist? Oft ist Hilfe nur eine Tür, ein Gespräch weit entfernt. Wir müssen wieder lernen, sie zu geben, sie zu fordern, sie nehmen zu können.
Und dann erübrigt sich sehr wahrscheinlich auch die Schlaflerndiskussion.